Du bist, was du fährst.

Heute möchte ich eine Situation ansprechen, die wohl jeder schon mal erlebt hat.comp_comp_SAM_3576„Und? Was fährst du?“ – die Frage wird wohl öfter gefragt, als man denkt.

Nun, nach einer kleinen Sommerpause (Elsa bekommt momentan ganz viel Aufmerksamkeit, da gibt es bald ganz viele Neuigkeiten) geht es weiter hier mit dem Blog. Heute möchte ich mal ein Thema ansprechen, das mir neulich auf einer Party in den Kopf geschossen kam.

„Was fährst du?“

comp_comp_SAM_5490Als ich neulich mit mir bekannten und mit mir ganz unbekannten Personen auf einer Party in einer Runde saß, kam das Gespräch irgendwie auf das Thema Auto – und ich war wirklich nicht daran Schuld! Ich halte mich bei Partygesprächen über Autos meist eher zurück. Muss nicht jeder gleich wissen, dass ich Autos gerne mag oder ein kleiner Autofreak bin ;-). Meist werde ich dann eh irgendwann als Autofreak und -schrauber verraten. Nur dieses Mal war es nicht so. Die Benzingespräche gingen über verrückte und kreative Erlebnisse im Straßenverkehr über die neusten Modelle von Audi bis zu den eigenen Autos. Genau da war es, als ich von einer attraktiven Dame gefragt wurde: „Und? Was fährst du?“

Auf die Antwort: „Einen Volvo Kombi.“ kam nur noch ein Lächeln und Schweigen. Genau da fiel mir ein – was sagen unsere Autos eigentlich über uns aus? Können Leute uns über unsere Autos identifzieren? Wollen wir uns mit unseren Autos irgendwie repräsentieren? Oder ist das alles nur Humbug und das Auto ist schon längst kein Statussymbol mehr?

comp_comp_SAM_7991Früher waren Autos Statussymbole. In einem Referat vor ein paar Jahren für die Schule meinte ich, dass es immer weniger so ist und das Handy oder die Kleidung oder der Lebensstil nun eher die Menschen repräsentiert. Aber wenn man mal genauer über die Straßen schaut, dann ist es so gar nicht. Das Auto ist immer noch ein Statussymbol.Nur halt unauffälliger.

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Hier fahren ganz viele Leute in meinem Alter Audi. Klar, ist eine Premiummarke und wenn man Audis mit hohen Kilometerständen kauft, sind sie nicht viel teurer, als vergleichbare VW Golf. Komfort bieten sie, sie sind relativ zuverlässig und die neueren Audis machen mit ihren aggressivschauenden Scheinwerfern auch noch etwas her. Gute Wahl und wird auf Partys oft auch anerkennend abgenickt. Ähnlich ist es bei anderen deutschen Premiummarken. Oder VW Golf.

comp_comp_SAM_7986So ist es eigentlich auch. Kaum einer kauft ein Auto,wie einen Kühschrank oder eine Kaffeemaschine. Gut, Firmen machen es wohl und Leute, die sich überhaupt nicht für Autos interessieren. Viele aber, die meinen, sie hätten überhaupt kein Interesse an Autos und ihnen wäre es ganz egal, in was sie fahren würden. Als mich neulich eine entfernte Bekannte fragte, ob ich ein Auto wüsste, das einen gut und günstig von A nach B bringe, ganz egal was für eines. Ich schlug einen Dacia Sandero vor, der selbst als Neuwagen günstig in der Anschaffung wäre. Aber einen Dacia wollte sie nicht. Auch keinen Chevrolet. Sie fährt nun einen weißen VW Golf. Der mehr hermacht, als ein weißer Basis-Sandero, obwohl der ein Neuwagen gewesen wäre. Mit Garantie und kaum Kilometern auf der Uhr.

comp_comp_SAM_3456Jeder zeigt sich also auch irgendwie mit seinem Auto. Egal, ob es ein getunter Astra, ein alter Saab, ein Ferrari oder ein verbeulter Fiesta ist. Leute scheint das auch immer noch zu interessieren. Die Analyse des Fahrstils fände ich persönlich ja viel interessanter. Ich werde aber auch in Zukunft auf die Frage mit „Volvo Kombi“ antworten und mich freuen.

Ist euch schon mal so etwas passiert? Oder konntet ihr mit eurem Auto beeindrucken? Ich möchte es gar nicht. Ich genieße meinen unauffälligen V40 lieber weiter. Für das andere habe ich ja Elsa oder Henkelmännchen. Die fallen auf ;-).

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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0 Antworten zu Du bist, was du fährst.

  1. marcrudin sagt:

    Du bist sehr diplomatisch. Wenn ich diese von Dir beschriebene Situation mit sogenannten Experten erlebe, sage ich gerne Pontiac. Danach herrscht auch Schweigen, gefolgt von einem „ui der ist ja sicher gaanz durstig etc etc blabla. Dann schwärme ich etwas vom US-Cruise-Fahrgefühl und es ist spannend zu sehen wie die Leute reagieren 🙂

    Je nach dem wer mich fragt, fahr ich aber auch einen günstigen Benz oder einen billigst Audi 😀

    • Hallo Marc,
      ich lass die „Experten“ gerne reden, wenn sie Spaß dran haben. Oft ist es eh halb gares Stammtischgesülze, was sie von sich geben. „Der Motor ist warm gefahren, wenn warme Luft aus der Heizung kommt, dann gebe ich Gas!“ – jap, meinetwegen gerne, so lange es nicht mein Auto ist ;-).

      Die US-Cars sind ja oft dazu verschrien, viel Sprit zu brauchen. „Der schluckt doch bestimmt viel“. Wie oft wirst du das eigentlich gefragt, wenn du mit dem Pontiac unterwegs bist?

      Lustigerweise, ich weiß nicht, ob du das auch kennst. Wenn man erstmal als Benzinblütler enttarnt wurde, dann kommt man meist den ganzen Abend nicht dazu über anderes als über Autos zu reden. Das liegt dann aber meistens an anderen Leuten ;-).

      Schöne Grüße
      Lars

  2. Mir gefallen immer die mitleidigen Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer, wenn ich mit meinem schrundigen 84er Mazda 323 Van unterwegs bin. 😉 Mir ist das egal, ich habe Spaß mit dem Youngtimer, er ist selten und bezahlt. Was man von den meisten neuen Fahrzeugen da draussen meist nicht behaupten kann.

    • Hey Micky,
      so gehört sich das auch! ;-). Ich weiß noch, was wir für mitleidige Blicke bekommen haben, als wir mit dem mehrfarbigen Golf Cabriolet gefahren sind. Kurz vorher hatten uns die Leute noch in einem neuen Golf Kombi gesehen ;-).

      Wo du das mit dem Spaß ansprichst – die alten Autos bringen oft auch viel mehr Spaß, als die neuen. Da spürt man noch Technik. Ich hätte ja gerne irgendwann mal irgendein altes Auto, wo mir alles egal ist. Stumpfer Lack, Dellen, sowas in der Art. Einfach nur fahren. Meine Autos sind mir dazu zu schade ;-).

      Schöne Grüße
      Lars

  3. Wenn mir jemand die Frage stellt, dann sag ich immer GTI und Golf 1 Cabrio. Beim GTI kommen dann auch so Bemerkungen wie PS und Verbrauchswerte.

  4. turboseize sagt:

    Ich bin mit der S-Klasse gelegentlich mal an Tankstellen von der Seite angequatscht worden. Meistens von mittelalten bis älteren Herren in herrlich individuellen leasingsilbernen Dieselgölfen. Was der denn so verbrauche (und da schwang dann die Frage mit, wie man sich mit damals Mitte zwanzig denn so ein Schiff – und dann noch mit Achtzylinder – leisten könne). Antwort: Ungefähr ein Drittel von dem, was Ihr neuer Golf gerade ein Wert verliert…

    Man fällt schon auf. Bei den alten Mercedes schwang oft auch etwas Neid mit (obwohl zumindest die Diesel in den Gesamtkosten trotz absurder Steuern unglaublich günstig waren und selbst der 560 SEL mangels Wertverlust trotz zweistelligem Verbrauch pro Kilometer billiger als jeder noch so sparsame neue Kleinwagen), beim Saab nicht. Da hat man den Stempel „bemüht individueller Spinner mit Kreativberuf“ schon auf der Stirn, noch bevor man ausgestiegen ist. (Daß ich schwarze Rollkragenpullover mag mag vielleicht auch dazu beitragen.)

    Der 9000 allerdings verleiht magische Kräfte. Genauer gesagt: Alberichs Tarnkappe. Selbst der offensichtlich aus der Zeit gefallene CC schwimmt unbeachtet im Verkehr mit. Späte 9000 nach dem 92er Facelift sind eh so zeitlos gezeichnet, daß niemand ihr Alter erkennt… Da kam dann von Mitfahren immer die ungläubige Nachfrage „soooo alt ist der schon?“. Worauf man dann nur noch wissend lächelt und entgegnet, naja, 19 Jahre ist doch kein Alter. Für einen Menschen nicht, und für ein Auto erst recht.

    • „Der wird doch bestimmt ordentlich schlucken!“ habe ich sogar schon über meinen V40 gehört. Ich bin mit der Sparsamkeit (bin schon unter 7 Liter gefahren) des 1,8 Liter-Benziners eigentlich total zufrieden. Recht hast du – ich habe letztes Jahr für meinen V40 mit Sprit, Versicherung, Steuer, Wertverlust und Reparaturen insgesamt 3000€ gezahlt. Dabei bin ich 21 000 km gefahren. 3000€ kann man bei Neuwagen manchmal schon runterhandeln ;-).

      Mit den Benzen hast du eigentlich genau das Richtige gemacht. Wertzuwachs anstatt Wertverlust und lieber etwas mehr Steuern zahlen als nur in Reparaturen zu pumpen.Wie viel hat die S-Klasse den pro Kilometer gekostet? Ich liege mit dem V40 irgendwo bei 20 Cent/km, bei dem Buckelvolvo bin ich schon gespannt.
      Ich bin auch gespannt, was für Reaktionen kommen, wenn ich mit dem Buckelvolvo vorfahre. Kreativberuf vielleicht nicht unbedingt, ich achte auch nicht unbedingt auf meinen Kleidungsstil.

      Der Saab 9000 ist auch ein echt verkannter Underdog. Ein Bekannter von uns hatte zwei Stück und mit beiden zusammen eineinhalb Millionen Kilometer raufgefahren. Er war so zufrieden mit denen, er würde sofort wieder einen kaufen. Als Langstreckenlimousine würde er mir auch prima gefallen. Aber das Geld sagt etwas anderes ;-).
      Schöne Grüße
      Lars

      • turboseize sagt:

        Die S-Klasse lag bei 31ct/km. Damit war sie deutlich teurer als meine anderen Autos, aber eben immer noch deutlich billiger als der durchschnittliche Neuwagen.

        Den 900 turbo fahre ich derzeit mit 24ct, der 9000 ist aufgrund der Anfangsinvestitionen und der als Saisonfahrzeug geringeren Fahrleistung noch deutlich teurer, aber mittlerweile auch unter 30ct angekommen. Über das Plüschtier reden wir mal lieber nicht…
        Die beiden Dieselbenze (200d und 300d, jeweils w123) lagen in den niedrigen 20ern. Absurde Steuern, hoher Verbrauch (aber billiger Sprit), kein Wertverlust und niedrige Wartungskosten, dazu absolute Zuverlässigkeit. Würde ich jederzeit wieder machen, aber gute Autos zu finden ist gar nicht mehr so einfach.

        Am billigsten war bis jetzt tatsächlich der Weinflaschen-v6:
        https://turboseize.wordpress.com/2012/11/04/wie-man-gunstig-feudal-auto-fahrt/

        • Toller Beitrag zum Weinflaschen-V6! Wo bekommt man so ein Auto eigentlich her? Ich habe schon so viele Menschen getroffen, die günstigst ein Auto gekauft haben. Bei mir klappt das irgendwie nicht. Gut, das Cabrio hat mit allen Investitionen über 6 Jahre hinweg 3k€ gekostet. Das geht auch noch.
          Gute Autos finden ist echt schwer. Gerade die älteren, die noch nicht auf Verschleiß aus sind. Wenn etwas an die 30 kommt, ist es sofort ein Oldtimer mit Wertzuwachs. Für die, die wenig Geld haben, bleibt nur noch Rost über. Deswegen restauriere ich ja den Buckelvolvo ;-).
          Rechnest du auch jedes Jahr die Kosten pro Kilometer aus? Ich dachte schon, ich wäre der einzige mit der Macke.
          Schöne Grüße
          Lars

  5. turboseize sagt:

    Wo bekommt man solche Autos her? Die laufen einem zu…

    Mit den Kilometerkosten bist Du nicht alleine. Ich bin ja gelernter Bürokrat…

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