Watt’n Törn 7.0 – Wie geschmiert
Es ist schon drei Wochen her, doch das muss ich euch wieder über den schönsten Stau des Jahres erzählen.
Ich muss sagen – so schön wie dieses Jahr war er (fast) noch nie.
Ich könnte jammern, will es aber gar nicht.
Jammern ändert ja nichts – außerdem habe ich gerade gute Laune. Aktuell ist die Zeit bei mir sehr knapp – so knapp, dass ich euch weder von der diesjährigen Schnitzelfahrt (die war im Mai!) noch vom diesjährigen Watt’n Törn erzähle habe, der vor fast drei Wochen stattfand. Aber nun habe ich tatsächlich einmal Zeit gefunden, die Erinnerungen vom Watt’n Törn niederzuschreiben. Und da ist einfach kein Platz für Jammereien, auch wenn die Vorbereitungen von Jahr zu Jahr stressiger werden. Die gute Laune will genutzt werden – also springen wir jetzt ohne viel Gelaber (Ich weiß, zu spät…) in die Morgenstunden des 31. August 2025.
Der Tau lag noch schwer auf den dunkelgrün, fast schwarz wirkenden Grashalmen, als ich morgens aus dem Haus zur Garage lief. Es roch nach Sommerregen und war erstaunlich kühl für die Temperatur, die mir das Thermometer am Küchenfenster anzeigte. „Es wird schon noch“, dachte ich mir, als auf dem halben Weg zur Garage wieder große Regentropfen auf meine Brille und in den Nacken tropften. Außerdem lief ich ein bisschen schneller. In meinen Händen trug ich den Kasten, der all die Umschläge für die Teilnehmer-Teams beherbergte. Wären die nass geworden, wäre die Ausfahrt schon praktisch gelaufen. Naja, zumindest hätte es dann kein Quiz gegeben.
Doch es gab natürlich wieder eins
Jedes Jahr verbringe ich mehrere tausend Kilometer damit, eine Strecke für den Watt’n Törn „herauszusuchen“. Das hört sich jetzt irgendwie dramatisch an – ist es aber gar nicht. Ich habe tatsächlich Spaß daran. Tricky ist es immer, ein geeignetes Ziel zu finden, bei dem genügend Autos parken können – doch das hatte ich dieses Jahr recht schnell im Kopf. Auch den Startpunkt hatte ich relativ schnell festgelegt – also fehlte eigentlich nur noch das, was mir am meisten Spaß macht: Mich ins Auto zu setzen und die eigentliche Strecke herauszusuchen. Ich starte dann immer am Start (was ja Sinn macht) und fahre dann einfach los und schaue, was ich schön finde. Und immer, wenn mir langweilig wird, biege ich irgendwo ab. Zwischendurch schaue ich immer nochmal bei Google Maps nach, wo ich bin und ob man da fahren kann – und irgendwann habe ich dann eine Strecke zusammengestellt. In der Regel brauche ich dafür mehrere Anläufe, dieses Mal klappte es sogar auf Anhieb. Vier Mal bin ich die Strecke dann noch abgefahren, bis alles soweit fertig war, für den 31. August 2025.
Im Voraus hatte ich schon geprahlt, dass es die wohl schönste Watt’n Törn-Strecke bisher war – und Ida und Jürgen, die dieses Jahr in Jürgens Golf Cabriolet wieder den ganzen Weg aus Bayern an die Nordseeküste auf sich genommen haben, hatten den Druck auch erhöht. Noch in Bayern hatte Jürgen seinen Golf mit einem Watt’n Törn-Schriftzug (und meiner Blogadresse) gebrandmarkt und war damit einmal quer durch die Republik gefahren. Auch Lukas hatte noch seine „Watt’n Törn“-Schriftzüge auf seinem treuen Seat Marbella Knut, der trotz 400 000 Kilometern ihn ganz ohne Probleme an die Nordsee brachte. Auch Daniel war dabei und fuhr statt 500 SEC dieses Mal einen nur halben V8: Sein Taunus 15M P6 war rechtzeitig fertig geworden und sollte ihn dieses Mal begleiten. Die vier waren morgens erst zu mir gekommen, wo Ove (endlich mit frischer HU-Plakette, das wird eine lange Geschichte werden) und Henkelmännchen schon vollbeladen parat standen. Neben allen Unterlagen waren die Autos auch wieder mit Tischen, Stühlen und Leckereien bepackt.
Und dann konnte es auch schon losgehen
Es standen – wie immer eigentlich – schon einige Autos am vereinbarten Treffpunkt, als unser kleine Mini-Pre-Watt’n Törn-Konvoi auf den Parkplatz rollte. Am auffälligsten war wohl der buntbeklebte Volvo 240 von Nina und Ron, der nun auch schon seit einigen Jahren Teil des Teilnehmerfelds ist und neben den sich Lukas mit seinem ähnlich bunten Marbella stellte. Aber auch Heiko und Gerlind waren schon da – dieses Mal undercover. Anstatt mit einem luftgekühlten VW waren sie in Heikos schickem E30 Cabriolet dabei. Jukka hatte sich auch getarnt und war anstatt mit einem eckigen Volvo mit einem runden 1967er Käfer dabei. Ich sah meine kleine Rede, die ich vorbereitet hatte, schon ein bisschen schwinden. Immerhin wusste ich, dass Gabi, Milda, Ferdinand und Lars im Phaeton statt im Audi 200 Turbo kamen.
Aber wir hatten auch neue Gäste zu begrüßen: Johann und Stefan waren zum ersten Mal im Renault Twingo dabei, Jutta und Heinz im Käfer Cabriolet und Sally und Martin in der DS. Tatsächlich wusste ich schon vor dem Start, dass das Teilnehmerfeld sehr gemischt aussehen würde. Und tatsächlich hatten wir zum ersten Mal seit Beginn des Watt’n Törns keinen Mercedes mit Start. Das lag wohl auch daran, dass Lars und Ralph lieber in Portugal verweilten, als uns Gesellschaft zu leisten – ihr habt gefehlt! Während Ronja Räubertochter und ich die Anmeldeformularien von jedem Team erledigten, rollte immer mehr altes Blech auf den Parkplatz an der Nordsee. Ich weiß gar nicht, ob einer von euch über den Deich geguckt hat? Ich habe es zumindest nicht gemacht. Und so konnte ich auch Klaus begrüßen, der dieses Mal ohne Andrea in der GTV mitfuhr, dicht gefolgt von Olaf im Passat GT.
Auf die Plätze, fertig…
Die weiteste Anreise an dem Tag hatten wieder Sandra und Bastian, die mit ihrem Golf Cabriolet ganz aus Braunschweig an die Nordsee fuhren – und das auch nicht zum ersten Mal. Für den wohl größten Hingucker hat die Familie Behling gesorgt: Mona und Harald waren im schwarzen Special-Bug (Mit DIN-Kennzeichen!) unterwegs und hatten noch zwei Käfer im Schlepptau: Jarno und Kira waren mit Jarnos Offroad-Aubergine angekommen, Silas und Leon im Silver-Bug. Wenn man dann noch Björns Erste-Hand-Käfer und die schon erwähnten Käfer von Heinz und Jukka miteinrechnet, waren es sechs Käfer, die beim diesjährigen Watt’n Törn mitgemacht haben. Das dürfte ein neuer Rekord sein. Das erwähnte ich auch in der Ansprache, die ich dann kurz vorm Start hielt. Ich bat noch einmal alle darum, Verkehrsregeln zu beachten, nicht zu rasen und an den beiden unbeschrankten Bahnübergängen aufzupassen, die wir kreuzen würden – und dann ging es auch schon los.
Es ist schon ein ganz komisches Gefühl zu sehen, wie sich die Reihe an Autos hinter einem aufreiht. Wobei ich sagen muss, dass wir nicht alle gleichzeitig gestartet sind – es war immer genau eine Minute Abstand. Aber die Wartezeit an der ersten Hauptstraße sorgte dafür, dass wir praktisch wie eine Perlenkette – nur halt mit alten, tollen Autos – uns durch die Landschaft geschlängelt haben. Und wenn ich dem Feedback der Teams Glauben schenken darf, die weiter hinten in der Kette fuhren – und das tu ich nun einfach mal – haben sich auch wirklich alle Passanten gefreut. Aber wieso auch nicht? Ich würde mich auch freuen, wenn so Schmuckstücke wie der top-restaurierte BMW E21 von Jo und der genauso perfekte NSU Prinz 4 von Claudia und Matthias an mir vorbeifahren würden. Ein bisschen konnte ich den Eindruck doch genießen, als ich beim ersten Pausenpunkt anhielt und sich die Perlenkette um uns herum aufreihte.
Erstmal ’n Eis!
Es gibt hier im Norden immer mal so Selbstbedienungskiosks (Kioske? Kiösk?), bei denen man dann nach dem Einwurf des passenden Geldbetrags sich ein Eis oder ein erfrischendes Getränk nehmen darf. Und genau so einen hatte ich auch für den ersten Pausenpunkt gefunden. Eine Frage zum Quiz gab’s auch dazu – eine Eissorte hieß „Omas Käsekuchen“, auch ein Wink zum letztjährigen Watt’n Törn, als ich zum ersten Mal einen Käsekuchen probiert habe. Aber eigentlich war gar kein Eis nötig. Gerlind hatte für jedes Team wieder Bonbon-Dosen gekauft – nochmal vielen, lieben Dank dafür! Und die sah ich auch in der Mittelkonsole von Markus Audi A8, bei dem ich auch erstaunt war, dass der Wagen kurz vor der 30 steht – bis ich realisiert habe, dass der Wagen so alt ist wie ich. Upsi. Aber das gilt auch für den Citroen XM vom Sandmann, der ihn und seine Beifahrerin sanft über den Schotter gleiten ließ.
Apropos gleiten: Das wollte Martins DS nicht mehr so, als er mit Martin, der mit Felicia eigentlich in der Alfa Berlina unterwegs war, die Autos getauscht hatte. Aber nach kurzem Zwischenstop ging es dann auch schon weiter, weiter über Feldwege und Seitenstraßen, die ansonsten wohl nie befahren werden. Oder wenn, dann nicht besonders häufig. Schon beim ersten Pausenpunkt bekam ich häufig die Frage gestellt: „Wie kommst du denn auf die Strecke?“ – aber das bin ich inzwischen ja gewohnt. Auch Carsten stellte mir die Frage, als er mit Björn am zweiten Pausenpunkt aus seinem Volvo 240 stieg. Und um ehrlich zu sein, den zweiten Pausenpunkt habe ich auch mehr oder weniger aus Zufall gewählt. Ich wollte irgendwo noch einmal am Wasser sein – und da bot sich auch einfach mal die Treene an.
Bon Appetit!
Und dann ging das große Fressen los. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir eigentlich nicht am Ende noch ins Restaurant gemusst hätten – wir hätten ein eigenes aufmachen müssen. Unzählige Kuchen, Brote, Obst, Süßigkeiten – alles war vertreten. Ich schnabulierte mich auch durch und freute mich, dass mehr als die Hälfte der Strecke schon ohne große Vorfälle geschafft waren. Überall unterhielten sich die Leute untereinander, philosophierten über altes Blech und das Quiz, bei dem meine Fragen wohl wieder zu gemein waren. Besonders angeregt unterhielten sich Svenja und Jan, die im MX5 mitfuhren mit Jasmin und Hauke, die ebenfalls im Roadster, aber im Triumph Spitfire unterwegs waren. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wurde zum Schluss auch da noch einmal der Fahrersitz getauscht. Autos erFAHRen. Cool!
Und genau das haben wir dann auch noch für den Rest der Strecke gemacht. Wälder, Wiesen, kleine Ortschaften mit vielen Reetdachhäusern und ungewöhnliche Gartenhäuser in Form eines Güterwaggons zogen links und rechts an uns vorbei, als wir uns einmal quer durch den Landkreis Nordfriesland kämpfen. Naja… eher als wir dadurch tuckerten. Und hier muss ich einmal ein wirklich großes Lob aussprechen: Alle, aber wirklich alle haben sich an die Verkehrsregeln gehalten und sind ganz vernünftig und behutsam gefahren. Bei fast 30 Autos und 50 Leuten auch nicht unbedingt selbstverständlich. Vielen, vielen Dank dafür! So ist meine Motivation für das nächste Jahr auch gleich viel größer.
Auf Endspurt
Das diesjährige Ziel war auch meine Überraschung für alle. Eigentlich fahren wir beim Watt’n Törn immer ein Museum an, um auch ein bisschen was für die Bildung und die Kultur zu tun – und die Aufgabe hatte dieses Mal unser Zielpunkt. Das Museum und Restaurant „Roter Haubarg“ hatte netterweise zugestimmt, uns für den Abend aufzunehmen. Für uns natürlich sehr praktisch: Es sind mehr als genügend Parkplätze vorhanden, also mussten sich nicht alle so frech vor die Tür stellen, wie ich es gemacht habe. Das Team vom Roten Haubarg hat sich wirklich Mühe gegeben und für uns extra einen kleinen Saal hergerichtet – den alten Pferdestall, direkt im Museum. Das war genau nach unserem Geschmack – nach einem Tag voller Pferdestärken.
Und nachdem ich mich noch einmal bei allen bedankt habe, wie schön der Tag mit ihnen war, trat die gefräßige Stille ein. Schnitzel mit Bratkartoffeln, Scholle mit Kartoffelsalat oder ein besonders leckerer Gemüsepfannkuchen standen zur Auswahl und wurden auch verzehrt. Mein Nachtisch war übrigens ein warmer Schokokuchen mit Eis – wirklich lecker. Einige Zeit lang saßen wir noch zusammen, bis sich nach und nach alle Teilnehmer langsam auf den Heimweg verabschiedeten. Als letztes standen nur noch Ove und Daniels Taunus vor dem Haubarg und wir nutzten die Abendsonne für ein kleines Fotoshooting.
Und nun bleibt mir nichts übrig, außer danke zu sagen! Auch nochmal besonders an Gerlind und Heiko, die uns wieder mit Bonbons versorgt haben. Das Dankeschön habe ich während beider Ansprachen irgendwie verdattelt – sorry! Aber auch allen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gilt das Danke. Danke, dass ihr den Tag wirklich so wunderbar gemacht habt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit gutem Gewissen sagen kann, dass das der beste Watt’n Törn war, den es bisher gab. Und das lag an euch. Ihr habt mit dafür gesorgt, dass alles so glatt ablief. Oder wie man auch sagen würde:
Wie geschmiert.
Auch Olaf hat auf seinem Blog schon über den Watt’n Törn berichtet. Schaut doch mal rein: OST-Blog





Hi Lars,
wieder schön geschrieben!
Hallo!
Vielen, herzlichen Dank! Das freut mich sehr 🙂
Liebe Grüße
Lars