Träume leben

Heute gibt es einmal keine Schrauber-Geschichte. Heute werde ich mal ganz emotional. Um Autos geht es aber trotzdem. Ich habe mir da nämlich einen Traum erfüllt…

Jap, mich gibt es noch.

Ich weiß, ich weiß. In letzter Zeit war es bei Watt’n Schrauber recht still. Die letzte Geschichte ist Monate her – und auch auf den sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder auch YouTube war es in letzter Zeit ziemlich still. Aber nicht, weil ich keine Lust mehr hatte, hier meinen Stuss über alte, rostige Autos abzugeben, nein. Ganz im Gegenteil. Ganz oft wollte ich mich hinsetzen und euch endlich erzählen, wie es an Hein weiter geht (Kommt bald!) oder wie ich ein wunderbares Schrauber-Wochenende in Bremen verbracht habe (Kommt noch baldiger!) – aber irgendwie war das Leben so ein bisschen im Weg. Aktuell bin ich dabei, ein bisschen aufzuräumen. Lang aufgeschobene Baustellen (nicht nur Hein) abhaken, Ziele neu setzen und – ganz wichtig – an meinen Träumen zu arbeiten. Und über Träume möchte ich mit euch heute auch gerne sprechen.

Und gleich zu Anfang möchte ich euch eine Frage stellen, die ihr vielleicht einmal für euch beantworten könnt. Was sind Träume für euch? Sind es Vorstellungen von eurem zukünftigen Leben, die euch ein warmwohliges Gefühl in der Magengegend verschaffen? Sind Träume für euch vielleicht eine Art Motivation, morgens aufzustehen und daran zu arbeiten, sie zu erreichen? Oder sind Träume vielleicht auch so unnahbar, dass ihr nur davon… träumt, aber wisst, dass ihr sie nie erreichen werdet? Für mich umschreiben das wohlige Gefühl im Magen und die Motivation morgens aufzustehen ganz gut, was Träume für mich sind. Keine Sorge – ich werde euch jetzt nicht mit all meinen Träumen nerven. Ich bleibe mal brav bei den Autos. Darum soll es hier auf dem Blog ja auch gehen. Lasst mich kurz über meine Traumautos philosophieren.

Lebe deinen Traum!

Wenn ich mich mit Freunden und anderen Leuten mit Benzin im Blut unterhalte, merke ich recht oft, wie sie immer wieder verschiedene Autos als ihre „Traumautos“ bezeichnen. Mal ist ihr Traumauto ein knallgelber Dino, mal ein roter Kadett E Caravan in der Club-Ausstattung. Tatsächlich sind nur relativ wenige Leute recht konstant, was ihren Traumwagen angeht. Eher wechseln sie, gerade nachdem, was sie so gesehen haben. Zumindest ist das meine Erfahrung. Und auch ich habe schon verschiedene Autos als meine „Traumautos“ bezeichnet. Schon lange vor dem Führerschein träumte ich von meinem ersten Auto. Ich wusste, dass es vielleicht nicht so schlau sein würde, mit einem Oldtimer das Fahren zu lernen (im Nachhinein würde nichts dagegen sprechen, aber gut) – und so träumte ich relativ schnell von einem Volvo V40 als erstes Auto. Kein R32, kein Type R, kein AMG. Mein Traumauto war ein kleiner Volvo Kombi.

Und tatsächlich ist er es bis heute. Oft werde ich gefragt, warum ich das Auto überhaupt noch habe. Schließlich fahre ich im Alltag schon lange einen Golf Kombi – und somit bräuchte ich den V40 ja eigentlich gar nicht mehr. Aber ihn verkaufen? Das könnte ich nicht. Jedes Mal, wenn ich hinter dem Steuer meines V40 sitze, denke ich, was für ein schönes Auto es ist und freue mich immer noch darüber wie an dem Tag, an dem er meiner wurde. Selbst nach bald 12 Jahren in meinem Besitz bin ich immer noch total glücklich und zufrieden, wenn ich ihn nur sehe oder mich reinsetze. Andere sehen da nur einen kleinen, gar nicht mal so praktischen Volvo Kombi, den selbst Gebrauchtwagenhändler nicht mehr haben wollen und sie reihenweise wegschmeißen. Ich sehe da einen erfüllten Traum, über den ich mich immer noch freue.

Benzin im Kopf

Doch nicht nur der V40 ist ein automobiler Traum von mir. Auch Henkelmännchen ist es. Als mein Vater und ich ihn 2009 zusammen kauften, ging für mich der Traum in Erfüllung, endlich einmal selbst zu schrauben und ein Oldtimertreffen nicht nur als Besucher, sondern auch als „Aussteller“ zu besuchen. Mit Elsa ging der Traum meines eigenen Oldtimers (…meines eigenen Buckelvolvos!) in Erfüllung, der dann auch noch etwas anders zu fahren ist, als ein modernes Auto. Und mit Hein? Mit Hein habe ich den Traum realisiert, mit einem alten Auto durch Europa zu reisen. Ihr merkt schon – meine Träume drehen sich sehr häufig um das Thema Auto. Und obwohl ich eigentlich schon mehr Autos habe, als ein Mensch braucht, habe ich natürlich auch noch Autos, die ich gerne einmal besitzen würden. Aber wirklich nur ein Auto davon, hätte ich als mein Traumauto bezeichnet. Und wisst ihr was? Genau das habe ich mir gekauft. Und hier ist es:

Jap – ihr seht richtig! Ich habe mir endlich meinen Traum erfüllen können und einen Volvo Amazon Kombi gekauft. Alle die, die mich persönlich kennen, werden nun aufatmen. Sieben Jahre lang habe ich meine Freunde genervt, dass ich irgendwann mal einen Amazon Kombi besitzen möchte. Sieben Jahre lang bin ich hinter jedem Exemplar hinterhergerannt, dass mir über den Weg fuhr, nur um ihn anzugucken. So wie andere Leute von einem Ferrari oder Porsche oder G-Modell träumen, habe ich von dem schwedischen Mittelklasse-Kombi aus den Sechzigern geträumt. Sieben Jahre habe ich jeden Cent für den Fall gespart, dass mir tatsächlich mal einer über den Weg laufen sollte. Sieben Jahre habe ich dieses Auto vergöttert. Und nun… nun habe ich einen. Und ehrlich gesagt kann ich das noch nicht so richtig glauben.

Dream a little dream

Der Traum begann mit diesem Video. 2017 war Elsa gerade wieder ein Jahr auf der Straße – und brachte mir damals schon so viel Spaß wie heute. Denn so ein alter Volvo, selbst wenn er fast so prähistorisch ist wie Elsa, fährt echt erstaunlich gut. Fast schon etwas sportlich, gemütlich und erstaunlich leise von innen. Doch Elsa ist mit ihrer dürftigen Sechs-Volt-Beleuchtung und dem teilsynchronisiertem Getriebe eher etwas für nette Landstraßen-Partien, als für lange Reisen. Und das Getriebe umbauen und die Elektrik umrüsten wollte ich nicht. Ich mag Elsa, weil sie eben anders ist als moderne Autos. Aber so ein etwas modernerer und alltagstauglicher alter Volvo neben Elsa – das würde mir schon gefallen, dachte ich damals. Und dann sah ich das Video und wusste genau, welcher Volvo es irgendwann einmal werden sollte.

Ich glaube, es war die Form vom Amazon Kombi, die mich irgendwie plötzlich in ihren Bann zog. Während es bei Elsa die niedlichen, runden Formen waren, die mich irgendwie immer an eine automobile Klischee-Oma in einer Kittelschürze erinnerten, wirkt der Amazon durch die niedrige Dachlinie doch eher sportlich – und mit den Chromstoßstangen doch irgendwie sympathisch. Assar Gabrielsson, einer der Gründer der Marke Volvo, meinte übrigens über die Amazon, als der Designer Jan Wilsgaard das Auto ihm vorstellte, dass das Auto zu hübsch sei und hässlicher aussehen sollte. Zum Glück wurde der Wunsch nicht umgesetzt. Was für ein… stimmiges Auto, wie ich finde. Aber ansonsten wäre es wohl auch nicht mein Traumauto gewesen. Wobei ich einen Multipla auch irgendwie ganz cool finde…

Zufälle gibt’s!

Vor ziemlich genau vier Wochen schaute ich mir abends das Video von dem Paar, das 2017 mit ihrem Amazon durch Norwegen reiste, noch einmal an. Wie schon so oft. Seit 2017 sind Amazon Kombis ziemlich teuer geworden – und ich war mir sicher, ich würde mir den Traum nicht mehr erfüllen können. Ich war zwar schon einige Male kurz davor – aber meist waren die Autos dann Kernschrott. Oder der Verkäufer ließ ihn mich nicht anschauen. Kernschrott wollte ich eigentlich nicht nochmal kaufen. Ich wollte ihn fahren – und nicht nochmal über Jahre ein Auto vom Grund aus aufbauen. Außerdem wollte ich unbedingt einen dunkelgrünen oder dunkelblauen Kombi – weil ich fand, dass in den Farben der Chrom noch einmal mehr heraussticht. Ohne große Hoffnung setzte ich an dem Abend einen expliziten Suchauftrag rein. Ich wollte zumindest träumen, wenn schon für nicht tüv-fertige Amazon Kombis teilweise weit über 10 000 Euro aufgerufen werden würden. Und vielleicht… vielleicht hätte ich ja Glück auf ein Schnäppchen zu stoßen.

Drei Tage später machte mein Handy mittags Geräusche. Ein neuer Amazon Kombi war inseriert. Ohne große Hoffnungen machte ich das Inserat auf – und fiel fast vom Hocker. Es war nicht nur ein Amazon Kombi in der richtigen Farbe, sondern er hatte auch noch TÜV und lag preislich in dem Rahmen, den ich mir selbst gesteckt hatte. Außerdem war es der Amazon Kombi, den ich fast ein Jahr lang bei Kleinanzeigen beobachtet hatte. Mit 25 000€ war er damals viel zu teuer, aber er hatte meine Traumausstattung. Er war etwas tiefergelegt, hatte breite Stahlfelgen drauf, eine Anhängerkupplung, ein Vierganggetriebe mit Overdrive (also praktisch fünf Gänge) und vorne den Grill von einem deutlich älteren Amazon, den ich etwas schicker finde – und eine US-Stoßstange. Dazu noch Kopfstützen vorne. Es war eigentlich mein Traumauto. Und nun stand er plötzlich für deutlich weniger als ein Drittel inseriert in Berlin. Sofort rief ich den Händler an.

Auf nach Berlin

Die Geschichte hinter dem Auto, vom Kauf und von der Abholung werde ich euch bald erzählen. Aber so viel sei schon mal gesagt: eine Woche nach meinem Anruf (der Verkäufer war noch im Urlaub), bin ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Berlin gefahren – und habe mir (nach einem kleinen Arschtritt von Jürgen) meinen Traum erfüllt. Irgendwie glaube ich ja nicht so ganz an Zufälle – weil dass gerade in einer Phase, in denen ich an meinen Träumen arbeiten wollte, mir mein Traumauto zu einem absolut fairen Preis über den Weg läuft – das sollte wohl tatsächlich so sein. Und ihr glaubt gar nicht, wie glücklich ich darüber bin. Ich habe mir meinen Traum endlich erfüllt.

Aber ihr wollt wohl noch ein paar Daten und Fakten zu meinem Neuerwerb. Mein Volvo Amazon ist aus dem Jahre 1967 und lief ursprünglich erst in Schweden, bis er 1999 nach Deutschland kam. Unter der Haube schlummert ein sogenannter B18-Motor, also ein 1,8-Liter Vierzylinder mit 75 PS. Die Kraft an die Hinterräder wird durch ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe mit elektrisch zuschaltbarem Overdrive weitergegeben. Hinten wird das Auto durch Trommeln gebremst, vorne hat er sogar schon Scheiben. Und einen Bremskraftverstärker gibt es auch. Die Farbe heißt „Mörkgrön“, also dunkelgrün – da waren die Volvoleute damals richtig kreativ. Und wie man auf dem Bild da oben erkennen kann, hat das Auto leider einen kleinen Seitenschaden.

Gestatten? Ove.

Der Seitenschaden sieht auf den ersten Blick allerdings schlimmer aus, als er wirklich ist – das habe ich mir zumindest eingeredet. Es gibt halt hier und da noch ein paar Baustellen an dem Auto – es ist ja schließlich auch bald 60 Jahre alt. Die Stoßdämpfer hinten sind recht matschig. Die Vorderachsbuchsen sind mir schon etwas zu weich, die Ventile müssen eingestellt werden, er braucht einen großen Service, die Bremsen fühlen sich etwas komisch an, auch wenn er super bremst – und er braucht dringend ein Bad. Nicht nur außen ist das Auto recht dreckig, sondern auch innen. Ihr werdet also in nächster Zeit einiges von Ove zu lesen bekommen. Achja – Ove habe ich den Amazon getauft. Nicht nur wegen des Films über den penetrantischen, schwedischen Rentner mit großem Herz (Ich weiß, dass der Saabfahrer war!), sondern auch, weil ich finde, dass er wie ein Ove aussieht. Und falls ihr Ove in Action sehen wollt – ich hab natürlich wieder ein kleines Video gedreht:

Das ist er also. Mein Traumauto. Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich realisiert habe, dass es wirklich MEIN Auto ist – aber wenn ihr das Video geschaut habt, werdet ihr das bestimmt auch schon gemerkt haben. Falls ihr euch fragt, welches Auto für Ove gehen wird: Keins. Auch Hein werde ich weitermachen, der soll dieses Jahr unbedingt wieder auf die Straße. Vielleicht ist mir einfach nicht mehr zu helfen – aber ich bin happy. Verdammt happy! Falls ihr also einen Traum habt und ihr schon lange darauf hingearbeitet habt, ihn euch endlich zu erfüllen – dann macht es. Man bereut immer nur Dinge, die man nicht getan hat. Und hätte ich Ove in Berlin stehengelassen, hätte ich mich sehr darüber geärgert. Zum Glück habe ich es nicht gemacht. Ich werde mir jetzt den Schlüssel schnappen und eine Runde drehen.

Und dabei werde ich ein bisschen träumen. Von den Abenteuern mit Ove.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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3 Antworten zu Träume leben

  1. Carsten sagt:

    Juhu.endlich schlauer und Glückwunsch: tolles Teil

  2. Thorsten sagt:

    Ove…

    da war doch was mit dem Nachbarn, der sich aufgegeben hat weil er einen Z3 gekauft hat…;-)

    Viel Spass mit dem Amazombi. Täte mir auch gefallen. Und fährt viel besser als ein Duett.

  3. Pingback: Wie Ove bei mir einzog - Watt'n Schrauber.Watt'n Schrauber.

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