Brülltüte oder Sporttröte?

Eine Sache an Ove wollte ich schon ändern, als ich ihn kaufte: Der Auspuff war nie so, wie ich ihn wollte.

Zeit für einen Sportauspuff! Ein bisschen Angst hatte ich ja, ob ich nicht eventuell das Auto damit ruiniere…

Er hätte sowie neu gemusst.

Wirklich! Ich finde es ja tatsächlich echt peinlich, wenn Autos zu laut sind. Klappenauspuffanlagen, Soundgeneratoren und das Knallen von neuen Möchtegern-Sportwagen gehen mir tatsächlich ziemlich auf den Keks. Ich finde es panne, wenn Leute brüllend durch die Stadt fahren. Das wäre ja irgendwie so, als würde man schreiend durch die Stadt rennen. Finde ich zumindest. Deshalb ist es vielleicht auch ein bisschen komisch, dass ich euch nun erzählen werde, dass ich unter meinem Volvo Amazon Kombi einen Sportauspuff gebaut habe, oder? Aber genau das werde ich nun tun.

Ich fuhr ruhig in Richtung Hamburg, als mich ein neuerer Volvo überholte und ich dachte: „Der ist aber laut!“ Ich wunderte mich auch dementsprechend, als der Wagen sich weiter entfernte, aber nicht leiser wurde. Es hat tatsächlich einige Sekunden gegaudert, bis ich gemerkt habe, dass es mein Auto war, dass sich lautstark äußerte. „Mist, dein Auspuff“, war das erste, was meinem cleveren Kopf einfiel. Und der war es auch. Das passte mir so gar nicht – ich war auf dem Weg zu einem Konzert, herausgeputzt im Anzug und hatte überhaupt keine Zeit, auf der Autobahn den Auspuff zu verlieren. Also fuhr ich ab – und das, was ihr da oben seht, war meine Notfallreparatur: Ein Stück Regenrohr, zwei Schlauchschellen und einen dickeren Draht, an dem auch noch ein Schildchen „Melisse“ hing – und es hat sogar noch gehalten. Zumindest eine Zeit lang.

Ein Klassiker unter den Volvo-Fans

Irgendwann ersetzte ich das Regenrohr tatsächlich noch mit einer Schweißmuffe, die ich an den Übergang zwischen Hosenrohr und Mitteltopf gesetzt habe. Doch die hielt von Anfang an nicht richtig dicht – zu rostig war das Rohr und die Schweißpunkte wollten nicht mehr wirklich halten. Auch Auspuffmasse hielt es nicht dicht, also wusste ich, dass ich etwas am Auspuff ändern musste. Ein neuer Mitteltopf hätte wahrscheinlich gereicht, aber ich sah es eher als Möglichkeit, eine Sache an Ove zu verändern, die ich immer machen wollte. Diese Sache kam aus Schweden und wird von der Firma „Simons“ hergestellt. Genau – Ove sollte eine Simons Sportauspuffanlage bekommen!

Doch dafür musste die alte Auspuffanlage erst einmal ab – und das möglichst schonend. Auch, weil ich ein bisschen Angst hatte, dass mir der Wagen nach der Installation etwas zu laut werden würde. Außerdem wollte ich ungerne eigentlich noch heile Dinge (Wir sehen mal vom Mitteltopf ab…) kaputtmachen. Ich würde jetzt lügen, wenn die Demontage vom Auspuff schnell von statten gegangen wäre. Fast sechs Stunden habe ich mit der Hilfe von Ronja Räubertochter gebraucht, um die Auspuffanlage komplett abzubauen. SECHS Stunden. Aber nur so kann ich euch nun dieses Bild zeigen:

Zusammen geht’s leichter

Hier könnt ihr die größten Unterschiede sehen: Der Endtopf vom alten Auspuff ist so groß wie eine Konservendosen und die Bögen über der Achse sind auch recht… rechtwinklig? Ich glaube, ihr seht, was ich meine. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass Ove nicht richtig „ausatmen“ konnte – und sah hier eindeutig die Ursache. Die neue Auspuffanlage hat einen deutlich größeren Innendurchmesser als die alte und die Bögen sind deutlich geschmeidiger. Außerdem sieht die Sportauspuffanlage einfach deutlich schöner aus als die alte. So ein Chrom-Endrohr macht viel mehr her als die Salzstange, die vorher aus dem Auto herausschaute. Und dann ging es wieder an den Zusammenbau – und das lief richtig super. Nachdem ich die Dichtfläche des Krümmers sauber gemacht hatte natürlich. Und keine Sorge – ich habe es versucht, die Dichtfläche möglichst Plan zu halten. Die Auspuffanlage passte aber tatsächlich saugend unters Auto. Nicht ein Rohr oder ein Halter mussten angepasst werden. Nur ein Halter scheint etwas komisch zu sitzen – da schlägt der Auspuff ans Auto. Das ist tatsächlich aber auch ein Problem, was ich bis heute nicht gelöst bekommen habe. Falls ihr einen P221 habt und das Problem kennt, dass er am mittleren Halter anschlägt, gibt gerne Bescheid! Scheinbar fehlt da ein Anschlaggummi. Aber trotzdem – ich bin richtig happy mit dem Auspuff. Und wenn ihr nun neugierig seid, wie sich der Auspuff anhört, dann könnt ihr hier einmal schauen. Da seht ihr auch die sechsstündige Demontage…

https://youtu.be/qnVPYGj1X7E

Ich glaube, man kann an meiner Reaktion erkennen, dass ich echt glücklich mit der Auspuffanlage bin. Auch wenn der Wagen im Innenraum nicht wirklich leiser geworden ist – er wurde zumindest auch nicht deutlich lauter. Eigentlich ist das Geräuschniveau ungefähr gleich geblieben und nur von einem nervigen Dröhnen zu einem sonoren Brummen gewechselt. Hauptproblem für die Lautstärke in Ove scheinen die alten Türdichtungen zu sein, die im Auto für die Lautstärke eines Sturmes mit Windstärke 8 sorgen.

Und er sieht gut aus!

Finde ich zumindest. Der Auspuff passt viel besser zu den breiten Reifen, die Ove montiert hat und auch zur Tieferlegung. Und er hört sich verdammt gut an. Auch wenn mich die ganze Aktion fast 400 Euro gekostet hat, bereue ich zu null Prozent, dass ich es durchgezogen habe. Außerdem hoffe ich, dass der Auspuff nun viele Jahrzehnte halten wird und er mir nicht mehr abrosten wird.

Für den Notfall habe ich aber nun immer Melissendraht dabei.

 

Watt'n Schrauber

Volvofahrer und Zündappschieber, Do-it-myself-Schrauber. Autodidakt. Hat zu oft Mitleid mit Fahrzeugen, die niemand mehr will und mag sie dann nicht mehr verkaufen. Liebt "Learning-by-doing", schraubt gerne und schreibt sogar noch viel lieber.

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