Wenn die Pumpe nicht mehr düst

Heute mal wieder eine Geschichte über das genügsamste Auto der Welt – meinen Golf IV Variant.Nach 440 000 Kilometern ist der alte TDI nämlich tatsächlich kaputtgegangen – und das war teuer.

Es hat sich angekündigt.

Es war wohl ein bisschen so wie man es von sich selbst auch kennt. Ich dachte mir: “Das geht auch wieder weg” oder “Da meldet sich das Zweimassenschwungrad, das geht schon noch”. Aber es ging nicht wieder weg. Wenn mein treuer Dailydiesel Betriebstemperatur erreicht hatte, fing er an im Standgas sich zu schütteln und zu rütteln. Erst war es nur wenig, irgendwann wurde es dann deutlich schlimmer und beim Starten qualmte sein Auspuff irgendwann schlimmer als Helmut Schmidt es jemals tun konnte. Auch wenn ich absolut keine Zeit für eine Reparatur hatte, wollte ich das nicht mehr ignorieren – und schloss das Diagnosegerät an. Das schickte mir dann eine eindeutige Diagnose:

Das würde auf jeden Fall nicht von alleine weggehen. Irgendwas stimmte mit meinem treuen “Harald”, der mich seit neun Jahren begleitet, nicht mehr. Sofort zog ich ihn aus dem Verkehr, stellte ihn erst einmal im Carport ab und fuhr von da an im Alltag meinen V40. Das alles hier spielte sich im Juli ab – und sorgte bei mir über Monate hinweg für viele Grübeleien. Wenn ein Pumpe-Düse-Diesel von Volkswagen nur noch auf drei Zylindern läuft, ist das meist eine wirklich schlechte Nachricht. Anders als bei anderen, alten Dieseln sitzen die Einspritzdüsen nämlich tief im Inneren des Zylinderkopfes, wo sie durch eine Kipphebelwelle betätigt werden. So ein Pumpe-Düse-Element ist recht teuer: Neu kostet eines rund 700 Euro, bei VW sogar 1200 Euro für ein Austauschteil. Aber meist ist es mit einem neuen Element nicht getan, denn über die Zeit bewegt sich das Pumpe-Düse-Element im Zylinderkopf ein bisschen hin und her und arbeitet sich so in den Zylinderkopf ein und beschädigt ihn. Und das kann dafür sorgen, dass die Elemente nicht mehr richtig abdichten.

Alles doof.

Ihr seht schon – das kann einen ganz schönen Rattenschwanz nach sich ziehen, der wirklich viel Geld kosten kann. Und es tat mir leid. Nicht nur wegen des Geldes, das ich nun investieren musste, sondern auch wegen meines Autos. Der alte Golf war die letzten neun Jahre ein wirklich genügsamer Begleiter und ich hatte mich echt an ihn gewöhnt. Verkaufen kam für mich nicht wirklich in Frage – dann hätte ich ihn erst einmal weggestellt und mir ein Winterauto gekauft, um ihn dann langsam wieder fit zu machen. Aber auch das stellte sich gar nicht als so leicht heraus. Gebrauchtwagen sind wirklich teuer geworden – und die Autos, die nun 15 Jahre alt sind, haben nicht mehr die Qualität von meinem Golf 4 und haben tonnenweise Probleme mit der Elektronik, Rost und anderem Tüddelkram, auf den ich keine Lust habe. Aber einen Hoffnungsschimmer gab es da noch…

Wenn ihr einen Pumpe-Düse-Diesel habt, der einen Fehler anzeigt, würde ich euch raten, erst einmal den Kabelbaum zu wechseln. Bei meinem Golf arbeitete auch schon der zweite Kabelbaum drin, den ersten hatte ich schon einmal ersetzt. Auch dazu muss man den Ventildeckel abnehmen und ein bisschen schrauben, doch das ist kein riesiges Hexenwerk. Und genau deshalb nahm ich mir einen Nachmittag im August frei, kaufte mir für 134 Euro einen originalen Kabelbaum von Volkswagen und tauschte ihn aus. Doch nach der Probefahrt stand fest: Der Kabelbaum war’s nicht. Der Fehler war noch immer da. Scheiße.

A little help from my friends

Noch ein paar Wochen später. Watt’n Törn stand vor der Tür und Lukas und Jürgen waren da. Die beiden wollten mir dankenswerterweise helfen, herauszufinden, ob es tatsächlich an einem Pumpe-Düse-Element lag – oder ob vielleicht auch ein mechanischer Fehler vorlag. Nach einer recht spektakulären Kompressionsprüfung (darauf gehe ich nun nicht weiter ein) stand die Diagnose fest: Motormäßig hatte mein alter, roter Kombi nichts. Es musste ein Pumpe-Düse-Element kaputt sein, das den Kraftstoff nicht mehr richtig verspritzt. Das war schon ein bisschen erleichternd, die Gefahr eines kaputten Zylinderkopfes bestand aber immer noch. “Aber dann würde er ja nicht so gut abdichten”, meinte Jürgen. “Reparier ihn!” Eine Idee, mit der ich mich doch sehr gut anfreunden konnte.

Und so tat ich es dann auch, ein paar Monate später. Zum Glück habe ich mich an den Tipp von Thorsten erinnert, der mir damals schon unterstützend beim Kauf von Harald zur Seite stand. Thorsten hatte mir mal erzählt, dass es für den Fall “Pumpe-Düse-Brücken” oder “Korpushalter” gibt, die – in Kombination mit dickeren Dichtringen – die Pumpe-Düse-Elemente trotz eingearbeiteter Zylinderköpfe dann noch so fest- und dichthalten sollen, dass man keinen neuen Kopf braucht. Nach kurzer Recherche fand ich die passenden Dichtungshalter und Dichtringe – für 600 Euro. Aua aua. Aber nachdem ich schon 800 Euro in die Pumpe-Düse-Elemente stecken würde, war es da schon fast “egal”. Zumal ich für 1400 Euro kein vergleichbares Auto kriegen würde, das dann – hoffentlich – wieder 440 000 Kilometer hält.

Und raus damit!

Nachdem die Kipphebelwellen abgeschraubt und die Befestigungsschraube der Pumpe-Düse-Elemente ebenfalls entfernt war, konnte ich mit meinem neuen Zughammer die Pumpe-Düse-Elemente herausziehen. Zwei saßen relativ fest, die anderen beiden gingen relativ leicht los. Und tatsächlich – und das konnte man leider nicht so gut fotografieren – der Zylinderkopf war schon etwas eingelaufen. Nicht so schlimm wie auf den Bildern, die ich bei meiner Recherche vorher gefunden hatte, aber eingelaufen waren sie schon. “Wird schon gut gehen”, dachte ich mir und legte mir die Pumpe-Düse-Elemente alle nebeneinander. Ronja Räubertochter half mir anschließend noch, die Daten auf den einzelnen Elementen zu dokumentieren. Sie hat bessere Augen als ich.

Und so konnten die Elemente anschließend gut und sicher verpackt sich auf ihren Weg nach Bayern machen. Dort würden sie erst überprüft und anschließend repariert werden. Und nur, wenn die Reparatur erfolgreich sein würde, müsste ich auch etwas zahlen. Hörte sich nach einem fairen Deal an, wie ich finde. Gleichzeitig bestellte ich auch die Korpushalter mit dem Montagekit. Danach gab es einige Zeit nur noch Knäckebrot.

Und dann musste alles wieder zusammen

Die Überholung und die Korpushalter waren tatsächlich nach wenigen Tagen da. Das ging so schnell, gefühlt war mein Werkzeug noch nicht einmal abgekühlt. Bei dem oberen Element sieht man schon die neuen, grünen und dickeren Dichtungen, unten sind die originalen, die nach der Überholung drauf waren. Tatsächlich sind die neuen, die bei den Korpushaltern mitgeliefert wurden, ein ganzes Stück dicker. Das gab mir aber auch ein besseres Gefühl, was meinen in Mitleidenschaft gezogenenen Zylinderkopf anging. Auch Daniel, der mir bei der Aktion half, schien zufrieden zu sein.

Und nachdem auch noch die Korpushalter angebaut wurden, konnte auch alles wieder zusammengebaut werden. Bevor man die Pumpe-Düse-Elemente einbaut, sollte man noch die Kanten der eingearbeiteten Stellen etwas brechen, um die Dichtungen nicht zu beschädigen. Ansonsten baut man alles so zusammen, wie man es auch auseinander gebaut hat – nur mit neuen Schrauben, das sind nämlich Dehnschrauben. Wie genau der Zusammenbau abgelaufen ist, könnt ihr aber noch einmal in dem Video sehen, das ich über die Aktion gemacht habe:

Am Ende wurde alles gut

Seit der Pumpe-Düse-Aktion hat der alte Golf schon 1600 Kilometer abgespult – und er läuft wirklich richtig gut. Ein bisschen störrisch war nur der neue Pumpe-Düse-Kabelbaum, der beim erneuten Ausbauen wohl kaputtgegangen ist. Aber da mit dem alten noch nichts war, war das eine schnelle Aktion. Schade nur um die 134 Euro… Aber gut. Insgesamt hat mich die Aktion (mit Werkzeug) 1564 Euro gekostet. Und tatsächlich bereue ich es auch noch nicht. Ein paar kleine Baustellen hat mein Golf noch, aber an sich ist der Wagen noch wirklich gut und wird mich noch hoffentlich viele Jahre begleiten.

Die Pumpe-Düse-Elemente sollten ja wieder 440 000 Kilometer halten.

Watt'n Schrauber

Volvofahrer und Zündappschieber, Do-it-myself-Schrauber. Autodidakt. Hat zu oft Mitleid mit Fahrzeugen, die niemand mehr will und mag sie dann nicht mehr verkaufen. Liebt "Learning-by-doing", schraubt gerne und schreibt sogar noch viel lieber.

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2 Responses

  1. thorsten sagt:

    Moin Lars,

    den Kabelbaum hätte ich nur im Verdacht gehabt, wenn er älter als 7-8 Jakre ist. Dem Altern der PDEs kannst du etwas mit Zweitaktölbeimengung entgegenwirken, so 50-100ml pro Tankfüllung. Läuft auch merklich ruhiger. Das gleicht den fehlenden Schwefel im Diesel etwas aus, funktioniert auch bei Commonrail oder Verteilerpumpe merklich. Die irgendwann sich in den Kopf einarbeitenden PDEs verhindert das natürlich nicht, aber du hast ja jetzt die Verstärkungen, das sollte gehen. Die in den Ventiltrieb verschwindende Kompression hört man mit etwas Training deutlich, das knallt förmlich unter dem Ventildeckel durch die Entlüftung. Ich hab nur nach Ohr so einige Autos stehen lassen als ich meinen Octavia gekauft hab. Der hat auch Baustellen, aber das ist die aufwändigere 4×4 Hinterachse und Schlamperei beim Aufbocken durch den Vorbesitzer, andere Geschichte…
    Mein Bruder überholt übrigens grad den ganzen Motor von seinem Golf4 mit neuem Kopf und Kolben, ist ein 150PS-TDI mit knapp 400tkm. Auch dort haben die PDEs im Kopf gerührt…

    Schön, das Harald wieder fährt. So solide Langläufer gibts nicht mehr.

    • Hey Thorsten,
      Zweitaktöl habe ich tatsächlich immer ein bisschen beigemischt – aber die 200 000 Kilometer vorher dürften schon für einen Vorschaden gesorgt haben. Dass es bei Commonrail funktioniert, finde ich auch spannend – wäre ja was für den Passat meiner Eltern, der ja auch schon einige Kilometer auf der Uhr hat (inzwischen 340 000) und bisher wirklich absolut problemlos fährt.

      Den Motor komplett überholen könnte ich mir bei Harald auch irgendwann vorstellen. Ich mag den Wagen sehr. Bald werde ich erstmal neue Motorlagerungen einbauen – das sind noch die ersten und werden langsam erstmal schwach. Ansonsten fährt er aber echt gut – seit der Überholung sind 2300 Kilometer zusammengekommen. 600 dürften diese Woche nochmal dazukommen.

      Liebe Grüße und eine schöne Woche
      Lars

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