Dieselgate – haben wir keine anderen Probleme?

Diesel. Seit Monaten sind Dieselmotoren in den Schlagzeilen. Muss ja auch mal sein.

comp_comp_SAM_1786aHier einmal meine ganz subjektive Meinung zu dem ganzen Dieselquatschkram.

Nagelnagelnagel. Das Geräusch eines Dieselmotors gehörte für mich lange zum Autofahren dazu. Eigentlich die ersten 13 Jahre meines Lebens. Meine Eltern fahren Pass0at32bVariantDiesel1nämlich schon ziemlich lange Diesel. 1986 machte der inzwischen nicht mehr existente VAG-Händler meiner Eltern ein gutes Angebot. Ein Renault und ein Opel gingen, ein neuer Passat Variant Diesel kam. Diesem Passat folgten weitere sechs Passat Diesel, irgendwann kam auch mal ein Golf dazwischen. Nach einigen Autos schaute ich dann auch auf einmal von meinem Kindersitz auf der Rückbank aus in die Weltgeschichte und ließ mich manchmal vom Diesel in den Schlaf brummen.

„Der Diesel stirbt aus“, schrieb das Handelsblatt. Hm. Klar. Diesel-Skandal. Das liest und hört man ja fast nur noch. Selbst an der Tankstelle wurde ich schon comp_comp_SAM_1641akonfrontiertiert, als ich meinen alten Golf Kombi tankte. VW Diesel wären ja verboten und wie ich bloß noch ein gutes Gewissen haben könne. Ich wusste da keine richtig gute Antwort und konnte auch nicht wirklich etwas mit der Situation anzufangen. Ich fahre einen Diesel, weil ich jeden Tag 250 Kilometer fresse (und dabei irgendwie nicht dicker werde…). Bei der Kilometerleistung und mit meinem Budget ist es da schon wichtig, auch auf den Verbrauch zu achten. Mein Golf ist sparsam. Knapp über fünf Liter auf einhundert Kilometer braucht er, wobei ich manchmal gestresst nicht unbedingt sparsam unterwegs bin. Dazu hat er (und das hat ein Auto mit Gas-Antrieb geschlagen) eine Reichweite von um die 1100 – 1200 Kilometer. Ich muss also nicht jeden zweiten Tag zu einer Tankstelle gurken, sondern meist nur einmal in der Woche. Ich bin ziemlich zufrieden. Mein Golf auch.

Aus den gleichen Gründen fahren meine Eltern Diesel. Momentan einen Passat Variant 2.0 TDI BlueMotion von 2012. In vier Jahren hat er zuverlässig, sparsam comp_comp_SAM_1785aund komfortabel über 120 000 Kilometer abgerissen. Sogar so zuverlässig und sparsam und komfortabel, dass meine Eltern sich zum ersten Mal entschieden haben nicht nach den typischen 100 000 Kilometern ihr Auto zu verkaufen. Wie aus den Medien bekannt ist, soll dieses Auto aber ein böses Auto sein. Ein ganz böses Auto sogar. Die ganze Thematik kaue ich aber nicht noch einmal durch. Es gibt im Internet genug Artikel und bei YouTube genug Videos dazu. Aber seit es zum „Diesel-Skandal“ gekommen ist, sind auf einmal alle Diesel bäh. Alle. Ungefähr so, als wäre man zum ersten Date ungeduscht und stinkend angekommen. Da wird man garantiert auch gleich abgestempelt.

Abgase. Damit hat der Dieselmotor so ein wenig zu kämpfen. Ob Rudolf Diesel daran gedacht haben mag, als er seinen Selbstzünder entwickelt hat? Die Entwicklung comp_comp_SAM_1787adieses Motors lief etwas stockend von statten und Herr Diesel musste damals auch einige Rückschläge in Kauf nehmen. Aber er schaffte es. Wen das interessiert, der kann sich ruhig einmal die Biographie von Rudolf Diesel und die Entwicklungsgeschichte des Dieselmotors durchlesen. Wirklich richtig interessant! Die richtige Blütezeit seiner Erfindung erlebte Rudolf Diesel übrigens nicht mehr. Es ist bis heute unklar, wie er über Board des Schiffes „Dresden“ gegangen ist.

Der Dieselmotor zog aber aufgrund seines besseren Wirkungsgrads schnell auf die Überholspur. Also.. das war nun nur eine Metapher. Bevor die Turbodiesel Einzugcomp_comp_FILE0005a hielten, wurden die Diesel eher überholt. 1936 gab es mit dem Mercedes W138 und dem Hanomag Rekord die ersten Diesel-PKW. Die „OelMotoren“ bei Mercedes starteten auch nach dem Krieg mit dem 170er Mercedes weiter durch. Ponton, Heckflosse, Strichachter und alle Nachfolger ließen sich als Diesel immer gut verkaufen. Nicht nur an Landwirte und Taxifahrer. VW brachte in den siebziger Jahren den ersten Golf Diesel heraus, der heute noch extrem sparsam zu fahren ist. Auch die Dieselmotoren von Peugeot (Ein Peugeot 504 Break Diesel – das wäre es irgendwann mal!), Citroen und Renault führten mit ihrer Unverwüstlichkeit zum guten Ruf des Dieselmotors. Sparsam, robust und nicht nur für LKW und Schiffe geeignet.

Die Abgase von einem Dieselmotor sind aber nun nicht unbedingt gesund. Sandmann fragte sich auch schon mal, ob sein Auto krebserregend sei. Hier, comp_comp_SAM_1788aunbedingt mal lesen: Klick! Beim Verbrennen von Diesel entsteht Ruß. Und Ruß ist krebserregend. Das wissen wir aber schon seit ein paar vielen Jahren. Und es anscheinend tatsächlich so. Am Nord-Ostsee-Kanal, über den ich jeden Tag hinwegdiesel (oha!) gibt es mehr Krebserkrankungen als an anderen Stellen meiner Heimat Dithmarschen. Klar, die großen Pötte laufen auch fast alle mit Diesel oder Schweröl. Und die Verbrennung erzeugt Ruß. Und Ruß Krebs.

Eigentlich also ein Grund zum Schämen. Ein Diesel. Sollte ich mir doch lieber ein Elektroauto kaufen und meinen Golf in die ewigen Jagdgründe schicken? Damit comp_comp_SAM_1774awenigstens mein Gewissen reiner ist als die Abgase meines Autos? Ich denke nicht. Denn auch, wenn der Dieselmotor momentan der Sünder schlechthin ist  – Elektroautos sind meiner Meinung nach kein Stück besser, was die Umweltbilanz angeht. Die Herstellung von Elektro- oder Hybridfahrzeugen ist nämlich leider überhaupt nicht wirklich umwelt-freundlich. Natürlich wächst kein Auto am Baum – auch neue Dieselfahrzeuge werden produziert. Aber Hybrid- und Elektrofahrzeuge haben da noch so ein paar Probleme. Die Batterien. Die Dinger sind nämlich eigentlich ganz schöne Umweltkiller. Neben Lithium, Blei und Nickel ist in den Batterien von Elektro- oder Hybridautos nämlich auch Neodym. Die Herstellung von  Neodym ist sogar ziemlich giftig, trotzdem werden aber oft Abfallstoffe in das Grundwasser geleitet. Schon echt grün, so Elektroautos. Das Betreibe ist halt nicht alles. Marc schrieb bei Autosleben heute auch einen Bericht über diese Thematik. Hier: *Zack* könnt ihr ihn nachlesen.

Die einzig für mich mit guten Gewissen vertretbare Alternative zu Otto- und comp_comp_SAM_4414Dieselmotoren ist für mich die Brennstoffzelle. Hyundai hat sogar schon einen Wagen in Serie, den man kaufen kann. Vor ein paar Jahren hatte ich sogar einmal die Möglichkeit eines dieser Fahrzeuge zu fahren. Es hat mich echt begeistert. Eine Reichweite fast wie ein normaler PKW, man betankt das Fahrzeug ganz normal und man ist auch nicht auf Atom- oder Kohlestrom aus der Steckdose angewiesen. Nachteile? Das Tankstellennetz. Aber ich hoffe sehr, dass es sich in den nächsten Jahren noch ändern wird. Zumindest fahren in Hamburg ja bereits Busse mit Brennstoffzellen herum – und es gibt sogar schon eine oder zwei Tankstellen. Es geht also schon einmal in die richtige Richtung. Finde ich.

Habe ich  nun also ein schlechtes Gewissen, wenn ich mit meinem Auto durch die Gegend diesel? Nein. Eigentlich nicht. So lange sich Leute alle halbe Jahr ein neues Handy kaufen, jedes Jahr ein anderes Auto bestellen und leasen, ihren Coffee-to-go-comp_comp_SAM_1148aBecher  und ihre Plastiktüten in die Gegend schmeißen, ihre Fernseher und alte Computer am Straßenrand entsorgen und ihre Klamotten und Lebensmittel natürlich echt günstig haben wollen, kann ich auch mein Rußgerät ohne schlechtes Gewissen durch die Gegend bewegen. Denn so schlecht für die Umwelt ist er gar nicht. Auch erst ist mit seinen 15 Jahren und 220 000 Kilometern schon über die eigentliche Lebenserwartung eines Autos hinweg. Und so, wie er den Eindruck macht, wird er es auch noch ein paar Jahren durchhalten. Und wer weiß, wie bis dahin die Wasserstofftankstellen ausgebaut wurden?

Dieser Dieselskandal ist meiner Meinung nach nur Ablenkung. Ablenkung von den richtigen Umweltsünden da draußen. An denen sind meist nicht die Autos Schuld. Ich bin echt gespannt, wann es zum Müll-Gate, Kinderarbeit-Gate oder Chemie-Gate kommt. Kommt es ja eigentlich täglich. Aber es ist ja weit weg. Und was interessiert uns, was ganz weit weg passiert?

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
Dieser Beitrag wurde unter Der redet doch nur Blech!, Dieseliges Arbeitstier veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Dieselgate – haben wir keine anderen Probleme?

  1. marcrudin sagt:

    Lars, Du sprichst mir damit aus dem Herzen!
    In diesem Sinne wünsche ich Dir speziell mit dem Wolfsburger TDI weiterhin viel Spass und „Gute Fahrt“ ums mit den Worten des Hausblattes von VW zu sagen. 🙂

  2. turboseize sagt:

    Die Alternative zum Dieselmotor ist der katalysierte Ottomotor – mit Saugrohreinspritzung. Wenn man es auf die Spitze treiben will mit Ethanol befeuert. Dann kommen nämlich wirklich nur noch Wasserdampf und CO2 aus dem Auspuff.

    • Einen Ottomotor mit Kat und Saugrohreinspritzung habe ich ja sogar. Nur E10 habe ich bisher nur zwei Mal getankt. Da war ein deutlicher Mehrverbrauch vorhanden. Wobei ich glaube, dass das Zeug eigentlich gar nicht so schlimm ist für die Motoren. Ich habe mal mit einem Volvo-Meister gesprochen, der nur E10 tankt – auch in seine Oldtimer. Er war total begeistert.

      Schöne Grüße
      Lars

      • turboseize sagt:

        Mehrverbrauch bei e10 aufgrund des geringeren Energiegehaltes von Alkohol ggü Benzin: 3-4%.
        Maximal! Und das bezieht sich auf e10 gg e0. Beim Vergleich e10 gg e5 hat man folglich 1,5-2%.
        Wie hoch der tatsächliche Mehrverbrauch ist hängt von zwei Dingen ab: wie schlau das Motormanagement ist (e10 hat – nicht immer, aber oft – eine etwas höhere Oktanzahl, 96-97, was unter Umständen durch aggresivere Frühzündung Effizienzgewinne bringen und den geringeren Energiegehalt kompensieren kann), und unter welchen Bedingungen das Fahrzeug genutzt wird. Bei winterlichem Kurzstreckenbetrieb kann der Mehrverbrauch deutlicher sein – Ethanol kondensiert schneller, der Kraftstoffeintrag nimmt dann zu.

        Wenn man nicht vorwiegend Kurzstrecken fährt, dann dürfte sich der Mehrverbrauch mit e10 im Bereich der Meßungenauigkeit bewegen.

  3. Hallo, der Artikel zum „Dieselquatschkram“ greift ein bisschen sehr kurz, meine ich. Denn:

    Der Aufruhr richtet sich doch wohl auch und ganz besonders gegen die Hersteller, die ganz bewußt einerseits ihre Kunden täuschen und andererseits auch den Gesetzgeber, der bestimmte Vorgaben – hier Abgaswerte – an eine Betriebsgenehmigung knüpft, der den Herstellern die Einhaltung dieser Werte unterstellt und der im Gegenzug von eben den Herstellern ganz bewußt
    mittels trickreichen Motormanagements vorgeführt wird – und das in ganz großem Stil und weltweit. Und das widerfährt dann zwangsläufig auch jedem einzelnen – gutgläubigen – Kunden, sprich Dieselfahrzeug-Käufer und -Fahrer.

    Soll man das etwa mit dem Attribut „Dieselquatschkram“ als erledigt betrachten?

    Ich finde, diese Unehrlichkeit, die noch dazu aus reinen Profitgründen, und nicht aufgrund Inkompetenz von Ingenieuren entstand, verdient es, angemessen sanktioniert zu werden, u.a. auch wegen der gesundheitlichen Implikationen und, um einen Lern- und Abschreckungseffekt für etwaige zukünftige oberschlaue Ambitionen zu erreichen.

    Gruß
    Carlos

    • Hey Carlos!
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe schon darauf gewartet, dass ein Kommentar über die Thematik kommt. Ich habe es ja auch geschrieben, um die Diskussionen anzuheizen ;-).

      Klar – verschiedene, viele Autohersteller habe ihre Kunden und Behörden getäuscht. Sie haben gelogen. Aus verschiedenen Gründen, auf verschiedene Art und Weisen, die momentan wohl niemand wirklich kennt. Meines Wissens nach sind bisher alle annehmbare Fakten irgendwo doch wieder Spekulationen. Spekulationen mag ich hier aber nicht verbreiten – deshalb meine Verweise auf Dokumentationen bei YouTube und Artikel im Internet, die das Thema behandeln. Journalisten haben einen ganz anderen Zugang zu den Daten als ich kleiner Blogger, der hinterm Deich an seinen Autos schraubt. Ich kann auch nicht über Bestrafungen urteilen – ich habe kein Jura studiert und weiß selbst dazu zu wenig handfeste Informationen über die Thematik.

      Mit Dieselquatschkram – was ich auch hoffentlich deutlich genug betont habe – meine ich den Rattenschwanz, der hinterher gezogen wird. Diesel gelten auf einmal als Südenböcke. Das finde ich nicht in Ordnung und zum Großteil einfach nur Quatsch. „Umweltschützer“ hängen dem Diesel Dinge an, die schon echt weit entfernt von der Realität sind. Darum geht es in diesem Artikel ;-).

      Schöne Grüße und ein wunderprima Wochenende
      Lars

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.