Der Kühler der Pandora
Wieder mal eine Geschichte über ein „neues“ Projekt.Nun ist Ove an der Reihe.
Der grüne Kombi sollte eine Plakette bekommen, wehrte sich aber. Heute: Das Kühlsystem.
Alte Autos sorgen nie für Langeweile.
Das habe ich dieses Jahr so richtig gemerkt. So sehr, dass ich die letzten Wochen gar nicht wirklich Zeit hatte, euch Geschichten und Videos zu erzählen – mir gingen tatsächlich die Autos aus und ich musste erstmal so einiges reparieren. Eines dieser Autos, das partout nicht wieder auf die Straße wollte, war mein Amazon Kombi Ove. Im März habe ich begonnen, den alten Kombi für eine neue Plakette vorzubereiten und seine Schwachstellen abzuarbeiten – und genau darum soll es heute gehen. Der erste Punkt, den ich an meinem grünen Traumwagen abarbeiten wollte, war das Kühlsystem. Bei der Super Verbleit war es mir schon aufgefallen: Im Innenraum trat Kühlwasser aus, wenn ich die Heizung anmachte – das Heizventil war kaputt. Und auch der Kühler sah schon nicht mehr so gut aus, also wollte ich den auch gleich überholen. Insgesamt nur vier Schellen und acht Schrauben. So etwas kann ja nicht lange dauern. Oder?
Und tatsächlich ging es auch sehr entspannt los. Zwar hatten sich die Kühlerschläuche etwas geweigert, ihren Platz zu verlassen, aber nach etwas Überzeugungsarbeit ging es dann doch – und ich konnte den alten Kühler zum Kühlerbauer bringen. Der löste sich nämlich langsam auf und war schon ganz bröselig. Wie Pergamentpapier fielen die Kühlrippen aus dem Kühlernetz. Aber gut, dass es noch Firmen gibt, die so etwas gut (und günstig) überholen. 220 Euro kostete mich die Aktion – dafür wurde der Kühler mit einem Hochleistungsgitter neu benetzt, eine Stelle wurde noch geschweißt und neu lackiert wurde das ganze auch noch. Wie das aussah? So:
Alles neu macht der März
Ich mag es ja, wenn so frische und neugemachte Teile wieder ins Auto wandern. Der neue Kühler bekam noch neue Buchsen für die ordnungsgemäße Montage und weil ich ihn nicht einfach so wieder einbauen wollte, habe ich in dem Zug auch noch gleich den Motorraum geputzt. Einmal mit etwas Neutralreiniger, Wasser, einem großen Pinsel und einem weichen Tuch zum Abtrocknen. Erstaunlich, was sich in einem vermeintlich sauberen Motorraum dennoch für Mist ansammeln kann. Wobei der Motorraum auch nicht so sauber wurde, wir ich erst dachte: Der Vorbesitzer hatte Schutzwachs in den Motorraum gesprüht – und das wollte ich nicht wieder entfernen. Wäre ja doof, Rost wieder eine Chance zu geben.
Danach kam das Heizungsventil an. Das ist dieses interessante Ding da, auf dem die zwei Schläuche stecken. Anders als viele moderne(re) Autos, hat ein Amazon keinen Wärmetauscher unterm Armaturenbrett – das musste ich auch erst lernen. Die Betätigung der Heizung wird von den Schaltern aus mit einem Seilzug an diesem Ventil gesteuert, das die Durchflussmenge zum Wärmetauscher weitergibt, der im Motorraum sitzt. Und durch diesen Wärmetauscher kommt dann wiederum die Luft, die knapp vor der Windschutzscheibe angesaugt wird. Hört sich doch simpel an, oder? Ist es eigentlich auch.
Nur zwei Schrauben
Naja, nicht ganz. Es sind vier Schrauben und zwei Schlauchschellen. Zwei Schrauben halten das Heizventil an der Karosserie, zwei Schrauben halten diese Art „Handschuhfach“ davor. Ich glaube, das ist kein originales Teil – aber andere Amazon-Fans dürfen mich da gerne korrigieren. Auf jeden Fall ist es cool, eine Ablage zu haben, damit nichts im Auto herumfliegt – aber die Lippe rundherum ist für ambionierte Kurvenfahrten etwas zu schmal. Nicht, dass ich das oft machen würde, aber es sind mir schon Dinge weggeflogen. Aber gut – zwei Schrauben, ein paar Kabel für den Lautsprecher und das Ding war aus dem Weg.
Was sich dahinter verbarg, war dann eher doof. Aber eigentlich auch nicht überraschend: Die komplette Dämmung und die Teppiche und auch unter den Gummimatten, die ganz unten unterm Teppich lagen, fand sich Kühlmittel. Richtig eklig. Also kurzer Prozess: Nicht nur das alte Heizungsventil musste raus (dem konnte man beim Tropfen zuschauen), sondern auch die Sitze, die Teppiche und die Dämmung. Einmal kurzer Prozess – ich wollte Ove sowieso schon lange saubermachen. Die Schläuche vom Heizungsventil gingen übrigens relativ einfach los, nachdem ich die Schellen zur Mitarbeit überreden konnte.
Alles muss raus
So kritisch, wie Blacky hier guckt, habe ich wohl auch geguckt. Denn kaum waren die Sitze – und anschließend auch die Gummimatten, die unter den Teppichen waren, übrigens von Nokia hergestellt – entfernt, sah ich wieder die nächste Baustelle, aber dazu später mehr. Die Teppiche und die Gummimatten wurden von der besten Beifahrerin der Welt gereinigt. Dazu nahm sie sich Polsterreiniger, den sie mit einer Akkuschrauber-Bürste einmassierte, dann alles mit einem Hochdruckreiniger durchspülte und anschließend noch einmal mit einem Waschsauger bearbeitet. Watt’n Aufwand! Doch der hat sich gelohnt: Alles sah danach aus wie neu. Wenn nicht sogar besser – und es roch richtig gut.
Und das, was ihr hier seht, ist die nächste Baustelle: Die vordere Sitzbefestigung war herausgerissen. Nicht etwa, weil der Unterboden irgendwie vergammelt war – das sah mir sehr nach einem Ermüdungsbruch aus. Von Rost war keine Spur. Scheinbar muss sich der Vorbesitzer immer in die Sitze geplumpst haben oder das Material hat nach rund fünfzig Jahren einfach mal aufgegeben. Das musste ich also schweißen – und tat es dann auch. Dazu habe ich aber kein neues Blech eingesetzt, sondern einfach das alte zurückgedengelt und verpunktet. Anschließend wurde noch alles versiegelt, damit der Unterboden so stabil bleibt wie er es jetzt ist – vom Zustand war ich ganz begeistert.
Leisetreter
Um Ove doch noch etwas schonender für die Ohren zu machen, haben wir den kompletten Fußboden noch einmal mit Alubutylmatten gedämmt. Das Gleiche habe ich ja schon einmal am Passat gemacht. Gut, ob das etwas gebracht hat, weiß ich bei dem Auto noch nicht. Aber bei Ove wollte ich das nun einfach auch machen – der war immer recht laut und schaden wird es sicherlich nicht. Das Heizungsventil war schnell getauscht, im gleichen Atemzug musste der Kabelbaum noch ein bisschen aufgeräumt werden. Da waren einige Klemmen, die verlötet wurden. Außerdem fand ich einen Schalter, den ich noch nie vorher gesehen hatte – mein „Handschuhfach“ hat eine Beleuchtung! Und tatsächlich funktionierte die sogar noch.
Und zum Schluss musste natürlich alles wieder zusammengebaut werden: Die Sitze kamen an ihren Platz, das „Handschuhfach“ genauso und das Kühlsystem wurde wieder befüllt. Danach gings auf eine kleine Probefahrt, um das Kühlsystem zu entlüften und die Heizung auszuprobieren. Vielleicht – so dachte ich während der ersten Meter – hätte ich das schon vor dem Zusammenbau alles machen müssen, um zu prüfen, ob alles dicht ist. Aber ich hatte Glück und es war alles dicht. Und der Motor blieb auch schon kühl. Wenn ihr noch einmal sehen wollt, wie ich die ganze Aktion durchgeführt habe, könnt ihr es euch in diesem kleinen Film anschauen:
Tatsächlich dauerte die ganze Aktion deutlich länger, als ich gedacht habe. Fast einen Monat hat es gedauert, bis das Kühlsystem wieder fit, der Innenraum wieder sauber und der Sitz wieder da war, wo er sein sollte. Aber so ist das halt bei Autos manchmal: Man weiß nie, was man findet, wenn man anfängt zu graben. Es ist halt ein bisschen so wie Archäologie. Und genau das habe ich auch am nächsten Projekt gemerkt, aber was das erzähle ich euch bald. Nur so viel: Hier mache ich ihn leiser.
Und beim nächsten Mal lauter.




Moin Lars,
die Ablage unter dem Armaturenbrett auf der rechten Seite ist ein Orignalteil. Gab es als Zubehör auch beim Vertragshändler zum nachrüsten. Den Boden von dem Teil gibts als Repro, falls er mal zerfleddert sein sollte.
Hey Thorsten,
das hat mich tatsächlich überrascht – da ist ja einiges an meinem Amazon nicht mehr so ganz original. Vielen Dank für die Info! Der Boden ist aktuell noch ganz wunderbar 🙂 Eventuell brauche ich bald noch mehr Ersatzteile für alte Schweden 😀
Liebe Grüße und dir ein richtig schönes Wochenende
Lars
Hey Lars,
Danke für die Wünsche, das hatte ich. Hab mich in einem Range Rover V8 nach Rosmalen zur Klassieker Beurs chauffieren lassen..
Falls du mal Teileprobleme mit deinen alten Schweden hast, ich bin in der Firma auch gern telefonisch erreichbar.
Grüsse, Thorsten
Hey Thorsten,
das hört sich auf jeden Fall nach einem sehr gelungenen Wochenende an. So ein V8 ist ja schon was feines.
Das mit den Teileproblemen und dem Anrufen werde ich garantiert einmal in Anspruch nehmen. Es könnte sich da noch was entwickeln 😉
Liebe Grüße
Lars