Wenn der Rost am Visa knabbert | 1000€-Wette
Als ich euch meinen Visa das letzte Mal vorgestellt habe, war ich noch überzeugt: „Der ist rostrei!“
Tatsächlich hatten die Unkenrufe recht. So ganz rostfrei war mein Visa dann doch nicht.
Man sollte es halt nicht beschreien.
Sowohl Daniel als auch ich waren eigentlich fest der Meinung, dass mein Citroën Visa erstaunlich rostfrei und von der Blechsubstanz wirklich richtig gut wäre. „Da sehen fünf Jahre alte Autos schlimmer aus“, meinte ich noch, als wir das erste Mal unter meinen Kandidaten der 1000-Euro-Oldtimer-Wette gekrochen sind. Und gemessen an Daniels Saab, der in der Zwischenzeit kurz das Zuhause eines Nagetiers wurde, das durch das große Loch im Kofferraum Nüsse im Auto versteckt hatte, war der Visa tatsächlich wirklich gut erhalten. Eigentlich nicht mal gemessen am Saab. Gemessen an sehr vielen Oldtimern. Und das sollte auch so bleiben, also entschied ich mich – ganz ohne Kamera oder Video – den Kompost aus den Radhäusern zu fegen und das Auto gut zu konservieren. Und dann… dann knirschte es.
Leider habe ich nur dieses Hochkant-Handyfoto von dem Loch, das der Visa für mich parat hatte. Wer keinen Visa besitzt – und das sind ja die meisten Leute – wird nicht wissen, wo diese Stelle ist. Die ist im Radhaus hinten rechts, das ist praktisch das Anschlagblech für den Anschlagpuffer der Hinterachse. Scheinbar – so habe ich inzwischen erfahren – ist das eine Schwachstelle beim Visa. Auf der Fahrerseite war alles noch stabil, also wollte ich mich nicht beschweren, dass nach 42 Jahren diese Stelle dann doch mal nachgegeben hatte. Ich holte also zügig die Flex raus.
Und raus mit dem Gammel!
Hier könnt ihr rechts sehen, was vom alten Kegel noch übrig geblieben war: Nicht mehr viel. Der Rost hatte aber nicht nur den Kegel, sondern auch das Radhausblech darunter angeknabbert. Beziehungsweise… weggeknabbert. Aber das zeige ich euch später. Um den neuen Kegel nachzubauen (Reparaturbleche für einen Visa sind recht rar) wurden erst die Maße am intakten Kegel auf der Fahrerseite abgenommen, dann eine Schablone angefertigt und dann gebaut. Hier links seht ihr den ersten Zwischenschritt, der mit Handformen auf einem Amboss und einigen Schlägen mit Karosseriebauhammern entstanden war. Das Loch in der Karosserie brauchte allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit…
Und das könnt ihr hier sehen. Der Hohlraum war zwar etwas von Flugrost befallen, sah aber noch ganz gut aus. Nur die äußere Haut des Radhauses war betroffen vom Rost – und das ziemlich stark. Leider war die Stelle so etwas unzugänglich. Der alte Stoßdämpfer – der auch nach 42 Jahren noch seinen Dienst tut – musste dafür raus. Und davor graute es mir ein wenig. Die Schrauben, die den Stoßdämpfer festhielten, sahen nicht gerade kooperativ aus. Und Teile für einen Visa zu finden, ist tatsächlich gar nicht so einfach, wie ich in wenigen Wochen gemerkt habe, in denen ich Besitzer eines solchen Autos bin.
Sturer Bock
Und so war es dann auch. Die Mutter, die den Stoßdämpfer auf dem Achszapfen hält, war überhaupt nicht willig, sich zu bewegen. Ich wollte sie allerdings auch nicht erhitzen, da die Buchsen für die Stoßdämpfer nicht so leicht lieferbar wären. Also blieb mir nichts anderes übrig, als geduldig mit Rostlöser zu sprühen, vor- und zurückzudrehen, wieder mit Rostlöser zu sprühen, erneut vor- und zurückzudrehen und das alles ganz oft zu wiederholen. Leider hat die Buchse es dann doch nicht überlebt. Das Gewinde der Mutter war astrein und fast rostfrei, das Problem war der Metallkern der Buchse, der auf die Mutter aufgerostet war. Ich bestellte ein Normteil, das passen sollte und kümmerte mich weiter um den Rost.
Ich musste alles ein bisschen vorsichtig raustrennen, weil das Rostloch genau an drei Streben saß, die ja nicht ganz unwichtig für die Karosseriestruktur sind. Die wollte ich nicht zerstören – auch wenn ich unten ein bisschen reingeschnitten hatte. Passiert wohl im Eifer des Gefechts. Wie dem auch sei: Für das ungewohnt geformte Blech (man kann die 3D-Struktur auf dem Bild nicht so gut erkennen) fertigte ich eine Schablone an, die ich dann aufs Blech übertragen habe. Und dann konnte das Blech auch schon ins Auto.
Puffer haben ist immer gut.
Leider habe ich kein Bild vom fertigen Radhausblech gemacht, aber dafür vom fertigen Puffer. Ich finde, der kommt dem Original schon sehr nahe. Alle Bleche habe ich natürlich auf Stoß eingeschweißt – nur beim Anschlagkegel, der aufgesetzt ist, ging das natürlich nicht. Den habe ich mit ein paar Schweißpunkten, so wie es auch original ist, angeschweißt. Um keine Korrosion zwischen den Blechlagen zu bekommen, habe ich erst alles mit schweißbarem Zinkspray eingesprüht, anschließend kam noch Owatrol und stark verdünnte Grundierung drüber, bevor schlussendlich alles Lack abbekommen hat – so sollte sich der Rost diese Stelle in Zukunft hoffentlich nicht mehr gönnen dürfen.
Und so sah dann das Ergebnis aus. Zumindest fast: Ich habe noch eine Schicht Seilfett über den grellgrünen Lack gesprüht. Den habe ich übrigens gewählt, weil die Dose noch offen war. Das ist Lack aus dem landwirtschaftlichen Bereich, der nicht nur unfassbar resistent ist, sondern auch super gegen Rost schützt. Und damit waren die Baustellen, die mein Visa für eine fehlende HU-Plakette noch auf der Liste hatte, fast abgearbeitet: Eine neue Auspuffschelle und ein paar neue Glühbirnen fehlten noch – schnell erledigt. Und inzwischen kann ich euch sogar verraten, dass der Visa seine HU ohne Mängel bestanden hat und angemeldet worden ist.
Aber nicht nur ich war fleißig.
Auch Daniel war fleißig und verpasste seinem Saab 900 Cabriolet einen großen Service. Neue Zündkerzen, neue Verteilerkappe, einen neuen Verteilerfinger, neues Automatik-Getriebeöl und neue Filter bekam das schwedische Cabriolet verpasst. Leider habe ich davon keine Fotos – aber ihr habt Glück, wenn ihr das Video guckt, dass ihr hier im Anschluss sehen könnt. Daniels Saab ist dabei noch nicht ganz fertig, denn der Blechwurm knabbert auch ein bisschen am hübschen Blech – aber ich bin mir sicher, dass er den Wagen bald wieder auf die Straße bringt. Und ja – wenn ihr sehen wollt, wie ich den Visa geschweißt und Daniel am Saab geschraubt hat, dann könnt ihr das hier tun:
Und wenn ihr uns einmal live beim Schrauben zuschauen mögt, dann habt ihr dazu die Möglichkeit. Vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2026 könnt ihr uns auf der Bremen Classic Motorshow über die Schultern gucken, wie wir den kleinen Visa wieder hübsch machen. Stunden… nein, Tage sind schon in die Vorbereitung für den neuen Innenraum geflossen, der Lack braucht Hilfe, genauso die Alufelgen. Und ein bisschen was ist auch noch an der Technik zu tun.
Wir freuen uns auf euch!




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