LowBudgetBenz – Teil 21: Ich habe keine Lust mehr

Ich gebe es zu: Ich hatte einfach keine Lust mehr auf Hein. All die Roststellen haben mich genervt.

Also? Weg damit. Heute möchte ich euch erzählen, wie ich den Heckscheibenrahmen repariert habe.

Wirklich. Die Motivation war am Ende.

Schon die letzte Baustelle, von der ich euch erzählt habe, hat über ein Jahr gedauert, weil meine Lust auf den alten Kahn einfach komplett verschwunden war. Das Loch hinten am Scheibenrahmen hat mich so runtergezogen, dass ich am Radhaus ein Jahr keinen Handschlag getan habe. Und als der Radlauf dann auch nicht so schön geworden ist, wie ich es gerne gehabt hätte, wusste ich: Auf noch eine Karosseriebauarbeit an dem alten Mercedes hatte ich einfach keine Lust mehr. Nicht einmal ansatzweise. Das hat mich nicht dazu verleitet, den Scheibenrahmen dichtzukitten, nein. Ich habe Hein einfach weggegeben. Also nicht verkauft oder so. Ich habe einfach bei einigen Karosseriebauern gefragt, wie viel sie für die Reparatur des Scheibenrahmens haben wollten und habe die Arbeit einfach abgegeben. Nun seid ihr erstaunt, oder?

Eigentlich predige ich ja immer, dass man fast alles selbst versuchen kann, wenn man etwas Gefühl für Technik und ein wenig Fingerspitzengefühl hat und niemanden gefährdet. Gefährdet hätte ich wohl niemanden, wenn ich mich an dem Scheibenrahmen versucht hätte – es war mir aber einfach viel zu viel Aufwand. An dieser Stelle sitzen drei Bleche, die mit sechseinhalbtausend Biegungen aufeinanderlaufen. Ich hätte es bestimmt hinbekommen, die Ecke zu reparieren, aber das hätte sicherlich Monate gedauert. Und nachdem ich Hein schon vor über vier Jahren zerlegt habe, war es mir die Zeit einfach nicht mehr wert. Der alte Kahn hat schon mehr Zeit von meinem Leben beansprucht, als mir lieb ist. So langsam möchte ich auch einfach wieder fahren und Reisen mit ihm unternehmen, anstatt ihn wie ein großes Ornament eines unfertigen Projekts in der Garage stehen zu haben. Sowas geht nämlich auch aufs Gemüt.

Und die andere Ecke war genauso schlimm.

Vielleicht hätte ich nun keine drei Monate gebraucht, um die zweite Ecke zu reparieren – aber zwei bestimmt auch. Und dabei hätte ich geflucht, weil ich noch mehr Rost gefunden hätte, nur um dann am Ende zu merken, dass die Scheibe gar nicht mehr passt. Das hörte sich alles nicht so gut an für ein Projekt, bei dem die Motivation sowieso stark nachgelassen hat, weil immer alles in einer Katastrophe geendet ist, bevor es schlussendlich wieder besser wurde. Zum Glück gibt es Google und Mundpropaganda. Und so fand ich einen Karosseriebauer, der mir Hein für einen günstigen Preis schweißen wollte. “Das würde relativ zügig gehen”, meinte er, als ich fragte, wann ich Hein denn bringen sollte. Ein paar Wochen musste ich noch auf einen Termin warten – aber damit war ich fein. Und so kam es, dass ich den Wagen im April auf Karstens Trailer fuhr:

Kleiner Scherz natürlich. Ich habe Hein nicht mit Erich zum Karosseriebauer gezogen – das hat der Passat meiner Eltern übernommen. Aber komischerweise: Als ich Hein auf den Trailer fuhr und ihn anschließend ordnungsgemäß festzog, kam auch irgendwie die Motivation wieder. Ich erinnerte mich an die Reisen mit dem alten Kahn nach Österreich – etwas, was ich unbedingt wiederholen möchte. Auch würde ich gerne mit ihm einmal zum Mercedes-Museum nach Stuttgart fahren, nur, um noch einmal dorthin zu fahren, wo sie vor 35 Jahren das gemacht haben, was ich seit viereinhalb Jahren tu: Ihn als Neuwagen zusammensetzen. Naja, gut. Ich mach das zumindest fast.

Schnelle Nummer

Die fehlende Windschutzscheibe wurde durch eine Plane ersetzt, damit er mir nicht den kompletten Innenhimmel abreißt – und das hielt tatsächlich bis zum Karosseriebauer. Man soll sich übrigens wundern, wie gut ein Trailer läuft. Mit dem Trailer habe ich dieses Jahr schon einige Touren hinter mich gebracht – Karsten ist wirklich großzügig, was das angeht. Auch Erich hatten wir damit geholt. Aber naja – beim Karosseriebauer irgendwann angekommen, luden wir ihn ab und er meinte, dass er sich melden würde, wenn der Wagen wieder fertig sei.

Und das tat er auch: Gerade einmal drei Tage später meinte er, dass der Wagen abholbereit sei. Da war ich ziemlich aufgeregt und auch neugierig, wie der alte Kahn nun aussehen würde. Vor Ort erklärte er mir noch, dass es etwas teurer geworden wäre, weil eines der drei Bleche auch ziemlich weit ins Innere rostig war – der Preis war aber trotzdem mehr als fair. 400 Euro habe ich für die beiden Ecken bezahlt, die deutlich größer waren, als gedacht. Lustigerweise habe ich damals nur eine Seite fotografiert – und die möchte ich euch nun zeigen:

Fertig!

Also tatsächlich: Fertig! Die letzte Karosseriebauarbeit an Hein war somit abgeschlossen. Schnell grundierte ich noch über die Ecken, damit Gevatter Rost keine Chance mehr hatte – und meine Motivation stieg wieder ohne Ende. Dabei halfen übrigens auch Youtube-Videos über den 124er, die in mir die Vorfreude weckten, den Wagen bald wieder zu bewegen. Was auch wirklich helfen soll, was ich aber definitiv noch üben muss: Kleine Ziele setzen. Lieber weniger auf eine kleine To-Do-Liste am Tag schreiben, als immer das große und ganze Projekt zu sehen. Das tu ich in der Regel definitiv – und das demotiviert. Aber ein bisschen mehr über die Motivation philosophiere ich im Video, bei denen ich euch noch ein bisschen mehr über diese Baustelle erzähle:

Nun ist er also tatsächlich fertig geschweißt, der Hein. Und es hat auch nur über vier Jahre gedauert, bis ich das endlich sagen kann. Wie gesagt: Natürlich habe ich nicht die ganze Zeit durchgebraten, aber es war ja schon wirklich viel Arbeit. Als nächstes werde ich euch noch ein bisschen was über die Technik erzählen, die in Hein geflossen ist – und dann seid ihr tatsächlich endlich auf dem aktuellen Stand. Tatsächlich wird der Kahn nun bald zum Lackierer gehen – und dann muss er “nur noch” zusammengebaut werden. Was noch viel Arbeit ist, wird aber zumindest schöne Arbeit sein. Die Katastrophen sind nun endlich vorbei.

Zumindest hoffe ich das.

Watt'n Schrauber

Volvofahrer und Zündappschieber, Do-it-myself-Schrauber. Autodidakt. Hat zu oft Mitleid mit Fahrzeugen, die niemand mehr will und mag sie dann nicht mehr verkaufen. Liebt "Learning-by-doing", schraubt gerne und schreibt sogar noch viel lieber.

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3 Responses

  1. Elias sagt:

    Hi,
    normalerweiser bin ich eigentlich nur stummer Leser, aber irgendwann kommt nun mal die Zeit (das dies auf einem verregneten Dienstag um 1 Uhr nachts fällt, hätt ich selbst nicht gedacht…).
    Ich liege nämlich selber schon „mehrnächtig” schlaflos grübelnd über mein mehrjährig andauerndes Rostprojekt von 124er wach.
    Kurz um, ich bin auf der Suche nach einem Karosseriebauer, der sich meiner annimmt und den alten Kahn wieder „TÜV”-fertig schweißt.
    Da ich mich nicht sonderlich auf andere Erfahrungsberichte stützen kann und mich die Empfehlungen der Mundpropaganda nicht ereilen, wollte ich fragen wie und wo dein Karosseriebauer des Vertrauens zu finden ist, falls du diesen Kontakt teilen möchtest.

    Mit freundlichen Grüßen
    Elias

    • Hey Elias,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Aus welcher Gegend kommst du denn?

      Tatsächlich hilft es manchmal, in 124er Gruppen zu fragen, wer einen guten Karosseriebauer empfehlen kann, inzwischen sind die ja fast alle rostig. Wenn du hier aus dem Norden kommst, kann ich dir natürlich auch gerne den Kontakt senden.

      Liebe Grüße
      Lars

  1. 24. Oktober 2025

    […] weiß, das habe ich schon bei der letzten Geschichte von Hein gesagt. Da habe ich ihn zum Karosseriebauer gebracht, weil ich wirklich überhaupt keine Lust mehr auf Schweißarbeiten an dem alten Kahn hatte […]

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