Haben alte Autos mehr Stil?

Also meine Antwort auf diese Frage ist: Ja.

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Warum ich dann einen zehn Jahre alten V40 im Alltag fahre? Ich mag nicht nur alte Autos, auch Neuwagen mag ich. Den Passat, der meine Eltern seit zwei Jahren durch die Gegend fährt, – und auch fast alle Autos davor mochte und mag ich auch. Okay, eine Ausnahme war schon dabei, aber darum soll es ja nicht gehen.

Aber warum finde ich alte Autos denn schöner als Neue?

Das hat einen ganz einfachen Grund. Bereits lange vor meiner Geburt sind meine Eltern immer neue Autos gefahren. Und nicht, dass es mich gestört hätte. Gerade den goldenen VW Passat 3bg Variant mit 1.9 TDI, den meine Eltern fünf Jahre lang hatten, mochte ich sehr gerne. Ich finde das Auto und die Farbe immer noch schick – und irgendwann wird so einer auch mal meiner, da bin ich mir ganz sicher. Und wenn ich ihn mir selbst zusammenbasteln muss. Ich muss da auch mal ein Bild von dem Goldstück heraussuchen. Irgendwo finde ich bestimmt eines. Davor kann ich mich auch noch an zwei neue Passats erinnern – und danach auch an einen Golf V Variant, den meine Eltern 2008 gekauft haben – der Nachfolger des Golfs steht nun seit zwei Jahren in der Garage. Und ich mag ihn.

Aber kennt ihr das? Was die Eltern haben, ist nicht unbedingt auch das, was mancomp_comp_FILE0996a möchte? Versteht mich nicht falsch, ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Sie unterstützen mich bei meinen Arbeiten und finden toll, was ich mache. Ansonsten würde es wohl auch nicht so flott mit der Restaurierung von Elsa voran gehen, über die ich hier eigentlich mal wieder mehr berichten sollte… Aber irgendwie. Irgendwie will man sich doch ein wenig abkapseln, ein wenig individueller sein. Also – einige Menschen zumindest. Und ich möchte mich dazugehören. Warum ich Volvo fahre, habe ich ja hier schon einmal erwähnt.

Aber warum habe ich nun überhaupt Elsa? Und warum mag ich  unser kleines, leicht klapperiges Cabrio so gerne?

Vielleicht habt ihr auch so Leute in eurer Nachbarschaft, die anscheiend sehr viel Freizeit haben. Die jeden Samstag ihre neuen C-Klasse (natürlich geleast, aber das wissen ja die Nachbarn nicht – und ohne Motorbezeichnung, dann fällt es nicht auf, dass es der kleinste Benziner ist) polieren, damit die Nachbarn ganz deutlich sehen, dass sie einen Benz fahren. Nagut, das könnten sie auch so, weil die silberne Limosine immer unter dem Carport vor dem Haus steht. Aber wenn die C-Klasse wöchentlich poliert wird, sind die Nachbarn doch nur noch neidischer. „Schau mal, Krauses polieren schon wieder ihr neues Auto.“ Dabei sind die Nachbarn natürlich unwissend, dass zu häufiges Polieren dem Lack nicht gut tut – konservieren hingegen… aber das ist ja jetzt nicht das Thema.

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Hat eindeutig gelebt.

Ich möchte zu diesen Leute nicht gehören. Und obwohl fast alle unserer Nachbarn C-Klassen fahren, sind die überhaupt nicht spießig, ganz im Gegenteil. Und meinen Eltern habe ich es 2009 auch „ausgetrieben“. Da wurde ein Auto gekauft, welches wir immer noch besitzen.

Unser Henkelmännchen. Bei Gelegenheit werde ich euch das Cabrio mal genauer vorstellen. Aber ich kann ja mal kurz ein paar Eckdaten rausgeben: Baujahr 1980, 70 PS, besitzt trotz Neulackieren im Jahr 2010 noch eine eindeutige Patina. Vorher sah er mehrfarbig und noch zerdellter eindeutig schlimmer aus. Ihr glaubt gar nicht, wie die etwas spießigeren Leute im Dorf geschaut haben, als wir mit dem abgerocktem Cabrio durch das Dorf fuhren, anstatt mit dem damals gerade ein Jahr gewordenem silbernen Golf Variant Diesel, den wir hatten. Und ich muss euch sagen. Ich mochte es.

Alte Autos (kommt drauf an, welche) sind für mich ein Statussymbol. Keins zum Angeben, wie die neue, silberne C-Klasse von unserem fiktiven Nachbarn, sondern eines, was zeigt. „Schaut her. Ich sonder mich von der Masse ab.“ Es gibt natürlich auch hochglanzpolierte Oldtimer, wo die Nachbarn dann schon wieder neidisch werden.

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Im Alltag.

Okay – alte Autos gehen häufiger Mal kaputt. Unser Cabrio braucht dringend eine neue Kupplung und eine Überholung der Zündanlage. Aber das mal außer Acht gelassen – so ein Golf 1 fällt zwischen dem ganzen Einheitsbrei, wie zum Beispiel auch unser Passat, schon auf. Und bringt fast noch mehr Spaß zu fahren. Deswegen habe ich auch Elsa. Es bringt mehr Spaß – meiner Meinung nach – ein altes Auto zu fahren. Gerade bei gutem Wetter habe ich da öfter Lust drauf. Jetzt scheint auch gerade die Sonne, und stünde Henkelmännchen momentan zu Hause, würde ich mich reinsetzen und eine Runde drehen. Alleine die Haube, die fast überhaupt nicht abfällt, gefällt mir. Und Fahren ohne Servolenkung? Ja, und? Muss ich halt beim Einparken ein wenig mehr Kurbeln. Mir doch egal.

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Fährt bald. Vielleicht.

V701

Mein Portemonaie ist leer.

Elsa habe ich ja auch, weil ich immer gerne einen eigenen, richtig alten Oldtimer wollte. Und den habe ich. Meine Eltern sind immer viel mit mir auf Oldtimertreffen gegangen. Und das hat eindeutig geholfen. Wenn ich Elsa später fahre (natürlich nicht im Alltag, aber schon öfter mal), dann werden die Leute auch gucken. Ohne, dass ich vierzigtausend Euro für eine Limosine einer Luxusmarke ausgegeben habe, die nur meine Nachbarn ansehen. Oder achtet ihr im Alltag auf einen silbernen A4? Also… ich nicht. Und die meisten Old- und Youngtimer sind auch günstiger, als „Ich-will-angeben-und-kauf-mir-deswegen-so-ein-Auto“-Autos. Elsa probiere ich ja möglichst günstig zu restaurieren. Bei Henkelmännchen haben wir es auch so gemacht. So wie er da steht, kostete er knapp unter 3000 € – da schauen viele nicht mehr mehr nach Gebrauchtwagen, weil die nichts mehr taugen können.

Neulich habe ich mal meinen Traum V70 (so einer soll irgendwann mal meinem V40 folgen, so in zehn Jahren) konfiguriert. Der Preis war schon erstaunlich. Erstaunlich hoch. Wer hat denn bitte so viel Geld? Also ich nicht. Wahrscheinlich würde ich mir eh keinen Brandneuen kaufen. Ein Gebrauchter tut es doch auch. Und die sind viel günstiger. Aber ich habe auch viel Ausstattung reinkonfiguriert, die schön ist, aber die kein Schwein braucht. Braucht man klimatisierte Ledersitze? Nein. Ich verbrenne mir lieber den Hosenboden, wie ich es im Sommer in meinem V40 mache. Außerdem kann da ja weniger kaputt gehen. Und wissen würde das eh keiner.

Und bei Elsa? Da habe ich eine Heizung, Sicherheitsgurte und Ausstellfenster. Das sollte reichen. Es ist günstiger, individueller und bringt mehr Spaß – meiner Meinung nach. Und keine Sorge – ich bin kein Hipster. Ich trage weder einen Bart, noch einen Undercut, noch muss ich gegen Alles sein, was Andere mögen. Ich mag nur alte Autos. Und mein Nokia – ohne Kamera und Instagram. Und ohne ständig mit der Welt vernetzt zu sein.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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