Wenn der Taunus zickt

Heute geht es mal nicht um eines meiner Projekte. Ich habe Daniel ausgeholfen.

Oder: Heute schrauben wir mal an einem V4-Motor. Was soll schon schiefgehen?

Man hilft, wo man kann.

Ich finde tatsächlich, dass die Oldtimer-Community eine der hilfsbereitesten Gemeinschaften ist, die ich kenne. Damit meine ich nun nicht die Leute, die sich – sobald sie eine offene Motorhaube sehen – um den Motorraum versammeln, die Brille auf die Nasenspitze schieben, danach die Arme hinter dem Rücken verschränken und falsche Diagnosen in den Raum werfen. Ich meine eher die richtigen Leute, die mit anpacken, wenn man mal nicht weiter weiß, die Tipps weitergeben oder sich freuen, wenn sie Dingen lernen. Und so ein „Mitanpacker“ ist mein Freund Daniel ganz eindeutig. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft er mir schon bei Reparaturen geholfen hat. Egal, wann man fragt, Daniel lässt alles stehen und liegen und kommt sofort an und hilft. Und im Sommer diesen Jahres konnte ich mich endlich einmal revanchieren.

Mann steht an der offenen Motorhaube eines weißen Ford 15MP6Im letzten Jahr, nachdem wir einige Touren mit Ove gemacht haben, wollte Daniel auch ein altes Auto. Okay – mit Omega B, W124 und einem C126 war er eigentlich schon gut aufgestellt, aber es sollte ein richtig altes Auto her. So mit Chromstoßstangen – ich hatte den Virus wohl auf ihn übertragen. Und nach nach einer kurzen Suche fand Daniel dieses seltene Schmuckstück: Einen Taunus 15M P6 in der „TS“-Ausführung. Ein echt seltenes Auto, das ich bisher nur ganz selten live gesehen habe. Der weiße Viertürer muss erst in Frankreich Zuhause gewesen sein und zog dann irgendwann nach Rumänien, wo ihn der Vorbesitzer kaufte und ihn nach Deutschland importierte. Ich glaube, Daniel nimmt mir es nicht übel, wenn ich sage, dass es kein Showroom-Zustand ist, sondern eher ein solider Dailydriver, der auch gelebt hat. Und das zeigte sich auch nach wenigen Tagen in seinem Besitz.

Irgendwas ist immer.

Taunus 15M P6 mit abgeschraubtem Reifen am Straßenrand.

Rund drei Tage nach dem Kauf hatte Daniel das erste Problem: Er hatte morgens plötzlich keinen Bremsdruck mehr. Ein Radbremszylinder hatte sich verabschiedet und war undicht geworden. Erst versuchten wir es noch mit einem Reparatursatz von einem Buckelvolvo zu reparieren – aber das brachte nichts. Die Manschetten waren zu groß. Nachdem Daniel es dann mit Neuteilen repariert hatte und er eines Samstagmorgens damit zur Arbeit fahren wollte, kam auf einmal Qualm aus dem Armaturenbrett und der Kabelbaum vom Lichtschalter brannte ab. Zum Glück konnte Daniel das noch rechtzeitig löschen.Und nachdem das repariert war, blieben Daniel und ich ein paar Wochen später auf dem Weg zum Teilemarkt nach Brokstedt liegen: Der Wagen bockte und stotterte und wollte plötzlich nicht mehr laufen. Außerdem lief irgendwie Benzin aus der Ansaugbrücke. Das hat da eher nichts zu suchen.

Ford V4-Motor ohne Ventildeckel und AnsaugbrückeUnd genau deshalb erzähle ich euch heute Daniels Odyssee mit seinem Taunus. Ich wollte ihm endlich mal das zurückgeben, was er mir immer gibt und ihm beim Schrauben helfen. Und so kam es, dass wir uns im Juni trafen, um Daniels Taunus wieder Leben einzuhauchen. Tatsächlich sieht das ganz lustig aus, wenn man unter die lange Motorhaube des frontangetriebenen Fords guckt: Der V4-Motor vorne sitzt ganz klein direkt hinter dem Schlossträger, das meiste unter Haube ist allerdings das Getriebe. Es sieht fast so aus, als würde man noch einen zweiten Motor hinter den V4 packen können. So ein V4 ist übrigens leicht zu beschrauben: Ruckzuck waren die Ventildeckel und die Ansaugbrücke runter, die Daniel dann aber vor dem Zusammenbau noch einmal schick machen wollte. Was uns da schon auffiel: Einige Schrauben waren überhaupt nicht festgezogen. Komisch…

Und es wächst zusammen.

Rund zwei Wochen später sahen nicht nur die Ansaugbrücke, sondern auch die Ventildeckel aus wie neu – und wir fingen an, den Wagen wieder zusammenzubauen. Nach kurzer Verwirrung, ob die Ansaugbrückendichtung die richtige war (war sie), war der Zusammenbau doch recht schnell getan. Hier ein paar Muttern, da ein paar Schrauben – alte Autos steckt man eigentlich fast noch leichter zusammen als Lego Duplo-Steine. Ein paar neue Kühlerschläuche (einige waren repariert…) und ein neuer Luftfilter machten den Motorraum dann erst recht zu einem Schmuckstück. Achja: Ein paar Aufkleber und eine neue Scheibenklar-Flasche hatte Daniel auch noch organisiert. So sah der Motorraum wirklich wieder komplett aus.

Motorraum eines Ford 15M P6 mit V4 MotorNicht ganz original, aber nach Daniels Geschmack. Ich finde tatsächlich, dass der Motor aussieht wie ein kleiner, amerikanischer V8-Motor. Nur halt im Miniaturformat. Die weißen Ventildeckel werden Daniel bestimmt irgendwann ärgern, wenn sie mit der Zeit dreckig werden – aber vorher war einfach der ganze Motorraum irgendwie blau lackiert worden. Inklusive aller Schläuche, Schellen und Anbauteilen. Das sah ziemlich doof aus – so kann sich der kleine Ford wirklich sehen lassen. Doch Optik ist nicht alles – denn der 15M P6 wollte einfach nicht anspringen. Alles stand so, wie wir es vorher markiert hatten. Und das musste falsch sein. Wir brauchten Messwerkzeuge.

Auf Diagnose

Und tatsächlich. Mithilfe meiner Zündlichtpistole konnten wir dann doch relativ schnell rausfinden, dass die Einstellung der Zündung überhaupt nicht stimmte. Das war wohl auch der Grund, warum der 6V-Anlasser immer so langsam drehte, als wäre er ein 12-Volt-Exemplar: Der Motor zündete immer zum falschen Zeitpunkt. Ziemlich sicher ist das auch der Grund, warum die Ansaugbrückendichtung aufgegeben hat: Der hat ziemlich sicher einmal eine Fehlzündung nach oben rausgehauen. Nach rund einstündigem Zündung- und Vergasereinstellen (letzteres nur nach Gefühl, Gehör und Geruch) lief der Taunus dann endlich wieder. Und das sogar wirklich gut – so ein V4 ist erstaunlich flott! Achja – falls ihr sehen wollt, wie wir schrauben, könnt ihr das natürlich gerne wieder tun:

Manchmal ist einfach der Wurm drin – aber der scheint bei Daniels Taunus nun endgültig vertrieben zu sein. Tatsächlich kann ich nun berichten, dass der Wagen einige – auch längere – Touren abgespult hat. Ganz ohne Probleme, Ausfälle oder Ölverbrauch. So fuhr er nicht nur beim Watt’n Törn mit, sondern ging auch so mal gemeinsam mit Ove auf Tour und hat Daniel auch ohne Ziel durch die Gegend gefahren.Und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ihr den Taunus hier sehen werdet. Daniel und ich planen da an einer kleinen Geschichte: Wir wollen unsere 67er Autos vergleichen und mal schauen, wie die Autos die Zeit überstanden haben. Neben Verbrauchsfahrten und anderen Testkategorien, wollen wir auch einen kleinen Roadtrip zusammen mit ihnen machen. Der Taunus ist nun fit, von Ove könnte man es auch denken, aber sein Getriebe arbeitet nun nicht mehr richtig.

Vielleicht könnte ich also deine Hilfe gebrauchen, Daniel.

Watt'n Schrauber

Volvofahrer und Zündappschieber, Do-it-myself-Schrauber. Autodidakt. Hat zu oft Mitleid mit Fahrzeugen, die niemand mehr will und mag sie dann nicht mehr verkaufen. Liebt "Learning-by-doing", schraubt gerne und schreibt sogar noch viel lieber.

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2 Responses

  1. thorsten sagt:

    Ey Lars,

    Die V4 sabbern im Alter irgendwie alle an der Brücke rum, warum auch immer. Selbst unberührte Autos ohne Kilometer machen das. Wir haben in der Sammlung einen Saab 96 V4 mit 7tkm (!!) von irgendeiner schwedischen Oma. Auch bei dem war das so, das der irgendwann nicht mehr lief und diese seltsame Faltdichtung neu haben wollte. Auch ohne verstellte Zündung.
    Ist schon eine lustige Kontruktion, der V4. Stirnäder sollte er im Auge behalten, die lösen sich von jetzt auf gleich gern mal auf. Aber sonst macht der 15m einen äusserst soliden Eindruck. Schön!

    Was dein Overdrive betrifft, auf dem Youtubekanal von amazoncars gibts irgendwo ein brauchbares Video, finde ich nur grad nicht. Ein Greenbook solltest du aber trotzdem haben wenn du das selbst machen möchtest. Die echten Spezis sterben ja gerade aus.

    https://www.youtube.com/@amazoncars

  1. 20. Dezember 2025

    […] glaube, Daniel war gerade mit seinem Taunus da, der gerade wieder so lief wie er sollte, und wir hatten zusammen eine große Portion […]

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