Was für ein Autofreak bist Du denn?

Das Auto ist eigentlich ein Werkzeug, um von A nach B zu kommen. Fertig. Aus.

comp_comp_SAM_8954Nur für einige Leute da draußen ist das Auto mehr als nur ein Fortbewegungsmittel.

Vor einiger Zeit stand ich in Hamburg im Stau. Das ist in Hamburg fast zu jeder Tageszeit ganz normal. Als ich vor einem halben Jahr nach Hamburg kam, hat mich das noch gestört. Inzwischen nicht mehr. Ich warte einfach in der Blechlawine darauf, dass ich ein paar Zentimeter weiterrollen kann. Ich höre dabei Musik und singe manchmal auch dabei), beobachte an Ampeln und auf Bürgersteigen Menschen, die bei diesem Wetter aber eh meist zu Hause bleiben und schaue mir, als Autofreak, auch die Autos an, die um mich herumstehen. Oft habe ich schon daran gedacht, dass die Leute ja nicht alle Autofreaks sein können. Eher Autohasser. Sie stehen ja im Stau und verschwenden ihre Zeit.

Die Autofahrer, die um mich herumstehen werden aber natürlich sofort wissen, dass ich ein Autoliebhaber bin. Hallo? Was lacht ihr da so? Ich fahre einen schwarzencomp_comp_FILE0088aa Volvo Kombi im Alltag! Nicht tiefergelegt und ohne „Ich liebe VOLVO“-Aufkleber auf dem Auto. Aber eigentlich wissen wir, dass ein schwarzer Volvo V40 gleich nach Ferrari 250 GTO, Mercedes 300 SL und Porsche 911 kommt, wenn es um die Identifizierung eines Benzinblütlers geht. Das ist natürlich Quatsch. Ein schwarzer Volvo Kombi ist für 95% der Besitzer einfach nur ein Mittel zum Zweck. Von A nach B kommen, mit etwas Komfort und viel Platz im Kofferraum. Für mich ist mein V40 aber mehr. Er ist das erste Auto, dass ich gekauft habe, um im Alltag zu fahren. Praktisch mein erstes Auto. In den vier Jahren, die er nun bei mir ist, haben wir schon so viel erlebt, dass das Auto für mich wertvoller ist als ein Ferrari Daytona oder ein neuer McLaren.

Einige Autofreaks drücken durch den Kauf ihres Auto schon aus, dass sie Autos gerne haben. Sie kaufen sich sportliche Autos oder machen sie sportlich. Da ist auch nichts dagegen einzuwenden. Ich hatte schon einmal vor der dreckigen Motorhaube meines Alltagselchen einen Honda Civic im Renntrimm stehen. Leergeräumt, Überollbügel mit Straßenslicks drauf und auch einer Brülltüte unter dem Auto. Ob unter der Haube nun etwas Stattliches saß oder ein kleiner 1,3-Liter-Motor, das kann ich nicht sagen. Ich finde es toll, wenn Leute zu ihrem Hobby so stehen. Für mich wäre das aber nichts. Ein Hobbykoch wird auch nicht in einer Schürze zu Arbeit gehen. Ich mag es da lieber dezent. Aber das ist nur meine Meinung, der Civicfahrer mochte es lieber anders. Er hat viel Geld in sein Auto gesteckt und möchte es jeden Tag genießen. Finde ich auch vollkommen okay.

Es gibt Leute, die viel Geld in die Optik ihres Autos stecken. Seien neue Klarglasscheinwerfer, comp_comp_SAM_2072neue Felgen oder auch nur in eine professionelle Aufbereitung, die das Geld verschlingt. Finde ich auch vollkommen okay. Das kurbelt ja nur die Wirtschaft an. Ich hatte das kurz nach dem Kauf meines V40 vor 4 Jahren auch vor. Ich wollte andere Felgen drauf haben, vorne die schwarzunterlegten Scheinwerfer – inzwischen ist es mir egal. Ich fahre mein Auto so, wie es ist. Mit den Felgen, die ab Werk drauf waren und die Scheinwerfer, die drin sind. Sie funktionieren ja, warum sollte ich sie also ausbauen? Klar gibt es Hübschere – mir ist es aber egal – so lange es kein Notrad ist ;-). Ich kann Leute aber gut verstehen, die lieber 17-Zöller drauf haben wollen als kleine 15-Zöller wie ich. Das Auge isst mit.

Mit der Fahrzeugpflege ist es ähnlich. Ich habe mal gehört, dass richtige Autofreaks comp_comp_FILE0839aihre Autos nicht dreckig lassen werden. Das glaube ich irgendwie nicht. Ich kenne genug Leute, die ihre Auto total gerne mögen – sie aber nicht oder nur selten waschen. Ob es für den Besitzer dieses 123ers zutrifft, weiß ich nicht. Ich wasche auch nicht oft Auto. Ich glaube, den V40 habe ich letztes Jahr 4 Mal gewaschen. Das war es. Dafür wird er dann aber auch gründlich sauber gemacht. Mit Lederpflege und Wachs. Obwohl er nach einer Woche eh wieder dreckig ist.

Ihr findet, dass sich das nicht so ganz nach Autofreak anhört? Ein Kerl, der einen langweiligen Kombi im Alltag fährt? Ein Kerl, dem egal ist, wie das Auto aussieht comp_comp_SAM_0833solange es fährt? Und dann schreibt er auch noch einen Blog darüber? Wer hier aber schon öfter mitgelesen hat, weiß wohl, dass ich doch ein „kleiner“ Autofreak bin. Zusammen mit meinem Vater teile ich mir ein Golf Cabriolet (Henkelmännchen) im Sommer. Ein Auto, an dem ebenso hänge wie andere an einem alten Porsche, obwohl er nicht viel wert ist. Der Wert eines Autos ist mir egal, solange es für mich irgendwie Charakter hat. Das hat der V40, das hat aber auch Henkelmännchen.

Dazu kommt noch natürlich der Star dieses Blog. Elsa. Dass ich an Elsa hänge, ist comp_comp_SAM_8787wohl fast selbstredend. Seit zweieinhalb Jahre bastel ich nun an der alten Schwedin herum, die eigentlich für den Schrott gewesen wäre. Sie war mit Abstand der schrottigste Wagen, den ich mir damals angeguckt habe. Und ich habe ihn trotzdem gekauft. Warum? Weil das Auto, wie die anderen beiden, irgendwie mit mir „gesprochen“ hat. Die anderen Oldtimer, die ich angeguckt habe, waren mir irgendwie egal, auch wenn ich bei einigen nur hätte einsteigen und losfahren müssen. Die drei Autos würde ich nicht mehr hergeben. Ich habe nicht viel Geld (wo soll man das als Student auch herbekommen? 😉 ), aber ich spare so viel wie möglich, um die zweieinhalb Autos auf der Straße zu halten. Das, so finde ich persönlich, gibt eine größere Bindung zu den Objekten, als Leute, die ein Auto nur kaufen, um es mal gehabt zu haben und dann das Interesse verlieren und es gleich wieder verkaufen. Ich kenne noch einige Leute, die ticken wie ich. Ich weiß von einem Blogleser, der  zwei Seat Marbellas sein Eigen nennt, relativ viel Geld reinsteckt und sie auch nie wieder verkaufen würde. Von Jürgens Punto habe ich ja schon einmal geschrieben. Andererseits finde ich es nicht schade, wenn einer ein ähnliches Fahrzeug wie meines (oder eines, dass ich einmal irgendwann besitzen möchte) umbaut, verschrottet oder ausschlachtet.

Aber nicht jeder mag sein Auto ewig haben. Einige haben auch nicht den Platz den Alten wegzustellen. Manchmal hat man wohl auch Lust auf etwas Neues. Einige haben das öfter und kaufen sich jedes Jahr ein anderes Auto, andere haben es seltener und kaufen alle zehn Jahre ein anderes. Einige behalten ihr Auto einfach.

comp_comp_SAM_8943aAlle Autofreaks haben aber etwas gemeinsam. Sie mögen ihr Auto. Deswegen finde ich es oft echt schade, wenn es irgendwelche Rivalitäten gibt. Zum Beispiel, ganz nach dem Klischee, das Zoffen zwischen VW- und Opelfahrern. Oder hitzige Diskussionen zwischen Originalitätsfetischisten und Leuten, die ihr Auto lieber umbauen. „Patina? Ja!“ oder „Patina? Nein!“ ist auch so ein Punkt. Es kommt manchmal zu richtigen Diskussionen, gerade auch im Internet.

Was soll sowas?!

Wir alle haben doch ein Hobby – wir mögen Autos. Jeder führt sein Hobby halt anders aus. Der eine fährt seinen AMG gerne im Alltag, der andere kauft sogar ein comp_comp_SAM_8955Winterauto, um seinen Vento nicht dem Salz aussetzen zu müssen. Alles ist legitim. Außer natürlich Straßenrennen oder Raserei. Andere Menschen zu gefährden ist nämlich einfach nur scheiße. Genauso wie Streitereien im Hobby „Auto“. So etwas führt zu gar nichts. Man sollte zwar nicht herumschleimen und jedes Auto „toll“ finden und gerne aus diskutieren, aber auch nicht über andere Leute herziehen und alles doof finden, was nicht der eingenen Meinung entspricht. Wenn ich eins hasse, dann sind es festgebohrte Meinungen.

Aber, um den Anfang mal wieder aufzugreifen – was für ein Autotyp seid ihr denn? Muss euer Auto immer blitzblank sein? Baut ihr auch gerne Sportfahrwerke ein und schaut wöchentlich nach Felgen? Oder fahrt ihr einfach nur und mögt euer Auto so, wie es ist?

Ich bin sehr gespannt!

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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20 Antworten zu Was für ein Autofreak bist Du denn?

  1. Wunderbarer Beitrag von Dir.

    Ich selber liebe im Sommer meine Yountimer zu fahren mit guter Musik (Dank 1-Din+-Autoradio sei Dank) geniesse ich jeden Kilometer.
    Meine Fahrzeuge sind Ford Scorpio. Sierra, Mondeo 2.5 V6 Ghia, Kombi 1995 und Peugeot 405, meines Vaters, Jg 1995.
    Zum putzen:
    Mein Alltags-Sommer-Fahrzeug ist der Ford Scorpio 2.4 i CL, Jg 1989, der ist braun Met., dort sieht man den Dreck nicht so gut.
    Putze ihn ab und zu auch innen.

    • Hallo Jean-Pierre,

      gute Musik gehört bei mir zum Autofahren eigentlich auch dazu!

      Deine Autosammlung begeistert mich immer wieder. Einen Mercedes hast du doch auch dabei, oder? Pflege deine Autos weiter gut! Die werden oder sind ja schon selten.

      Schöne Grüße
      Lars

      • Hallo Lars,

        Danke für den netten Kommentar:

        Ja das stimmt, ein mercedes-Benz 260 SE aus dem Jahre 1986, 1. Zulassung war in Deutschland. 1986 war ja das Facelifting mit Saco-Bretter und wegen den Bergen, gab es den W 126 300 SE 6-Zylinder. Das waren damals neue Motoren Wege Sparsamkeit und Katalysator. Meiner wird Ende Septemper 2016 30 Jahre. Läuft nur auf 5-Zylinder. Muss den Motor machen. Rostfrei ist das Fahrzeug. Und einen Citroën BX Turbo-Diesel habe ich auch noch.

        • Du hast eine sehr Weite Spannbreite, was die Fahrzeuge angeht. Aus dem Alltagsklassikerforum kenne ich ja auch noch deinen Commodore und Ford Taunus. Ich finde es sehr prima, dass du die Autos für die Nachwelt erhälst!

          Schöne Grüße
          Lars

  2. Moin Lars!

    Toller Artikel, der mir sehr aus dem Herzen spricht! Toleranz für alle „Autospinner“ da draussen ist meiner Meinung nach sehr wichtig! Ob nun einer an seinem Dreier Golf oder an seinem 360er Ferrari hängt – er wird seinen Grund und seine ihm ganz eigene Story dazu haben, eine die sicher schlüssig erklärt, warum gerade das Auto es ist was ihn glücklich, zufrieden oder was weiß ich macht.

    In welche Kategorie ich gehöre, hmmh schwer zu erklären. Einerseits hänge ich sehr an meinem 91er Mazda MX-5 NA den ich seit 1999 besitze, dem ich viele dezente Modifikationen vom Gewindefahrwerk, über andere Felgen, Fahrwerksstreben und sonst noch so allerhand angedeihen habe lassen. Dann gibt es noch den Mazda 818 Sedan de Luxe von 1973, der mir mehr oder weniger zugelaufen ist und den ich seit 2008 hege. Der ist so original wie möglich und wird trotz der bescheidenen Ersatzteilsituation geliebt.

    Im Alltag läuft seit kurzem ein total unvernünftiger Volvo 960 mit zu viel Leistung und reichlich Durst. Hätte ich jeden Tag einen weiß wie weiten Arbeitsweg, würde ich wohl auch was vernünftiges, möglicherweise sogar nen Spardiesel bewegen – muß ich aber nicht, deswegen der dicke Volvo.

    So spinnt halt jeder auf seine Weise sein Autovorlieben aus und das ist auch gut so. Viele dieser positiv Autoverrückten sammelt sich in unserem markenoffenen Alltagsklassikerforum: http://www.alltagsklassiker.at/forum Dort ist man unter sich und versteht die Macken der anderen. 😉

    Schönen Tag noch in den Norden aus dem sonnigen Süden
    Micky

    • Ich glaube, von dem Alltagsklassikerforum habe ich auch schon mal gehört ;-).

      Klar ist es schwer sich irgendwo einzuteilen – deshalb habe ich auch keine „Autofreaktypen“ aufgeschrieben, sondern einfach mal versucht zu verschiedene zu beschreiben. Menschen in Kategorien einzuordnen ist eh schwer.

      Bei dir scheint es ja ein Mix zu sein. Mal sportlich unterwegs mit dem Mazda, mal gemütlich unterwegs mit dem dicken Volvo ;-), mal „rustikal“ (?) mit der Erbse. Ich bin meist nur gemütlich unterwegs. Zum Schnellfahren fehlt mir das Geld und das Auto :-). Deine Mazda bleiben ja immer recht lange bei dir, da merkt man die Mazda-Liebe ;-).

      Schöne Grüße
      Lars

      • Man muß sich für alle Anlässe passend kleiden, so auch beim fahrbaren Untersatz! 😉 Fehtl nur noch ein funktionstüchtiger Kombi, ach hoppla den habe ich ja eigentlich schon in Gesstalt des Mazda 323 Vans, der mir letztes Jahr zugelaufen ist und gestern wohl unterschlagen habe.

        Auch das Kapitel Allrad wird bald abgedeckt im erweiterten Fuhrpark und auch Automatik. Mehr dazu in Kürze.

        Und ja das fahren mit der Erbse ist recht rustikal, aber auch klar bei einem Fahrzeug aus den frühen 70ern. Da gibts keine Helferlein, das ist noch autofahren pur, ohne Filter – aus einer Zeit als der Sex noch sicher war und das fahren gefährlich.

        Servus aus dem verregneten Graz
        Micky

        • Hey Micky,
          wie kannst du dich denn da noch entscheiden, wann du mit welchem Auto fährst? 😉 Wirfst du mehrere Münzen? Irgendwann ist ja auch noch der Mazda Kombi fahrbereit 🙂

          Schöne Grüße
          Lars

  3. Sven sagt:

    Ein sehr guter Artikel. Ein Volkswirtschaftslehrer korrigierte mich einst, „Auto fahren“ sei kein Bedürfnis, sondern „Mobilität“. Ich bin auch heute noch der Meinung, dass ich Recht habe, denn für mich ist ein Auto mehr als nur ein Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu kommen. Selbst bei meinem Alltagsauto, einem 2006er Hyundai Coupé 2.7 V6, das ich nun seit knapp zehn Jahren bewege, ist da für mich kein typisches Pendlerauto. In der Freizeit, und da heisst das Bedürfnis eben nicht „Mobilität“, erlebe ich die Strasse, die Landschaft, das Auto mit einem 1991er FIAT Croma 2.0 i.e. aus Familienbesitz (zudem mein erstes Auto) und seit einem Jahr mit einem 2012er Dodge Challenger SRT-8. Diese beiden Autos, insbesondere mein erstes, möchte ich nie wieder hergeben.

    Ich bin der Typ Autofreak, der seine Autos nach reiflichen Überlegungen anschafft und sie einfach bis ans Lebensende behalten möchte. Eine Ausnahme gabs bisher nur einmal, wobei das seine nachvollziehbaren Gründe hatte, und beim Alltagsauto ist eben die Schwelle zum Youngtimer weder in Zahlen noch vom Gefühl her erreicht. Aber eben, andere hätten ein funktionierendes 10 Jahre altes Auto in dieser Zeit bereits 2 oder 3 Mal durch ein neues ersetzt. Das Bedürfnis, seine Autos quasi wie seine Hosen zu wechseln, kann ich schlichtweg nicht nachvollziehen.
    Ich bin der Typ Autofreak, der seine Autos aus eigenen ideellen Überzeugungen bewegt, d.h. sich nicht auf Themen wie Prestige, Wertsteigerung und -erhalt, Marktwert, sondern auf Themen wie emotionaler Wert, Fahrgefühl, und – in meinem Fall – Individualität im Sinne der Rolle des Autos im Strassenbild fixiert. Die objektiveren Argumente, die für einige Autofahrer scheinbar von höchster Wichtigkeit sind, sind für mich nur eventuell vorhandene angenehme Nebeneffekte. Ich bin der Typ Mensch, dem Dinge, inkl. Autos, zu langweilig erscheinen, wenn er sie zu oft sieht, ohne dass die Qualität, das Design oder die guten Eigenschaften dieser Autos in Frage gestellt werden. Autos, aus dem Hochpreissegment, bzw. solche, die ich mir nie leisten konnte, interessieren mich nicht. Gerade in Bezug auf Young- und Oldtimer sind für mich diejenigen Autos am interessantesten, die einst das Strassenbild prägten, und heute verschwunden sind – in erster Linie also sozusagen die Helden des Alltags, die Autos der Nachbarn, nicht irgendwelche abgehobenen Supersportwagen und Luxuskarrossen, mit denen sich irgendwelche Leute in der Gegend herumchauffieren liessen.
    Ich bin der Typ Autofreak, der von „optischem Tuning“ sehr wenig hält. Mit 18 sah ich das auch noch anders, aber mittlerweile geht meine diesbezügliche Präferenz nicht viel weiter als zu anderen Leichtmetallfelgen. Vielmehr finde ich gerade bei älteren Autos Originalität sehr wichtig; selbst zeitgenössisches ‚optisches Tuning‘ ist für mich zu viel. Wenn aber jemand daran Freude hat, lass ich ihm seine Freude. Es ist ja schliesslich sein Eigentum, und damit kann er anstellen, was er möchte.
    Ich bin der Typ Autofreak, der der Meinung ist, dass jeder Hersteller bessere und weniger gute Autos gebaut hat und baut, wobei auch dies sehr subjektiv sein kann, und daher nicht nur auf den Qualitätsaspekt beruht. Was ich nicht leiden kann, sind Leute, die öffentlich ihre Meinung bekunden, dass nur „ihre Marke“ die „besten Autos“ gebaut hat und immer noch baut, und dann gleichzeitig ernsthaft noch über andere Autos herzieht, indem man sich irgendwelcher Klischees vom Hörensagen bedient. Ja, vielleicht hat man mal eine (oder auch mehrere) schlechte Erfahrung mit einem bestimmten Auto gemacht – baut deswegen der Hersteller nur Sch***sautos? Definitiv nicht. Am besten in Erinnerung blieb mir derjenige überzeugte MB-Fan, der bei mir ernsthaft die Bestätigung für seine Klischees über (meinen) FIAT und italienische Autos im Allgemeinen suchte. Ich musste mir Fragen wie „Ich verstehe das nicht. Was bewegt einen, ein solches Auto zu erhalten?“, „Was musstest Du daran alles ersetzen?“, „Der hatte doch bestimmt Probleme mit Rost, oder?“ gefallen lassen. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel – denn jemandem ordentlich in die Fresse zu hauen, ist nun einmal nicht salonfähig, genauso unangebracht wäre es gewesen, sich auf das gleich tiefe Niveau herunterzulassen und mit einer Frage kontern wie „Und was genau bewegt jemanden dazu, eine solche Rentnerkutsche zu fahren?“. Schon wäre die Diskussion losgegangen. Es ist nun mal so, dass Geschmäcker unterschiedlich sind, dass man seine eigenen Überzeugungen und vielleicht auch Marken- und Modellpräferenzen hat, und das ist doch auch völlig in Ordnung. Man muss nicht verstehen können, warum jemand ein Auto pflegt und erhält, das für sich selbst absolut keinen (Stellen-)Wert hat – man soll es aber respektieren!

    • Hallo Sven,
      vielen Dank für den Kommentar!
      Dein Volkswirtschaftslehrer wird recht haben. Mobilität ist von den meisten Leuten gefragt. Besonders individuelle Mobilität. So gut und schön öffentliche Verkehrsmittel sein mögen – die meisten Leute wollen ebenso wenig morgens neben einem Menschen mit strengem Körpergeruch sitzen wie Autofahrer im Stau stehen. Zeit sparen sie oft auch nicht. Teilweise bin ich in Hamburg mit dem Auto schneller als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Eigentlich nicht die richtige Richtung. Aber egal ;-).

      Ich weiß übrigens GENAU was du meinst. Wie es dir mit deinem Croma (Selten und schick! Welche Farbe hat er denn?) und deinem Challenger geht, geht es mir halt mit Golf, V40 und (bald) Buckelvolvo. Die könnte ich irgendwie auch nicht mehr hergeben. Werde ich wohl auch nicht. Platz ist genug vorhanden – ob das Geld vorhanden ist, ist eine andere Sache ;-).

      Anscheinend sind wir uns in Sachen „Autofreaktypen“ echt ähnlich. Ich kann es wirlich gut nachvollziehen, was du meinst. Ich habe mir vor meiner Elsa-Zeit auch einen Mercedes W123 angesehen. Aber davon (und von 911ern) sieht man auf Oldtimertreffen immer so viele. Ich mag sie, ohne Frage – aber ich brauch nicht das, was andere Leute haben. Deswegen habe ich seit 10 Jahren mein Nokia und immer noch kein Smartphone. Ich würde mir auch keinen Mercedes SL kaufen – auch wenn es prima Autos sein mögen. Davon gibt es mir einfach zu viele und ich habe das Gefühl, dass die Autos da noch weniger individuell sind, als zum Beispiel Käfer, die es ja noch ähnlich viel gibt. Ich freue mich andererseits sehr, wenn ich irgendwo einen alten Rekord Caravan sehe, die ja meist alle verschlissen wurden.

      Die Markenhasserei mag ich auch nicht. Es kann sein, dass ein Mensch mal mit einem Auto einer Marke mal Probleme hatte. Aber wer weiß, wie das Auto genutzt wurde? Oder wie gut die Werkstatt gearbeitet hat? Alle Autos der Marke sind dann auch nicht schlecht. Wenn Beschwerden auffallen, dann auch nur, weil der Mund aufgemacht wird, wenn es Beschwerden gibt. Mit Lob haben die Leute in Kundencentern bestimmt wenig zu tun. Wenn es funktioniert, ist es gut. Nur wenn es nicht funktioniert, gibt es Ärger. Auf die Fresse hauen würde ich wegen solchen Kommentare aber niemanden (auch aus anderen Gründen nicht 😉 ). Jeder muss seine Wahrheit finden, wenn er damit glücklich ist, ist es doch gut. Die meisten wollen ja nicht diskutieren, wenn sie erst einmal ihre Wahrheit gefunden haben. Ich hoffe ja, einige wenige Leute, die ich mit dem Blog hier erreiche, mal zum Nachdenken zu bringen.

      Viel Spaß weiterhin mit deinem Croma, deinem Challenger und dem Hyundai!

      Schöne Grüße
      Lars

      • Sven sagt:

        Sagen wirs so: Mobilität ist sicherlich ein Bedürfnis. Das „Auto fahren“ als Hobby kann eines sein. Vielleicht würde man das aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht als Teil von „Selbstverwirklichung“ oder so was ähnliches betiteln.
        Zum Thema öffentliche Verkehrsmittel: Es soll ja Leute geben, die daran sogar „Spass“ finden, bzw. sie gerne nutzen. Um es mit den Worten aus einer Szene aus dem Film „Zurück in die Zukunft 3“ zu sagen: „Was soll daran spassig sein?“ ;). Andere haben einfach schlichtweg keine andere Wahl. Fakt ist: die öffentlichen Verkehrsmittel haben ihren Nutzen und ihre Berechtigung. Der Individualverkehr auch, nur möchten das manche politische Kreise nicht einsehen. Ich möchte hier aber nicht noch mehr Politik in diesen Beitrag einbringen.

        Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber hatten wir damals (bis 2006) übrigens einen knallroten Volvo V40; dies war der erste und bislang einzige Volvo, den ich in meinem Leben je gefahren bin. Golf I und Golf II haben mir schon immer gefallen. Der Golf II war schon in meiner Kindheit ein Lieblingsauto; die Fahrschule im Quartier hatte gleich zwei davon in gelb, bis sie diese um 1992 durch zwei neue Golf III ersetzten. Einen Golf II könnte ich mir auch in meiner Sammlung vorstellen, aber auch bei mir wächst für ein zusätzliches Auto das Geld (und der Platz) nicht auf Bäumen. Zudem ist es in meinem Fall so, dass ich im Moment eher anderen Autos auf meiner „Wunschliste“ Vorrang geben würde, die wohl bald nicht mehr so einfach und preiswert zu finden sind. Derzeit erfreue ich mich aber an dem, was ich habe. Von daher eilt es auch überhaupt nicht.

        Dieses „immer das Neuste haben“, gerade in Bezug auf Mobiltelefone, kann ich eben auch nicht nachvollziehen. „Never touch a running system“ gilt sinngemäss auch hier, denn etwas, das noch funktioniert, sollte man meiner Meinung nach nicht entsorgen. Doch auch bei mir musste mein Sony Ericsson T300, Baujahr 2002, letztes Jahr nach 12 Jahren einem Smartphone weichen. Es ging einfach nicht mehr anders: 5 bis 7 Tage Akkulaufzeit waren super, aber da das Ding sich am Schluss im Telefonat von alleine ausschaltete und nur noch ein Teil der Tasten funktionierte, musste ich es in den Ruhestand schicken. Entsorgt habe ich es dennoch nicht; die Dinger gelten ja bereits wieder als „retro“. Hätte die gesamte Gesellschaft ein derartig zurückhaltendes Konsumverhalten wie wir, würden so einige Hersteller Insolvenz anmelden müssen. Ob das Smartphone auch 12 Jahre hält?

        „Hat jemand was negatives zu sagen, teilt er es 10 Leuten mit. Hat jemand was positives zu sagen, teilt er es 3 Leuten mit.“ So ähnlich habe ich es mal gelernt, als es um Kundenservice ging. Von daher ist es möglich, dass sich so manch schlechter Ruf schnell verbreitet, und klar, die Sache mit „auf die Fresse hauen“ war auch nicht ernst gemeint. 😉
        Für mich wars einfach insofern ärgerlich, wenn ich bedenke, dass einige Leute wissentlich an einem markenoffenem Treffen teilnehmen, und es dann nötig haben, irgendwelche abschätzigen Kommentare loszuwerden. Es gibt eben einen Unterschied zwischen „gefällt mir nicht“ und „Du fährst einen Schrott“ – das eine ist eine Meinungsäusserung, beim anderen wird’s dann schon etwas persönlich.

        Der Croma hat die Farbe „Grigio Glasgow“, also Glasgow-grau mit Metalliceffekt – noch eine dieser fantasievollen Farbbezeichnungen aus vergangenen Zeiten. Die Farbe ist irgendwo zwischen dunkelblau und anthrazit einzuordnen. In dem Sinne vielleicht nicht eine typische Youngtimerfarbe, aber eben auch zeitgenössisch für die späten 80er/frühen 90er, da heute die Farbauswahl bei vielen Neuwagen wirklich bescheiden ist. Auch was das angeht hielten schon einige Oldtimerfahrer an einem Treffen für Youngtimer das Auto trotz makelloser Neulackierung für mein Alltagsauto, weil er anscheinend zu modern aussieht. Mal abgesehen vom Facelift würde sich das Auto als Baureihe seit letztem Jahr eigentlich als Oldtimer qualifizieren; vor allem, wenn man bedenkt, dass der Grossteil der Technik noch aus den 80ern stammt; ein Teil des Motors sogar noch aus den späten 60ern. Egal, in fünf Jahren ist er dann per Definition offiziell ein Oldtimer, auch wenn ich ihn wohl auch dann nie mit diesem Begriff bezeichnen werde, und irgendwelche hartgesottenen Oldtimerbesitzer, das nie so sehen werden.

        Dies führt mich zu einem weiteren Punkt, der auch immer wieder gerne diskutiert wird: Wird ein modernes Auto je zu einem Young-/Oldtimer? Ein Thema, das hier sicherlich auch für Gesprächsstoff sorgen würde ;).

        • Guten Morgen Sven!
          „Selbstverwirklichung“ ist eigentlich ein gutes Stichwort. Die meisten Autofahrer (ausgenommen einiger Leute, die ihre Autos einfach nur kauen, bzw. leasen, weil es ein gutes Angebot war) versuchen sich ja selbst durch ihre Autos zu repräsentieren. Und wenn es durch einen rostigen Golf 3 ist. Ist ja auch ein Statement.

          Klar haben die öffentlichen Verkehrsmittel auch einen Sinn – das steht ganz außer Frage. Nur sollte der wohl besser ausgebaut werden, damit man ihn noch besser nutzen kann. Meistens sind es ja die Leute, die in der Stadt wohnen, aber meinen, sie würden ja so viel für den Umweltschutz tun und über die Natur wissen. Ich als Landei musste mir schon einmal „Umweltverpester“ anhören, weil ich auf dem Land mit dem Auto fahre ;-).

          Einen Golf II möchte ich übrigens auch irgendwann einmal gerne haben. Muss auch nicht für lange sein. Das schon echt gute Autos, die VW damals gebaut hat. Vor allem in Sachen „Haltbarkeit“. In der Verwandtschaft hatten wir einen roten Golf II Automatik, der eeewig hielt! Fand ich prima. Momentan steht für mich mit wenig Geld aber natürlich im Vordergrund, Elsa fahrbereit zu bekommen und dann auch zu unterhalten. Aber ich mit den zweieinhalb Autos immer noch günstiger dran als einen neuen Golf zu leasen.

          Falls mein Nokia mal aufgeben sollte (ich hoffe es ja nicht!), dann habe ich schon überlegt mir ein ähnliches wieder zu besorgen. Die gibt es im Internet ja für ein paar Euro. Etwas Neues werde ich mir auf jeden Fall nicht mehr kaufen. Klar, nicht gut für die Wirtschaft, aber bei Handys und Computern bin ich einfach ein wenig geizig ;-). Ist ja genauso bei den Autos. Aber es gibt ja eigentlich schon mehr als genug.

          Dass die „Lehrschlag“ nicht ernst gemeint war, habe ich mir auch schon gedacht. Klar haben solche Äußerungen auf markenoffenen Treffen nichts zu suchen – aber wer kann anderen Leuten den Mund verbieten? Das ist schwer.

          Ich habe die Farbe des Cromas einmal gegoogelt – gefält mir prima! Ich glaube, die Cromas, die ich bisher in der Realität gesehen habe, kann man an einer Hand abzählen. Dabei sind sie ja noch gar nicht so alt?! Wo sind die geblieben? Nagut, Fiat haben hier im Norden noch nie wirklich einen hohen Stellenwert gehabt. Zumindest so lange ich denken kann. Einen Klassiker würde ich deinen Croma von daher auf jeden Fall nennen. Seltener als manch älterer Mercedes ist er ja auf jeden Fall.

          Das Thema: „Ab wann ist ein Auto ein Young- bzw. Oldtimer?“ steckt schon seit ein paar Monaten als Entwurf in der Warteschleife. Ich finde das nämlich ein äußerst heikles Thema. Es ist wohl immer individuell, was und wie alt ein Mensch ein Auto empfindet. Als wir mit unserem Golf 1 Cabriolet anfingen auf Treffen zu fahren, war das Gespott noch groß. Das war vor 6 Jahren.Inzwischen wird man auf der Straße schon oft angesprochen. Einmal sprach ich einen US-Car-Fahrer (ich weiß nicht mehr, was für eines es war. Aus den 70ern auf jeden Fall) auf seinen schicken OLDTIMER an. Er motzte darauf und meinte: „Das ist kein Oldtimer. Das ist ein Klassiker! Oldtimer kommen aus den Vorkriegsjahren.“ Netter Mensch ;-). Ich glaube, ich war da 12 oder so. Es gibt eh genügend Menschen, die sich und das Hobby zu wichtig nehmen. Sowas mag ich nicht :-).

          Für mich geht das nun nach Hamburg. Aber in einem mordernen Lüge-Diesel ;-).

          Ich wünsche dir einen schönen Donnerstag!

          Schöne Grüße
          Lars

      • Sven sagt:

        Hallo Lars

        In punkto „Selbstverwirklichung“ gibt es sicherlich diejenigen Leute, die nur darauf sind, andere damit zu beeindrucken. Wiederum gibts dann eben welche, die, wie Du richtig sagst, ein Statement abgeben. Ob man dadurch auffällt ist dann in der Regel gewollt, oder eben auch ungewollt.
        Ich denke mir, dass man als Autofreak in erster Linie ein Auto deshalb kauft und fährt, weil es einem gefällt, und nicht um andere zu beeindrucken. Ein rostiger Golf III im Rattenlook ist natürlich auch ein Statement; da ist es aber sicherlich nicht das Beeindrucken anderer im Sinne eines Statussymbols ;).

        Obwohl ich selbst noch nie einen selbst gefahren bin, oder einen besessen habe, bin ich der Ansicht, dass der Golf II der beste Golf aller Zeiten ist. Vom Design her wurde die Form des Vorgängers unverkennbar übernommen, sieht somit also gefällig aus, und qualitativ war er ebenso vorbildlich. Irgendwie wurden mir die VW in den 90ern vom Design her einfach zu pummelig und austauschbar. OK, das war dann auch allmählich bei anderen Herstellern der Fall.
        Die Restaurierung der Elsa, bzw. des Volvos ;), ist ein sehr persönliches Projekt. Da lohnt sich meiner Meinung nach der Aufwand, zumal auch die persönliche Bindung dazu eine ganz spezielle ist. So etwas muss im Vordergrund stehen!
        Wenn ich mir überlege, dass man mir einst sagte, ich könne für die Reparaturkosten eigentlich einen Neuwagen holen…klar, aber da spricht mich ja kaum was an, und schon gar nicht in der Preisklasse. Aufgrund eines unverschuldeten Unfalles, musste ich schon für Reparaturkosten aufkommen, die den Fahrzeugmarktwert um ein Vielfaches überschritten. Die Entscheidung habe ich dennoch nie bereut. Im Gegenteil, ich bin froh, habe ich mich damals so entschieden.

        Das mit dem Nokia stimmt; vor allem musst Du Dich dann nicht mit Themen wie W-LAN-Verbindung, Akkulaufzeit und dergleichen beschäftigen.

        Danke für Deine netten Worte zum Croma. Selten ist er auf jeden Fall geworden. Die Croma (vor allem die 1. Serie von 1986 bis 1991) wurden seinerzeit in Deutschland eigentlich gut verkauft. Sie wurden bis 1996 rund 480’000 mal gebaut, wobei die letzten beiden Jahrgänge eigentlich nur noch auf dem Heimatmarkt gut verkauft wurden. Auch auf besagtem Heimatmarkt sind nicht viele übriggeblieben; sie sind dort ebenso selten geworden. Einzig an den Treffen des dortigen Clubs trifft man auf dieses Auto – ich war letztes Jahr an zwei dieser Treffen, siehe Fotogalerie: https://goo.gl/photos/4iH7WzKKowrpUngu7
        In Italien geniesst diese Auto auch heute noch einen ganz anderen Status als nur der eines günstigen Passat-Äquivalents; als Auto der oberen Mittelklasse mit für damals nicht selbstverständlichen Ausstattungen wie Klimaautomatik, Ledersitzen, ZV mit Fernbedienung und elektrisch einklappbaren Aussenspiegeln diente das Auto u.a. einigen Behördenmitgliedern, als Regierungs- und Polizeifahrzeuge. Man hört, dass einige dieser Regierungsfahrzeuge („auto blu“) auch heute noch im Einsatz wären.
        Das Problem ist eben auch, dass insbesondere hierzulande ein anderes Bewusstsein darüber herrscht, was als „erhaltenswert“ oder als reines Auto als Gebrauchsgegenstand gilt. Mal abgesehen davon, dass sich einheimische Marken tendenziell auf dem Heimatmarkt besser verkaufen, trägt auch die Fachpresse in Form von diversen Youngtimer- und Oldtimermagazinen dazu bei, dass einzelne ehemalige Alltagsautos kaum Beachtung finden. Ein Blick auf die Titelseiten von „Oldtimerpraxis“, „AutoBild Klassik“, „AutoClassic“ oder „Youngtimer“ genügt in der Regel, um zu sehen, was als „typischer Youngtimer“ gilt. Man sieht immer wieder die gleichen Modelle, die untereinander verglichen werden, als ob die Yountimer-Szene nur aus 5 verschiedenen Marken bestünde. Wobei gerade die Zeitschrift „Youngtimer“ da eigentlich nur auf der Titelseite dem „Mainstream“ folgt; denn es sind eigentlich immer auch interessante Berichte über Exoten darin zu finden. Somit sicherlich eine Ausnahme.

        Da hast Du Recht, es ist in der Tat ein heikles Thema, bei dem die subjektive Wahrnehmung eine wesentliche Rolle einnimmt. Wenns um Oldtimer geht, ist zwar die 30-Jahre-Regel anwendbar, wobei ja gemäss diesen FIVA-Richtlinien noch genauere Definitionen vorhanden sind, die einen Oldtimer kategorisieren.
        Seltsam wirds vor allem dann, wenn bei so mancher Oldtimerveranstaltung ganz genau auf das Baujahr geschaut wird, es sei denn, Du fährst einen modernen Supersportwagen à la Ferrari und Lamborghini – dann spielt das keine Rolle mehr und Du kannst ohne weiteres teilnehmen.
        Bei den Youngtimern ists ja insofern anders, da nirgendwo eine Definition mit offiziellem Charakter existiert. In der Regel wendet man die 20-Jahre-Regel an, wobei dann eben der Produktionsstart der Baureihe miteingeschlossen ist. So wie auch bei Deinem Golf I Cabriolet.
        Doch bereits wenn man sich die relativ lange Produktionsdauer von 1979 bis 1993 anschaut, wird einem klar, dass so ein Auto einerseits Youngtimer wie auch Oldtimer sein kann. Ja, was nun? Und schon greifen die Definitionen nicht mehr. Da dürfte die Szene meiner Meinung nach noch etwas offener sein, und auch mal ein Auge zudrücken, wenn der Neupreis des Autos nicht im sechsstelligen Bereich lag. 😉

        Bevor ich jetzt hier über dieses Thema noch weiterschreibe, freue ich mich schon mal auf Deinen entsprechenden Blogeintrag dazu :).

        • Hey Sven,
          vielen Dank für deinen Kommentar!

          Ja, Elsa ist schon etwas besonderes. Ich habe mir viele Autos vorher angeschaut. Vom Fiat 126, über 123er Mercedes bis zum Opel Rekord C war vieles dabei. Aber bei meiner rostigen Elsa war es dann das richtige Baugefühl. Ich würde meine Autos (wenn es denn noch irgendwie geht) wohl auch nach einem Unfall wieder richten lassen. Auf jeden Fall Elsa und Henkelmännchen. Den V40 aber wohl auch. Ich hänge an dem ;-).

          Die Bilder von den Croma sind richtig toll! Deiner sieht sehr dezent aus. Die Felgen erinnern mich ein wenig an die des Uno Turbos. ich meine, der hatte doch ähnlich aussehende drauf. Bewusst gesehen habe ich bisher keinen Croma. Vielleicht habe ich sie aber auch übersehen.

          Über das Verhalten von einigen Oldtimertreffenorganisatoren habe ich mich schon einmal ausgelassen. Da werden teilweise echt willkürlich veranstaltungswürdige Autos herausgesucht. Hier der Artikel dazu:

          https://larsdithmarschen.wordpress.com/2015/09/27/altautos-nicht-fuer-kinder-unter-35-jahren-geeignet/

          Dass hochpreisige Sportwagen auf einem Old-, bzw. Youngtimer eigentlich nichts zu suchen, ist klar. Aber da das meiste ja Autofreaks sind, können sie auch ruhig dort stehen. Ich habe da nichts gegen. Meist sind sie ja eh nur gemietet. Auf den meisten Oldtimertreffen hat man auch das Gefühl, dass es nur weiße 123er Benzen und Porsche 911er gab. Tolle Autos, aber wenn ich einen Oldtimer haben möchte, dann lieber einen, der nicht so oft auftaucht. Doof von einem Golffahrer – aber wie viele originale, frühe Golf 1 Cabrios gibt es noch?

          Das Thema „Wann wird ein Auto zum Youngtimer?“ wird wohl noch ein wenig dauern. Eigentlich könnte man auch sagen: „Wann ist ein Auto ein Klassiker?“ oder „Wann ist ein Auto erhaltenswert?“ Sowas wird schwer. Aber wahrscheinlich werden darauf ähnlich interessante Reaktionen folgen, wie auf diesen Eintrag. Diskussionen finde ich über so ein Thema ja immer toll!

          Schöne Grüße
          Lars

  4. Jürgen sagt:

    Hallo Lars,

    das ist ein guter Beitrag, finde ich.

    Früher war ich bei der Gruppe ‚Ich wasche mein Auto wöchentlich, jede zweite Woche kommt ne Schicht Wachs auf den Lack‘. Ich war mit meinen Autos auch nie in einer Waschanlage, ich habe sie immer per Hand gewaschen.

    Heute bin ich eher bei den Leuten zu finden, die schauen, dass das Auto einigermaßen sauber ist. Hilfreich ist da natürlich die Außenfarbe meiner Autos. Der 960er Volvo ist in sandsilber lackiert, das Punto Cabrio in Grigio steel (quasi ein dunkleres Silber), der andere Punto in ‚Herzogsgrau‘, welches ein schönes Dunkelgrau ist.
    Bei allen drei Autos ist es eine Farbe, von der sich der Dreck nicht so abhebt. Man sieht es im Grunde nur an den Felgen recht deutlich, dass das Auto irgendwann mal wieder gewaschen werden sollte, damit sich der Dreck nicht komplett einbrennt. 😉

    Der Innenraum dagegen muss sauber sein, da halte ich mich ja beim Fahren immer auf. Da bin ich schon noch reinlich. Ganz besonderen Wert lege ich auf saubere Scheiben. Gute Sicht ist unabdingbar, damit man sicher von A nach B kommt.

    Was die ‚Streitereien‘ wegen der Automarken anbelangt, kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Ich bin für jede Automarke offen. Es gibt aber Autos von Marken, die eher mein Gefühl ansprechen und die ich nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten aussuche. Daher fahr ich hauptsächlich italienische Autos. Obwohl auch der Große aus dem hohen Norden seinen besonderen Reiz hat. 😀

    Viele Grüße
    Jürgen

    • Hallo Jürgen,

      klar, ein graues/silbernes oder braunes Auto helfen, um den Dreck (und den Rost? 😉 ) zu vertuschen. Schwarz ist da anfälliger – ganz schlimm ist aber der graue Passat meiner Eltern. Der sieht schnell dreckig aus. Am Anfang habe ich den V40 auch jedes Wochenende gewaschen. Inzwischen? Ääähhh.. ;-).

      Mein Innenraum sieht, wenn ich viel unterwegs bin, auch aus wie eine Müllhalde. Aber ich habe immer alles dabei. Drei paar Jacken, zwei paar Schuhe und alles, was der Mensch noch so braucht ;-).

      Du hast wohl einen der weitreichensten Fuhrparks. Von ganz im Norden bis ganz in den Süden. Fehlt eigentlich nur noch ein Lada und ein Amischlitten ;-). Wann kommen die?

      Schöne Grüße und einen schönen Donnerstag
      Lars

      • Jürgen sagt:

        Hallo Lars,

        Lada? Amischlitten? Bringe mich nicht in Versuchung – Du kennst mich und meine Schnellschüsse. 😀

        Ein alter Franzose könnte noch kommen, aber das hat Zeit. Das Modell, das ich haben möchte, ist relativ selten. Deshalb geht da mit Sicherheit noch einige Zeit ins Land.

        Gruß Jürgen

    • Hallo Jürgen,

      ich finde Deinen Kommentar sehr, sehr gut.

      Du hast wunderbar geschrieben.
      Gruss aus der Schweiz.

  5. Mirco Meier sagt:

    Hallo Lars ,

    Glückwunsch zum Beitrag , gut und unterhaltsam wie immer geschrieben und auch kurzweilig zu lesen .
    Nun ich persönlich bin der Typ der seine Autos mag aber nicht wöchentlich wäscht oder poliert , der A4 wird da am wenigsten geschont da der einfach nur die Winterschlampe ist . Die Doka kriegt ihre Pflege aber eher in Sachen Technik als in Kosmetik , denn da ist der Lack einfach noch zu schlecht und wird eh neu kommen . Ich liebe Sie ja trotzdem 🙂
    Wir Autofreaks müssen manchmal ein dickes Fell haben , vor allem wenn man sich eher den Exoten verschrieben ht und wenn man dann noch Lada fährrt gehts einfach los . Ein bisschen Frotzeln untereinander ist okay aber manche führen regelrechte Kriege durch und das muss nun wirklich nicht sein und deswegen fahr ich gern auf markenoffene Treffen 🙂 2015 war ich mit meiner versprayten Doka in Altenrhein auf dem Oldtimertreffen und hab so manche Besucher erheitert aber nie gabs ein böses Wort un genau das muss so sein 🙂

    So das wars von meiner Seite …

    Gruss Mirco

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