Mal wieder etwas über Elsa schreiben….

….müsste ich mal. Schließlich ist die alte, schwedische Dame ja der Hauptgrund für diesen Blog. Ein noch-siebzehnjähriger Norddeutscher, der einen zehn Jahre alten Kombi durch die Gegend scheucht, ist ja eher uninteressant.

Warum fahr‘ ich eigentlich VOLVO? Hab ich euch das schon erzählt?

Eigentlich wollte ich mir ja als erstes Auto einen Volvo P120 – meistens eher „Amazon“ genannt. Ich finde das Auto immer noch wirklich schick. Allerdings meinten meine Eltern, dass ein neueres und sicheres Auto für einen Fahranfänger doch sicherer sei. Für mich war es klar. Kein Kleinwagen. Ein Kombi. Von Volvo.

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Lenkräder. Toll. Oder?

Mein Onkel ist schon lange Volvo-Fahrer. Und die müssen mich irgendwie geprägt haben. Seine Autos waren immer wesentlich flotter und sportlicher, als die Passat-Diesel, die meine Eltern immer hatten. Seinen letzten Turbo-Benziner-V70 bin ich mal auf einem Verkehrsübungsplatz gefahren – etwas ganz anderes, als der Golf 5, den wir damals hatten. Außerdem habe ich früher Geschenke von ihm bekommen, die einen leichten Wink Richtung Volvo gaben. Ein Buckelvolvomodell, und Werbegeschenke von Volvo. Meine Eltern haben deswegen oft Fotos von mir vor Volvos gemacht, als ich kleiner war – vor Buckelvolvos (weil ich so einen als Modell habe), vor Amazonen (weil da Volvo drauf steht) oder auch einfach, um sie meinem Onkel zu zeigen – als Dankeschön. Außerdem war das Hochzeitsauto meiner Eltern 1984 der damals brandneue 244 GLT meines Onkels.

Außerdem wollte ich einfach mal sagen. „Ich fahre Volvo.“

Aber auch finde ich das dezente Auftreten von Volvo toll – okay, heutzutage wird Elsa auffallen, als sie neu war, wohl eher weniger. Und gerade das gefällt mir am besten – ich brauche kein Auto, dass Aufmerksamkeit aufziehen soll. Bei meiner Erscheinung hätte ich da wohl eher einen goldenen Bugatti kaufen müssen. Es gibt zwar auch andere dezente Marke, aber da greift die Prägung da wieder ein. Außerdem fahren Audi und BMW ziemlich viele. Dadurch sind sie einmal teurer in der Anschaffung – und zu prollig.

Aber warum ist es denn nun Elsa geworden? Elsa hätte auch ein Fiat sein können. Oder ein Opel. Oder ein VW. Oder Saab. Alles habe ich mir angeschaut. Fiat 126A, der mir dann doch zu klein war, Opel Rekord C, der zu schnell weg war, Golf 1 Cabriolet (was will man mit zwei Cabrios?) oder Saab 99, der leider zu teuer für den Zustand war. Ich habe keine Markenbrille auf. Ich habe gegen keine Marke eine Ablehnung. Es gibt nur ein paar Modelle, die ich nicht mag. Nissan Micra zum Beispiel. Die mag ich überhaupt nicht. Und einige neue Tumore, die auf den Straßen rumfahren. Auch von Volvo mag ich zwei Modelle nicht. Den 440 und den 460. Die langweiligsten Autos, die es gibt, meiner Meinung nach. Ein weißes Blatt Papier ist spannender. Gras beim Wachsen zuzusehen, ist auch spannender. Aber ein Glück sind Geschmäcker verschieden ;). Ich habe mir vor Elsa natürlich auch ein paar Volvos angeschaut. Eine Amazon (die habe ich schlichtweg verpasst), einen 940, der mir allerdings zu neu war und einen 480, der aber schon zu runtergerockt war. Elsa war ein passendes Angebot. Altes Auto, Arbeit dran, nicht zu weit weg, Preis stimmt – und Marke passt. Dass es Elsa geworden ist, ist schlichtweg Zufall, der rein zufällig passiert ist. Aber so passieren doch alle Zufälle, oder? Ich bin schon wieder ganz durcheinander… Gezielt nach einem Volvo habe ich nicht gesucht. Bevor ich Elsa bei mobile entdeckte, schaute ich mir eine Anzeige eines Mazda 1000 an, der ebenfalls in Dänemark stand. Nur weiter weg ;-).

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Nun bin ich froh, dass Elsa da ist.

Wollt ihr noch wissen, was ich noch so an ihr geschraubt habe, am 6. Tag der Restauration? Nee? Ja? Gut, dann zeig ich euch das mal.

Gut, soooviel geschraubt habe ich nun nicht. Ein wenig. Also doch schon ein wenig mehr als…wenig. Aber nicht so viel, wie viel. Also gerade ein wenig weniger, als viel. Also ein bisschen. Seid ihr verwirrt? Ja? Ich auch. Ich glaube, ich sollte zum Arzt.

Aber egal…

Am 07.09.2013 wurde ich einfach schon um Acht Uhr wach – ganz ohne Vorwarnung, einfach so – hellwach. Wiedereinschlafen nicht möglich. Und das an einem Samstag, an dem ich mal hätte ausschlafen können :-\. Egal – Elsa ruft! Also nicht wirklich. Sie hat nicht „LAAAAARS, du faule Sa…ähm…du netter Mensch! Komm‘ raus!“ gerufen – ich hatte nur das drigenden Bedürfnis an Elsa zu arbeiten ;).

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Was kann man also mit vier Böcken, einem Staubsauger, einem Teppichklopfer und frischer Regenluft anstellen? Genau – Sitze reinigen. Da haben von 1958 bis 1999 verschiedenste Hintern drauf gegessen. Danach haben sie noch 14 Jahren rumgestanden – sie sind also ziemlich eingestaubt und dreckig. Bah.
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Als erstes der Fahrersitz. Ein wenig kaputt ist er ja, an der Lehne. Macht nichts. Ich habe ja keine Augen an dem Körperteil, auf dem ich normalerweise sitze. Sauber könnte er trotzdem sein ;).
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Die Nachbarn, hätten wir welche, würden mir bestimmt danken – für den Krach, am Samstagmorgen. Ich sage nur soviel zur Reinigung: Ich habe ziemlich viel geniest.
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Staub. Ieh.

Sieht man einen Unterschied? Nee? Dann lasst es mich mal genauer zeigen.

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Also – unter den Schonbezügen, sahen die Sitze so aus. Einladend, oder? Findet ihr nicht? Würdet ihr euch da nicht sofort rauflegen und tief einatmen? Ja? Dann meldet euch mal lieber bei „Schöner Wohnen“ (oder sowas) an. Die Helfen euch.
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Und jetzt wird versohlt….also nicht die Allerwertesten von Schulkindern, wie es zur Schulzeit meiner Großeltern noch war, sondern die Sitze. Was die sich wohl dabei gedaht haben? Egal ;-).
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Uuuuund fertig – abgesaugt. Also nicht nur fertig abgesaugt, sondern auch so fertig. Warum ich sie jetzt schon sauber mache? Damit ich sie auf unseren Spitzboden legen kann. Dort stört sie niemand – und sie bleiben trocken. Und keine unserer vier Katzen setzt sich drauf. Hoffe ich.
Mich hat überhaupt gewundert, warum die Sitze soooo dreckig waren. Schließlich waren da ja Schonbezüge drüber. Einige Lagen. Jap – genau richtig. Einige Lagen. Hier:

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Die erste Lage besticht durch ein graues Grau mit roten Akzenten. Diese äußert modische Erscheinung wird zu Ihnen passen, wie die Faust ins Schlüsselloch Ihrer Haustür. Egal, was Sie für ein Fahrzeug fahren – sei es ein Ford Orion 1.6D, ein Fiat Panda oder ein Opel Astra – diese Sitzschonbezüge werden Ihrem depressiven Leben den letzten Kick geben.
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Sie mögen es lieber extravagant? Sie mögen es gerne rot? Dann haben wir genau das Richtige für Sie! Diese puffroten Rotlicht-Schonbezüge entsprechend bestimmt genau ihrem Geschmack. In Ihrer pinkfarbenen Corvette (die fälschlicherweise eine Rückbank hat – schauen Sie mal nach, wer Ihnen die da reingelegt hat!) oder ihrem knallgrünem GMC Van machen sich diese Schonbezüge bestimmt hervorragend. Finden Sie nicht? Gut, dann haben Sie Geschmack.

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Hier ist das Ergebnis unter den ganzen Lagen. Dreckig, vor allem vom aufgelöstem Schaumstoff der Puff-Schonbezügen, aber ganz. Da weiß ich sogar einen kleinen Tipp, damit das wieder besser aussieht…klopf…schlurf…

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Seht ihr den Chrom? Nein? Ich auch nicht, ehrlich gesagt. Er hat ein wenig gelitten, über die Jahre. Ich wollte ihn wieder aufpolieren – ging nicht. Politur weg. Tolle Wurst…

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…aber das ganze ist kein Armbruch (…oder Schädel- oder Beinbruch? Weiß der Geier.. ;-)) Das gibt ja noch genug zu tun. Zum Beispiel sowas hier. Entrosten. Den Fahrerfußraum.

Erstmal habe ich mit dem Spachtel Bitumen-Matten-Reste weggekratzt und dann auch noch die gummiähnliche Farbe. Die Bitumenmatte soll wohl dämmen (Bei einem 56-Jahre-altem Auto mit Dreiganggetriebe? Hihiii…) und die gummiähnliche Farbe zieht wohl eh Wasser an. Und ich bin so irgendwie kein Fan von Aquarien im Auto. Deswegen fahre ich mit Henkelmännchen, unserem 33 Jahre altem Golf 1 Cabriolet, auch nicht bei Regen – das Dach ist undicht. Im Fahrerfußraum gibt es keine Durchrostungen – das gefällt mir sehr. Nur halt Oberflächenrost. Um ein paar Sachen noch wegzubekommen, Flex mit Drahtbürstenaufsatz genommen und gib ihm! Diesmal Umdrehungen. Der Rost und die Bitumenreste sind gut weggeflogen. Nächstes Mal krempel ich vorher die Ärme vom Arbeitshemd herunter. Hätte ein paar kleine Schnittwunden erspart – man lernt eben dazu . Schutzbrille hatte ich aber auf. Das ist schon wichtig, denn ich möchte nicht, dass wir irgendwann ein Stück Elsa ins Auge fliegt. Ich seh doch eh schon so schlecht…:-D. Dann kam nochmal mein gelber Freund, der Staubsauger, zum Einsatz. Der schlürfte Staub, Sand und Rost weg. Hat er brav gemacht. Danach ging’s los mit der Rostschutzfarbe. Die ist von einem Disconter – und trotzdem ziemlich gut. Damit hat mein Vater die Achse unseres Hänger gestrichen – kein Rost mehr dran. Dann auch die Fenster in unserem Carport – auch kein Rost. Wie es fertig aussieht? Wartet doch erstmal, Mensch. Muss doch erst trocknen…

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Was tun, wenn eine Baustelle trocknet? Verzweifelnd und schreiend wegrennen? Sich in’s Haus setzen und Wohnungstausch (oder so) schauen? Nö – nächste Baustelle anfangen…ich hab da ja noch so einen Kühlergrill. Der ist schon recht betagt. Der könnte eine kleine Auffrischung gebrauchen.  Zuerst habe ich das Gitter aus dem Schrottkühlergrillrahmen ausgebaut. War nicht so schwer, da, wo die Schrauben festsaßen, war der Rahmen durchgerostet, war also einfach ab dafür…und damit!
Um wenigstens das Gitter noch zu retten, habe ich mich entschieden, es neu zu lackieren. Ich habe keine Ahnung, ob der original verchromt gehört – mir auch egal, ehrlich gesagt.

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Ich habe ihn angeschliffen und dann erstmal grundiert. Die Beulen, Risse und Dellen habe ich dringelassen. Ansonsten hätte ich mir eh gleich ein neues Gitter besorgen können. Nur, dass das hier nicht noch zusätzlich etwas gekostet hat.

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Lackiert habe ich mit Felgensilber und einem Tick Silbermetallic. Und wenn ich ehrlich bin, glänzt es mehr, als ich dachte. Aber das macht nichts – die Oberfläche ist nicht glatt und im Gegensatz zum Chromgrill wird es wohl matter wirken. Bis auf ein wenig Mühe ist da nicht noch mehr Geld reingeflossen. Davon habe ich ja schließlich auch nicht so viel.Außerdem brauch ich noch einen neuen Rahmen. Also…einen neuen, gebrauchten Rahmen.
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So – der Grill muss nun auch trocknen. Wat machen wa nu? Beim Rumschauen habe ich die beiden Bleche entdeckt. Als ich eines nach dem Fotografieren mir genauer anschaute, und es mir aus der Hand rutschte, fing ich es mit den Armen auf – hat ein paar Armhaare gekostet. Wäre vielleicht eine Marklücke, wieviele Rasierklinge man da wohl rausbekommt? Die sind natürlich selbst angefertigt. Alles andere ist teuer.

Mochtet ihr eigentlich das Bild vom glänzendem Grill? Ja? Ihr wollt noch mehr glänzenden Lack? Okay – sollt ihr haben. Hier:

comp_comp_FILE0737Ich hab das Armaturenbrett poliert. Der Lack gefällt mir immer besser. So wird Elsa schlussendlich auch wieder lackiert werden. Die Farbe muss bleiben. Passt zur alten Dame. Haben Hörgeräte nicht auch eine ähnliche Farbe?

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So – und hier ist der Rest, der frischen Farbe. Der Fahrerfußraum. Toll, nä? Das wird erstmal halten :-).

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Das ist übrigens der Schlüssel, der mich irgendwann vielleicht mal unterwegs bringen wird. Ganz ohne Schnickschnack. Ohne ausklappbar. Und ohne Fernbedienung, und so.
Einfach ein Schlüssel.
Vermisst ihr manchmal auf das „Einfache“ im Alltag?

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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