In drei Tagen restauriert – Bremen Classic Motorshow 2026
Ein kleines Auto mit viel Arbeit und drei Tage Zeit vor Publikum zu schrauben.
Das fasst die Bremen Classic Motorshow für die „aktive Schrauberecke“ recht gut zusammen. Aber es lohnte sich!
Es war eiskalt.
Also nicht in den Messehallen in Bremen. Dort war es, während die Messe lief, sogar muggelig warm. Aber die Fahrt nach Bremen war für mich schon etwas herausfordernd. Aktuell gibt es ja tatsächlich einmal wieder Winter in Norddeutschland – ein Fakt, über den ich mich durchaus freue. Ich mag Schnee. Aber es gibt da ja dieses Klischee von luftgekühlten Autos, die nur im Sommer heizen, nicht aber im Winter. Und genau das Klischee traf auch im vollen Umfang auf meinen Visa zu, als ich mit vollgepacktem Kofferraum in Richtung Bremen startete. Natürlich nicht alleine – in deutlich mehr Komfort fuhr Daniel mit seinem V70 hinter mir her. Auch sein Volvo war vollbeladen, schließlich hatten wir die nächsten Tage viel vor: Mein kleiner Citroen Visa sollte nicht nur eine komplett neue Innenausstattung bekommen, sondern auch an der Technik war ein bisschen was zu tun. Und auch der Lack und die Alufelgen sollten endlich wieder glänzen.
Doch dazu mussten wir erst einmal ankommen. Wir entschieden uns für den Weg über die Fähre Glückstadt – Wischhafen. Und tatsächlich gefiel mir die kleine Pause schon recht gut: Ich war schon wirklich stark durchgefroren. Die Heizung des Visas war gerade auf der Autobahn echt fast nicht spürbar. Eigentlich sollte man im Winter vorne vor dem Lüfter eine Art „Pappe aus Kunststoff“ stellen, damit der Wagen weniger Kühlluft bekommt und so besser heizt. Die fehlt allerdings bei mir. Und wirklich etwas aus Pappe davor packen würde dafür sorgen, dass der Lüfter sie schreddert. Also hieß es frieren. Zum Glück gab es auf der Fähre einen warmen Tee. Der hielt mich auch noch warm, als ein Schlepper die Fähre an den Fähranleger drücken musste. Tatsächlich war die Elbe teilweise zugefroren. Habe ich so noch nie wirklich gesehen.
„Wir starten die Saison!“
Eigentlich sträubt sich in mir alles, mit einem Oldtimer über salzgestreute Straße zu fahren – gerade bei so rostempfindlichen Autos wie einem Citroen Visa. Seit 24 Jahren lockt die Bremen Classic Motorshow mit dem obenstehenden Slogan Besucher aus der ganzen Welt an die Weser. Und auch für junge Oldtimerfans möchte das Organisationsteam rund um Frank Ruge etwas tun: Zum dritten Mal bekam die Initiative „Klassiker-Nachwuchs“ in Bremen eine Standfläche, die von und für junge Leute gestaltet wurde – und ich darf einer dieser jungen Gestalter sein. Um jungen Leuten das Schrauben und die Technik näher zu bringen, wollten Ricarda, Jarno, Paul-Moritz, Daniel und ich auch in diesem Jahr wieder eine aktive Schrauberecke gestalten. Im ersten Jahr der Initiativfläche haben wir einen Golf II Boston wieder fitgemacht, letztes Jahr war dann mein W124 namens „Krümel“ dran. Und dieses Jahr? Dieses Jahr sollte mein Citroen Visa Liebe erfahren. Und das hatte er auch bitter nötig.
Er sah schon etwas bemitleidenswert aus, als er da so vollgemoost und dreckig in Halle 4 stand. Neben einer Lackaufbereitung (so gut es halt ging) und dem Aufpolieren der Alufelgen sollte der kleine Franzose neue Sitzbezüge und einen neuen Innenhimmel bekommen. Zudem wollten wir ihm noch neue Zündkerzen und neue Motorlager verpassen. Und der Keilriemen war auch schon überfällig. Auch musste der Teppich mal so richtig sauber gemacht werden – und das Rückteil der Rückbank entrostet. Dämmung hatte ich auch eingepackt, um den Wagen ein bisschen leiser zu machen. Die To-Do-Liste, die wir rund um unsere kleine Ecke aufhingen, war also nicht gerade kurz. Doch trotzdem starteten wir am nächsten Morgen ganz motiviert.
An die Schraubenschlüssel, fertig, los!
Wie ein Schwarm Fliegen fielen wir über den kleinen Citroen her. Naja, zumindest fast. Ich war nicht ganz dabei, denn gerade, als wir mit dem Schrauben beginnen wollten, kam ein Fernsehteam von Sat.1 vorbei und fragte, ob wir ein paar Aufnahmen machten könnten. Also habe ich mich mit der Reporterin unterhalten, während Daniel, Alex, Jarno und Paul-Moritz damit begannen, den Visa auf Böcke zu stellen, die Reifen abzuschrauben und den Innenraum zu zerlegen. Und falls ihr einen Blick auf das Interview mit Sat.1 werfen wollt, dann schaut doch mal hier:
Den Kühlergrill mussten wir tatsächlich abnehmen, um den Keilriemen zu wechseln. Damit man da richtig rankommt, muss nämlich auch die Frontstoßstange weg. Sachen gibt’s. Aber das merkten wir relativ schnell, dass so ein Visa doch anders konstruiert ist als ein alter Volvo, VW, Mercedes oder sogar anders als eine alte Ape. Alex, der vielen besser als Toni Alessandro von „Die Apeschrauber“ bekannt ist, meinte nur ganz stumpf: „Zum Glück schraube ich an italienischen Fahrzeugen“. An einigen Stellen mussten wir alle nickend zustimmen. Aber trotzdem hatten wir alle ein großes Herz für den kleinen Visa. Und wie groß das Herz ist, möchte ich euch nun mal anhand der neuen Innenausstattung zeigen. Seid ihr bereit?
Sonnenbrillen auf!
Jap – der Visa bekommt eine neue Innenausstattung in flippigem Orange-Karo-Muster. Warum ich mich gegen die Wiederherstellung des Originalmusters entschieden habe? Zum einen ist die originale Innenausstattung aus Kunstleder – und die kann man mit einer Haushaltsnähmaschine nicht nähen. Dazu bin ich kein riesiger Fan von (Kunst)Leder. Ich mag Stoff irgendwie lieber. Und ich wollte schon immer mal ein Auto haben, das von innen so richtig flippig nach 70er Jahre aussieht. Und wenn es nicht zum ulkigen Visa passt, dann weiß ich auch nicht. Übrigens: Die Sitzbezüge haben meine deutlich bessere, kreativere und schlauere Hälfte und ich selbst genäht. Das war viel Arbeit – und ihr werdet bald erfahren, wie wir das gemacht haben. Aber zugeben könnt ihr es schon: Sieht saucool aus, oder?
Also gaben wir noch mehr Gas über die nächsten Tage. Nicht nur der Innenhimmel flog raus, auch die Front musste weg – aber das habe ich euch ja schon erzählt. Und trotz vieler Gespräche lagen wir auch die ganze Zeit gut im Zeitplan. Wobei sich das nun anhört, als hätten die Gespräche gestört. Dem war auf gar keinen Fall so! Ganz im Gegenteil. Noch nie haben wir so viele positive Kommentare bekommen wie in diesem Jahr. Von „Ach, ewig nicht gesehen“ über „So einen hatte ich auch mal“ bis zu „Und was ist das für einer?“ waren alles dabei. Was uns aber ganz besonders gefallen hat: Auch viele junge Leute sprachen uns an, wie sie wohl die Möglichkeit hätten, selbst zu schrauben. Und ob das wirklich alles so teuer ist, wie man immer sagt.
Die Tage vergingen wie im Fluge
Wirklich Pausen haben wir nicht gemacht – wenn man von einer Wartezeit am Käsespätzlewagen, der Stromausfall hatte, absieht. Die drei Tage haben wir eigentlich durchgängig gearbeitet, wenn wir uns nicht gerade nett unterhalten haben. An dieser Stelle auch noch einmal vielen lieben Dank an Klaus und Andrea für das Visa GTI-Prospekt und an Horst für die beiden französischen Visa-Prospekte, die super in die Sammlung passen, die ich in der kurzen Zeit schon aufbauen konnte! Hat mich tierisch gefreut, dass ihr sie uns geschenkt habt! Achja – seht ihr, wie sauber der Teppich oben aussieht? Paul-Moritz hat beim Teppich im Fahrerfußraum und bei den Kofferraumverkleidungen super Arbeit geleistet, während sich Ricarda um den Lack und Daniel um die Technik gekümmert hat. Ich saß im Innenraum und hab neue Dämmung verklebt. Sowohl an der Dachhaut als auch auf dem Boden.
Eine Erwähnung muss ich nochmal den Alufelgen widmen. Schaut mal, wie gut die wieder aussehen: Alex und Leon – ebenfalls passionierter Ape-Schrauber – kamen auf die Idee, einen Händler von Glasperlstrahlgeräten zu fragen, ob er sich mal die Felgen angucken könnte. Und das Ergebnis seht ihr hier: Aquanife heißt die dänische Firma, die die Geräte herstellt und uns hat die Felgen kostenlos strahlen lassen. Wie cool sieht das bitte aus? Umso mehr Lust hätte ich auch auf so ein Gerät, wenn es nicht so viel gekostet hätte wie mehrere Visas. Aber trotzdem auch hier: Vielen, lieben Dank, dass wir das Gerät nutzen durften!
Und dann war die Messe auch schon vorbei
Gefühlt waren wir gerade erst in Bremen angekommen, andererseits war es schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her, dass wir mit dem Visa begonnen hatten. Wir waren alle fix und fertig. Aber ob der Visa es auch war? Nicht ganz. Wir haben nicht alles von unserer To-Do-Liste abgearbeitet bekommen, aber schon zu einem großen Teil. Aber ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen. Natürlich gibt es von der Aktion auch wieder ein Video – und das möchte ich euch nun nicht vorenthalten:
Ich finde, dass sich das Ergebnis durchaus sehen lassen kann, oder? Ich glaube, wir waren alle am Ende ziemlich stolz. Gut – die Hälfte des Daches muss ich noch polieren, die Kunststoffteile sind auch noch nicht wieder alle grau und der Innenhimmel sowie das Armaturenbrett fehlen noch. Aber das sind ja nur Kleinigkeiten. Im Großen und Ganzen hat der Visa aber nun wieder eine Zukunft, was er vorher vermoost und mit zerfetztem Innenraum vielleicht nicht so wirklich hatte.
Als wir abends das Auto packten, ärgerte er uns noch: Erst wollte der Blinker nicht mehr, dann blieben die Rückleuchten komplett dunkel. Ich muss dringend einmal den Sicherungskasten saubermachen. Aber wenigstens auf der Heimfahrt war er sehr brav, bei der es auch noch anfing zu schneien. Trotzdem war die Fahrt etwas unangenehm: Es war wieder saukalt im Auto. Sogar noch kälter als vorher schon. Wahrscheinlich will er einfach nicht mehr bei Schnee und Salz gefahren werden – was ich auch verstehen kann. Als ich Zuhause das Auto vom Salz befreite und sah, wie sich die Eiszapfen bildeten, dachte ich über die Tage in Bremen nach. Es ist schön, dass wir den Visa für die Zukunft fitgemacht haben. Aber viel schöner ist es, mit anderen Leuten das Hobby zu teilen, die genau den gleichen Blick darauf haben. Vielen Dank an Frank Ruge und das ganze Team der Bremen Classic Motorshow, dass es uns wieder möglich gemacht wurde, für ein bisschen Chaos auf der Messe zu sorgen.
Wir hoffen, wir dürfen wiederkommen!





Hey Lars,
das habt ihr ganz toll gemacht. Von deiner Innenausstattung bin ich jetzt schon Fan. Mein erstes Auto war nur ein Ascona B – aber in Signalorange, das prägt ;-)…
Ja, Glasperlstrahlen hat was. Aber, wie du schon schreibst, eben teuer. Ich hab grad einen Kärcher Waschsauger angeschafft, das muss für die nächsten Monate erstmal reichen. Mit Koch Pol-star übrigens echt effektiv für Innenausstattungen oder Teppich. Heute mit kalten Fingern draussen getestet…
In diesem Sinne, weitermachen!