Sonntagsfahren.

Nein, nein, nein. Ich habe mich nicht in den Rentnermodus versetzen lassen.

comp_comp_SAM_6385Aber ohne Hut und Mercedes und Zigarre. Aber dafür mit einem alten Auto.

Batterien aufladen. Zeit genießen. Wie macht man das eigentlich, wenn man einen Sonntagnachmittag Zeit hat? In den Urlaub fahren ist so an einem Nachmittag eher schlecht. Auf Spazierengehen hat man keine Lust (viiiel zu anstregend 😉 ), aber so eine Tour machen und irgendwo ein Eis essen. Das wäre schon was.

comp_comp_SAM_6367Genau das dachte ich mir heute morgen auch. Mein Herz schlug nach einem kleinen, alten Auto, dass irgendwo in Dithmarschen in der Garage meiner Oma stand. Die Sonne lachte so herunter und das Salz war von der Straße schon weg. Krasse Woche. Vor fünf Tagen sah mein Alltagselch noch so aus, als hätte ich ihn eingeschäumt. Wie kommt sowas?

comp_comp_SAM_6379aHeute Morgen habe ich mir also die Schlüssel und die Papiere von Henkelmännchen geschnappt und bin zu Oma gefahren. Als ich dort ankam, hatte Oma schon mal die Garage aufgemacht. Henkelmännchens Hintern hatte sich von der Sonne schon aufgeheizt. Oma kam raus und war auch ganz neugierig, ob Henkelmännchen nach einem halben Jahr (Wir hatten noch nicht einmal die Batterie abgeklemmt) überhaupt anspringen würde. Das war ich aber auch!

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Nach etwas Orgeln sprang er aber dann sofort an. Und machte Spaß. Die Sonntagstour konnte also losgehen! Naja, also fast. Erstmal sollte es nach Hause gehen. Meine Eltern wollten nämlich auch mit. Früher haben wir immer viele Sonntagstouren gemacht. Da ging es im Passat mal an den Nord-Ostsee-Kanal oder mal nach St. Peter-Ording. Dort gab es dann ein Eis oder wir gingen spazieren und es ging wieder zurück. Das hatten wir heute auch mit Henkelmännchen vor.

comp_comp_SAM_6394aDie Fahrt nach Hause habe ich total genossen. So ein altes Auto fährt sich halt doch ganz anders. Kein Piepen beim Rückwärtsfahren. Keine Servolenkung. Kein Airbag, dafür aber ein großes Lenkrad. Kein elektronisches Gaspedal, sondern einfach ein Gaszug zum Vergaser. Vergaser, keine Einspritzung. Fensterkurbeln, keine elektrischen Knöpfe. Ich liebe es, wenn ein Auto mechanisch funktioniert. Da stört mich kein Klappern und keine Windgeräusche. Aber das fehlende Radio. Das stört mich schon ein wenig. Ich mag Musik so gerne.

comp_comp_SAM_6388Eigentlich war unser Ziel der Reise die Theodor-Storm-Stadt Husum. Also sind wir mit unserem Schimmel -mit unserem Cabrio dorthin geritten gefahren. Wenn man nicht gerade die B5 benutzt, sondern über Oldenswort und Simonsberg fährt, kann man auch noch die Landschaft genießen. Die Straßen dort sind zwar echt kaputt, aber das hindert einen am Rasen. Ich hätte vielleicht mal anhalten können, um Fotos zu machen. Das Bild mit dem Überrollbügel ist echt nicht so toll ;-).

comp_comp_SAM_6391sGut, in Husum hatten wir noch keinen Appetit auf Eis. Es ging also weiter nach Friedrichsstadt. Warum auch nicht? In Klein-Venedig war heute viel los! Das Antiquitäten-Geschäft hatte Schautag, der Eisladen lief mit Menschen über und überall waren Fußgänger. Als ich nach dem Einparken ausstieg, hielt ein tiefergelegter Audi A3 mit einem riesigem Bodykit neben mir an. „Ey, coole Karre!“, meinte der Fahrer, der seine Mütze falsch herum aufhatte. „Gleichfalls“, wollte ich erwiedern, aber das ging mir nicht über meine Lippen.

comp_comp_SAM_6390Das Eis gab es aber dann doch noch für uns alle. Das war ja auch so anstregend, die Kilometer im Auto zu sitzen – da hat man sich schon eine Belohnung verdient.

comp_comp_SAM_6396aAuf der Heimfahrt haben wir dann die Landschaft weiterhin genossen. Henkelmännchen lief wie eine Nähmaschine. Kein Verschlucken, keine Aussetzer – nur der Lüftermotor von der Heizung quietsch ein wenig. „Henkelmännchen lacht, dass er wieder fahren darf!“, meinte meine Mutter. Es hörte sich tatsächlich an wie ein Lachen. Ob ein Auto irgendwo doch eine Seele hat? Und sich freut nach einem Winter in der Garage wieder an die frische Luft zu dürfen?

comp_comp_SAM_6406aHenkelmännchen musste ich dann leider enttäuschen. Nach einem Ausflug von fast 160 Kilometern kam er wieder in die Garage und wurde wieder abgedeckt. Noch ist das Wetter etwas zu unbeständig, als dass Henkelmännchen schon dauerhaft nach Hause darf. Aber bald. Nächsten Monat. Und dann wird wieder mehr ge-Golf-t. Ich freu mich schon!

Verabschiedet hat sich der Abend dann mit einem tollen Sonnenuntergang, als ich wieder comp_comp_SAM_6407alles in meinen Alltagselchen packte und mich wieder auf den Weg nach Hause machte. In einem neuen Auto. Mit einem Airbag und Servolenkung. Mit ABS und elektrischen Fensterhebern. Mit Radio.
Und einem Wackeldackel und einem Hut auf der Hutablage. Sonntagsfahrer?!

Fahrt ihr gerne mal „einfach so“? Zum Eis essen? Wohin denn? Und womit?

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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3 Antworten zu Sonntagsfahren.

  1. marcrudin sagt:

    Au ja, so Sonntagsausfahrten sind schön!
    Sei es zum Verwandtschaftsbesuch im alten Gefährt üner Land oder eben zum Eisessen 🙂

  2. Pingback: Mal kurz eben in die Saison starten | Ein Leben mit Benzin im Blut

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