Wer kauft den besseren Oldtimer für 1000 Euro?

Manchmal passiert es halt. Man schaukelt sich hoch – und zack: Man hat eine Wette laufen.

Genau das ist bei Daniel und mir passiert. Und natürlich geht es auch wieder um alte Autos. Worum sonst?

Daniel und ich haben das gleiche Virus.

Eindeutig. Wir verbringen viel Zeit damit, durch Online-Inserate zu scrollen und sie uns gegenseitig zuzuschicken. Dabei sind es aber keine teuren Sportwagen, die wir uns zuschicken, sondern Autos wie mein alter Passat “Arno”. Autos, die eigentlich am Ende ihres Lebens angekommen sind und die für nur noch wenig Geld den Besitzer wechseln sollen. Tatsächlich ist kaum ein Auto, das wir uns hin- und herschicken, teurer als eintausend Euro. Meistens liegen sie deutlich drunter. Und egal, wie schrottig der Wagen ist: Wir freuen uns immer einen Ast ab über jedes alte Auto, das man dort für wenig Geld erwerben könnte. “Davon sieht man überhaupt keine mehr” ist meist ein Satz, den wir als Antwort auf ein geschicktes Inserat schreiben. Und dann war da dieser schicksalshafte Abend in meiner Küche…

Ich glaube, Daniel war gerade mit seinem Taunus da, der gerade wieder so lief wie er sollte, und wir hatten zusammen eine große Portion Krautsalat-Hack-Pfanne mit Nudeln inhaliert, als wir uns gegenüber saßen und uns wieder die wildesten Auto-Inserate zeigten. Wir waren erstaunt, wie viele Oldtimer – also tatsächlich Autos, die über dreißig Jahre alt sind – für wenig Geld zu haben waren. Und viele davon sahen gar nicht mal so schlecht aus. “Und da sage noch einmal jemand, Oldtimer wären ein teures Hobby”, meinte Daniel mit einem Grinsen zu mir. “Ich wette, ich finde den cooleren Oldtimer für wenig Geld”, meinte ich darauf. Und schon vergingen Stunden über Stunden, in denen wir uns gegenseitig Inserate zeigten, nachdem wir mit den technischen Daten vorher Auto-Quartett gespielt hatten. “Sowas müssten wir eigentlich mal in echt machen”, meinte Daniel dann als er abends ging. “Ich hab viel cooleren Kram gefunden”, meinte ich. “Niemals!”, war seine Antwort – und wir gaben uns die Hand.

Top, die Wette gilt.

Und so stand die Wette: Wir wollten jeder einen Oldtimer für maximal 1000 Euro kaufen. Er musste über dreißig Jahre alt sein, fahrbar, aber TÜV war kein Muss- weil das ist schon fast unrealistisch. Aber er sollte kein Wrack sein, sondern mit relativ wenigen Handgriffen wieder auf die Straße kommen. Daniel schwärmte sofort von seiner schwarzen Omega 2,5 V6 Limousine, die er im letzten Jahr für 450 Euro gekauft und einen Sommer bewegt hatte. Und das konnte ich verstehen. Wäre der Vorbesitzer nur etwas pfleglicher mit der Limousine umgegangen, wäre das ein richtig schönes Auto gewesen. Ich habe selten in einem Auto gesessen, dass so scheiße aussah, aber noch so gut fuhr wie der Wagen mit dem Blitz vorne. Ich war mir also sicher, dass Daniel sich wieder einen Omega B kaufen würde. Und ich? Ich war mir gänzlich unsicher, was es werden sollte. Das sollte wohl Kommissar Zufall entscheiden.

Achja –  vielleicht sollte ich euch noch erzählen, was wir mit den Autos vorhaben: Wir wollen damit ein paar Tests machen und die Autos über ein paar Monate bewegen. Als erstes müssen wir wohl die Reparaturfreundlichkeit testen, um die Autos wieder auf die Straße zu bringen. Dann wollen wir auch mal Fahrzeugtests durchführen und sowas machen wie Wendekreis oder Verbrauch messen. Einen Roadtrip planen wir auch noch, um mal die Zuverlässigkeit und die Langstreckentauglichkeit zu testen. Auch im Alltag sollen sie sich beweisen und auf einem Oldtimertreffen eine Abstimmung mitmachen, wer den cooleren Oldie hat. Ihr werdet also noch einiges von unseren Autos zu lesen bekommen. Und ansonsten? Ansonsten freuen wir uns über euren Input. Was würde euch noch einfallen?

Denn auch ich hatte ja schon ein paar Fahrzeuge für unter 1000 Euro gekauft. Hein hat damals nur 800 Euro gekostet, als ich ihn 2018 gekauft habe. Krümel sogar nur 400 Euro. Und Arno? Der war geschenkt, wobei ich unter den Teppichen noch rund 12 Euro als Kleingeld gefunden habe. Aber irgendwie merkte ich dann auch, dass die Zeit der günstigen Oldies plötzlich vorbei war. Kaum hatten wir die Wette abgeschlossen, war der Markt praktisch leergefegt. Alle Autos, die inseriert waren, waren nur noch Schrott, viel zu teuer oder schneller verkauft als ich hätte bis drei zählen können. Das kam mir auch ganz gelegen, denn ich musste mich noch etwas von Heins Lackdusche erholen. Und auch die Pumpe-Düse-Elemente waren ja nicht gerade günstig. Doch dann kam Daniel plötzlich mit einer Nachricht um die Ecke: “Ich habe da was gekauft, es ist cool und ein Cabriolet. Ich zeige es dir bald!” Ich war sofort neugierig.

Ein Cabriolet wurde es also.

Kurz hatte ich überlegt, ob Daniel sich noch ein Chrysler Stratus Cabriolet gekauft hatte. Den offenen Sechszylinder hatte er letztes Jahr für 450 Euro gekauft – ähnlich wie den Omega. Der Wagen hatte damals einen Getriebeschaden, den Daniel mit einer neuen Ventileinheit reparieren konnte. Für unter 700 Euro hatte er damals ein fahrbereites Cabriolet, das sogar noch recht gepflegt aussieht. Ich glaube tatsächlich, dass das ein Auto ist, das Daniel niemals hergeben würde. Aber ein Stratus sollte es nicht sein, verriet er mir dann relativ zügig. Also dachte ich dann an die üblichen Verdächtigen. Aber ein E36 Cabriolet ist inzwischen viel zu teuer, auch ein Audi Cabriolet. Selbst Golf 3 Cabriolets werden langsam teuer. Also blieben für mich eigentlich nur noch Astra F Cabriolet oder ein Escort Cabriolet. Oder so Exoten wie Renault 19 oder Suzuki Swift. Aber egal, was ich Daniel schrieb – es war immer falsch. Irgendwann trafen wir uns dann – er wollte mir seinen 1000€-Oldtimer zeigen.

Ein Saab 900 Cabriolet! Ich bin fast ausgeflippt – einen Saab wollte ich immer schon mal haben, besonders, nachdem ich mal mit Schneewittchen fahren durfte. Gut, es ist der etwas unbeliebtere 900-2 in der offenen Version, aber cool finde ich die trotzdem. Ein 1994er Baujahr mit dem 2,3-Liter Vierzylinder und 150 PS hatte Daniel da erlegt. Innen helles Leder, das nicht mehr allzu frisch aussieht, dazu ein funktionierendes elektrisches Verdeck und ein Automatikgetriebe. Ob die Klimaanlage ging, wusste Daniel noch nicht. 221 000 Kilometer hat der Schwede erst gelaufen – und sah auf den ersten Blick wirklich richtig gut aus, wenn man vom verschlissenen Fahrersitz abgesehen hat. Doch leider hat der Saab ein Geheimnis: Er ist rostig. Von einer Ecke des Kofferraums kann man super auf die Straße schauen. Zum Glück ein relativ einfaches Blech. Aber wenn ihr mehr sehen wollt, dann schaut doch mal ins Video:

Wenn er auch etwas Arbeit braucht, finde ich den Saab schon megacool. Ein Auto, das man nicht mehr so oft sieht und das wirklich exklusiv ist. Und was habe ich nun gekauft? Was ich gekauft habe, werde ich euch in ein paar Tagen erzählen – ich muss ja den Spannungsbogen etwas hochhalten. Aber es ist etwas, was man nicht unbedingt mit mir in Verbindung bringt – oder überhaupt noch auf dem Schirm hat. Gerade mal 59 Stück sollen von meinem Oldtimer noch in Deutschland zugelassen sein. Anscheinend waren die Autos neu schon nicht so beliebt. Gebt doch mal einen Tipp ab!

Ich finde ihn auf jeden Fall richtig cool.

Watt'n Schrauber

Volvofahrer und Zündappschieber, Do-it-myself-Schrauber. Autodidakt. Hat zu oft Mitleid mit Fahrzeugen, die niemand mehr will und mag sie dann nicht mehr verkaufen. Liebt "Learning-by-doing", schraubt gerne und schreibt sogar noch viel lieber.

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3 Responses

  1. thorsten sagt:

    Hallo Lars,

    Seltsame Wetten habt ihr da laufen. Sowas passiert mir nur nach reichlich Alkohol…;-)

    Die Saab 900/2 Cabrios sind recht günstig, weil die Verdeckbetätigung gegenüber allen anderen Saab-Cabrios überflüssig kompliziert und auch etwas anfällig ist. Besteht aus etlichen Motoren, die ihren Weg zählen und entsprechen programmiert werden wollen. Geht nur mit dem GM Tech2 und man sollte dafür Saab-Software und die Anleitung haben, sonst wird das nichts. Wenn das mal garnicht aufgehen will, erstmal im Kofferraum gucken, ob der Motor für die Klappe noch fest ist. Der reisst sich nämlich gern mal aus der Verankerung und das Ritzel dreht dann ins Leere. Reparabel, aber nervig.
    Woher ich das weiss? Ich hab schon ein paar repariert. Und programmieren kann ich das auch…
    Wenn Daniel den länger nutzen möchte, dann soll er sich schonmal nach einem preiswerten Teileträger umschauen. Manches ist für den 900/2 mittlerweile echt schwer zu kriegen. Bei Adressen bin ich evtl. gern behilflich, ein paar faire Saabschrauber gibts noch, muss man aber mittlerweile suchen.

    Auch ein Tip von mir:

    https://www.skandix.de/de/dokumente/einbauhinweis/antrieb-verriegelung-verdeck-5-spriegel/3000568/

    • Hey Thorsten,
      ich trinke keinen Alkohol – also muss da wohl so schon eine Fehlzündung im Kopf vorhanden sein.

      Vielen herzlichen Dank für die Tipps für den Saab! Hab eich Daniel mal weitergeleitet. Ich bin gespannt, ob er den Wagen behält, wenn die Wette gelaufen ist. Er hat da auch noch ein (tatsächlich zuverlässiges und gutes) Chrysler Stratus Cabriolet, das ihm sehr ans Herz gewachsen ist. Falls er Fragen hat, kann er ja einfach hier dich mal anschreiben 🙂
      Liebe Grüße
      Lars

  2. Uwe sagt:

    Moin, Daniel und Lars,

    eine sehr gute Wahl! Ich bin immer wieder verwundert, wie viel Teile es nach mehr als dreißig Jahren noch gibt… Thorsten hat ja schon auf Scandix verwiesen – die sind sehr rührig und fertigen manchmal auch Teile nach. Ansonsten findet man in den Niederlanden viele (auch zum Teil sehr geschäftstüchtige) Händler. Ich habe z. B. für meinen 9-3 OG ein fabrikneues Getriebe dort bekommen. Und dann gibt es noch kleine Hersteller, die spezielles Zubehör fertigen. Ein Beispiel: Da im 900-II und 9-3 OG die Radioeinheit 1,5 DIN-Einschübe hoch ist, macht es Sinn, das originale Radio mit Bluetooth aufzurüsten. Eine Plug-and-Play-Lösung gibt es bei Saabaux.

    Für bestimmte Arbeiten – wie Thorsten schon erwähnt hat – werdet Ihr ein TECH 2 benötigen. Die auf Saab spezialisierten Werkstätten haben natürlich solche Geräte. Ich lasse viele Arbeiten bei Gaworski (https://www.autoservice-gaworski.de) in Hamburg und Lafrentz (https://www.saabkiel.de) in Kiel machen. Gute Tipps zum Selbermachen bekommt man bei Micha (https://www.michas-schrauberseite.de/über-mich/). Er hat – wenn ich richtig gezählt habe – zur Zeit sechs Saabs.  Aber fast alle Saab-Enthusiasten haben irgendwie nicht nur einen… Ich habe zur Zeit drei. Baujahre 1988, 2001 und 2011.

    Eins der gemeinsamen „Lagerfeuer“ ist der Saab-Blog (https://saabblog.net). Tom macht das seit Jahren exzellent und viele Anregungen habe ich bei diesem Blog gefunden.

    Herzliche Grüße aus Hamburg

    Uwe (äh natürlich Ove)

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