Pass auf! Wasser ist nass!

Diese Erkenntnis habt ihr bestimmt schon einmal gehabt. Wasser ist nass. Achnee?

Wie ich darauf komme? Ich war heute einkaufen. Nagut, dass ist nun nicht so speziell. Das einzig Spezielle an der ganzen Sache: Es soll ein Geburtstagsgeschenk sein. Das Internet ist ja schön und gut. Ich kann mir meinen geistigen Abfall von der Seele schreiben, ihr lest mehr oder weniger interessiert mit. Und man kann sich bei mobile.de oder autoscout24 den nächsten Traumwagen raussuchen. Man muss ihn ja nicht mal kaufen. Man kann sich auch drüber aufregen, dass der neue Doppelwobbelbobbel-Burger schon wieder um acht Cent teurer geworden ist – aber man kann auch prima lustige Geburtstagsgeschenke kaufen. Das Doofe ist nur, dass man sich dabei auf den Versand verlassen muss. Und der klappt nicht immer. Diesmal liegt es nicht am Zusteller, sondern am Verkäufer. Du liest hier mit? Beeil dich, man! Obwohl… nun ja nicht mehr, darum soll es nun gehen.

Was tun, wenn das vor zwei (!!) Wochen bestellte Geschenk nicht rechtzeitig ankommt? Den Verkäufer telefonisch anmeckern, dass er sich beeilen soll? Habe ich gemacht und inzwischen ist es auch unterwegs. Allerdings kommt es nicht mehr pünktlich an. Das Geschenk muss morgen parat sein. Panik schieben? Ist eine Möglichkeit. Man kann immer schreiend durch das Dorf rennen und ganz laut „Schei…“ ähm, nein, natürlich „Schade! Es kommt nicht mehr an! Schade! Es kommt nicht mehr an! Schade! Es komm…“ – ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden, was man hier schreien soll. Ob das hilft ist ja nun mal etwas komplett anderes. Und es wird nicht helfen. Das Flugzeug der gelben Poststeller wird dadurch nicht schneller fliegen. Der Zusteller-Caddy oder -T5 wird aber trotzdem bis zum Anschlag im ersten Gang gedreht. Aua.

Naja. Also, was mach ich nun?

Es regnet in Strömen, in meinem Tank schwappen nur noch ein Viertel von dem teuren Treibstoff, der da sonst reinpasst, die Scheibenwischer wischen im Takt den Regen von meiner Frontscheibe und das Radio dudelt leise vor sich hin. Meine nette Begleitung auf dem Beifahrersitz summt nur leise mit – aber ich kann ihr summen hören. Und Plan: Das Geschenk in einem Laden zu kaufen, wo ich es vor ein paar Monaten mal gesehen habe. Warum ich nicht gleich hingefahren bin? Ich dachte, ich könnte das Spritgeld sparen. Entschuldigung. In Zukunft werde ich wieder Ladenbesitzer unterstützen, die auch noch Ladenmiete zahlen müssen. Und ich denke mal, dass St. Peter-Ording nicht gerade ein günstiges Pflaster für Ladenmiete ist.

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ein großer Parkplatz – und kein Regen.

Während wir so über die teils doch recht kaputten Straßen mit gemäßigten neunzig Stundenkilometern fuhren und mein Alltagselch äußert zufrieden schnurrte, war ich sehr zufrieden, dass ich in einem geschlossenem Auto sitze. Unser Cabrio – es ist ja schon ein wenig älter – ist nicht mehr so ganz wasserdicht. Mein Alltagselch ist wasserdicht – und warm. Puuuh! Aber wenn die Mitfahrerin friert, mag man ja nicht die Heizung runterdrehen. Gnah…

In St. Peter-Ording angekommen, ging es an die Parkplatzsuche. Zur Hauptsaison kann man kaum Parkplätze bekommen. Heute fand ich auf Anhieb einen. Prima! Der Gang zum Parkscheinautomaten – wie üblich mit einem fünfzig-Cent-Stück in der Hand – war eigentlich umsonst. Ein Euro und fünfzig für eine Stunde Parken? Waaaas? „Noch 1€ zum Mindestbetrag.“ Nein. Nicht mit mir. Abbruch drücken und Abbruch des Parkens hier. Viel zu teuer. Also durch die Shopping-„Meile“ – dort gibt es an den Seitenstreifen kostenlose (und begehrte – warum wohl?) Parkplätze. Und – YES! – hinter einem Picanto war noch ein ausreichend großer Parkplatz für mich. Ausgestiegen, Spiegel eingeklappt, abgeschlossen und zum Einkaufen gegangen.  Achja – im Sommer kann man übrigens auch prima am Strand parken. Allerdings ist das auch ein wenig teurer…

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Scheibenwischer an.

Die letzten Tage sind wir verwöhnt gewesen. Sonne, Wärme, keine Wolke am Himmel. Wir sind schon einige Kilometer offen gefahren. Heute….. heute bin ich, wie gesagt, froh, dass wir es nicht getan haben. Regen. Nass.

Der Weg zum Laden hin war sogar okay, es hat nur ein wenig stärker genieselt. Auf jeden Fall besser als dieser feine, fiese Fieselkram. Der Weg zurück hingegen war gemein. Kalter, scharfer Wind von vorne, der mit dem viel stärker geworden Regen von vorne mir an die Stirn und in die Haare und in das Gesicht und in die Augen peitscht. Über den Rand der Brille hinweg. Was soll das? Und wo habe ich die Kapuze meiner Winterjacke? Natürlich nicht dran. Die liegt zu Hause. Und da liegt sie gut. Wird sie wenigstens nicht nass. Die seidenweiche (nicht wirklich 😉 ) Haut meines Gesichtes wird kalt und nass und rot. Ich mag Regen eigentlich. Bei Regen spazierengehen mag ich gerne – und ich höre beim Einschlafen auch gerne dem prasselndem Regen zu, der auf das Carportdach trommelt. Aber nicht diese Art von Regen. Die fiese Art von Regen, die sich in meinem Gesicht anfühlt, als würde Einer mit kleinen Steinen drauf herum zimmern. Und rundherum überall sich freuende Menschen mit Regenschirmen – ich freue mich mit ihnen. Die werden nicht nass. „Was läufst du denn so schnell?“, kam es sarkastisch von meiner Beifahrerin. Ja. Warum wohl? Ick werd nass, Mönsch!

Im Auto angekommen, kommt das Problem eines jeden Windschutzscheiben-für-Menschen-Träger, zu denen ich mich auch zählen. Die Brille ist nass. Taschentuch? Nicht dabei. Pullover? Viel zu grob.

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Gesprenkelt. Und kalt.

Also mal nach einem Handtuch suchen, dass hier immer irgendwo in meinem Auto rumfliegt (Seit wann ist das da drin? Und vor allem…warum?) – ach, da isses. Und der Blickt ist wieder frei. Warum ist meine Hose eigentlich zu lustig gesprenkelt? Achja. Es regnet draußen. Hätte ich schon fast wieder vergessen. Und irgendwie werden meine Beine kalt. Aber egal. Die Heizung ist ja eh noch warm genug eingestellt. Dann mal los!

Mit dem Geschenk auf dem Rücksitz und ein wenig mehr oder weniger gute Musik im Ohr (Warum sind Radiomoderatoren eigentlich nur morgens so nervig?) ging es dann wieder in Richtung Heimat. Meine Haare, die aussahen, als wäre ich (wieder) zum Gel-Verwender geworden, trocknen langsam. Ich benutze schon ewig kein Gel mehr. War ich dreizehn, als ich mir das letzte Mal das Haar gegelt habe? Ich glaube.

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Leer. Also… nicht los.

Irgendwie ist es hier heute ziemlich leer. Also nicht Leer – die Stadt, sondern leer – nichts los. Ist doch komisch? Ansonsten ist hier auch immer so viel los. Vielleicht liegt es auch daran, dass…

a) … es regnet.
b) … es Anfang April ist.
c) … es kalt ist.
oder d) Alle noch arbeiten sind.

Was ist das Schülerleben doch toll!

Zumindest können wir uns nun, während ich meinen Alltagselchen hier mit dreißig durch die leere Einbahnstraße fahre, die ganzen Hotels und Ferienhäuser anschauen. Manchmal, wenn man ewig weit fahren muss, um etwas zu kaufen, verfluche ich das Landleben. Aber eigentlich liebe ich es. Wenn ich nicht irgendwann müsste, wollte ich nicht aus Norddeutschschland weg. Es ist schön, trotz Regen und Wind. Der härtet auch nur ab. Ich glaube auch, dass ich schon genügend Bilder hier gezeigt habe, die zeigen, wie toll Dithmarschen ist. Wie toll Norddeutschland ist.

Aber hey – was steht denn da?! Mein Anhalten am rechten Fahrbahnrand sorgt für Verwunderung auf dem Beifahrersitz „Warum hälst du…“ – DA! Ein Citroen CX!

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Gammelig, fahrbereit – und ALT!

Ein Auto für Individualisten. Ein Auto mit hydropneumatischer Federung. Ein Auto, was ich auch gerne mal fahren würde, weil es mir gefällt. Dieses Exemplar hat zwar frischen TÜV, sieht aber ansonsten recht rattig aus. Rost hier, Beulen da, fehlende Zierleiste dort. Hm. Prima. Genauso würde ich ihn fahren! Dann würde ich ihn nicht nur auf dem Parkplatz wiederfinden, ich würde ihn dann auch fahren. Der Besitzer hat das Licht angelassen. Ich hoffe, dass Auto erzählt ihm das nicht mit einem „ouiouiouiouioui-Non!“. Aber darauf warte ich nun nicht.

Mit meinem nicht-ganz-so-individualistischem Lifestyle-Hollandkombi, über den Citroen CX ein wenig erzählend und damit meine Beifahrerin ein wenig langweilend, fahren wir nach Hause. Nach kurzer Zeit merke ich, dass ich anscheinend eine Person ohne Benzin im Blut neben mir sitzen habe. Also wird das Thema gewechselt und wir singen beide mehr oder weniger textsicher zu den Oldies, die mein Radio an unser Ohr schallt.

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Schau mal schlauer…man, man, man…

Okay. Das kluge Gucken muss ich echt noch üben. Wollte ich gerade etwas sagen? Keine Ahnung. Vielleicht wollte ich auch singen.

Oder ich habe noch an den abgeranzten CX gedacht, an mein Konto, dass dafür nicht reicht oder an den Regen, der von vorne gegen meine Windschutzscheibe prasselt und von den schön funktionierenden  Scheibenwischern zur Seite gebracht wird.  Ich weiß es nicht. Ich schau auf jeden Fall nicht schlau.

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Regen, Lenkrad, Arme.

Aber es geht – egal ob mit schlauem oder doofen Gesichtsausdruck – in dem heizendem Fahrgastraum meines Alltagselchen nach Hause. Wie schnell einem wieder warm wird – und wie schnell wieder die Haare trocknen. Vor ein paar Tagen (war es nicht sogar vor fast genau einer Woche?) habe ich meinen Alltagselchen das letzte Mal auf Vordermann gebracht. Und man riecht es noch immer – der Innenraum riecht frisch nach Zitrone und guter Luft. Das mag ich. Ja… *schnupper* – das mag ich! Ich mag auch den Geruch von Neuwagen. Aber das ist mein Auto ja seit fast elf Jahren nicht mehr. Aber dafür ist er Meiner. Und bleibt Meiner.

Schläft meine Begleitung schon? Nein. Sie schaut aus dem Fenster und meint, dass sie froh sei, im Auto sitzen zu können. Das bin ich auch. Ich möchte die Strecke bei Regen nicht laufen.

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Wasser.

Nanu? Was ist das denn? Mein V40 verlangt nach Scheibenklar, aber nur in Rechtskurven. Da habe ich wohl heute ab und zu ein wenig zu viel gesprüht, wenn sich auch noch ein paar Matschpartikel mit auf die Scheibe geworfen haben. Aber das ist kein Problem, Scheibenklar soll er bekommen. Das brauch ich fast so viel wie Sprit. Ich hasse dreckige Scheiben. Aber das ist ein ganz anderes Thema…

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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