Auf Schnäppchenjagd – Teilemarkt in Brokstedt 2016

In Rost herumwühlen, Trödel schauen und immer ein Auge auf Schnäppchen.

comp_comp_sam_3931An diesem grauen Sonntag habe ich so die Oldtimersaison vorerst ausklingen lassen.

Ein grauer Sonntag. Der Nebel liegt schwer und dicht auf den Feldern, Straßen und Seen Dithmarschen. Auch der Nord-Ostsee-Kanal ist von der Autobahnbrücke der A23 nicht zu sehen, als ich in Richtung Süden drüber fahre. Nicht einmal die gelben Leuchten an den Ufern des Nord-Ostsee-Kanal. Gar nichts ist zu sehen. Nur eine weiße Wand, die mich aber nicht aufhält in Richtung Brokstedt zu fahren.

Brokstedt? Sagt euch nichts? Muss es auch nicht. Vor allem, wenn ihr nicht im Norden wohnt. Oder Oldtimer mögt. In Brokstedt gibt es nämlich ein paar Mal im Jahr einen Oldtimerteilemarkt. 2014 war ich erst einmal da, dann noch ein zweites Mal im Herbst. Im April 2015 kam dann sogar meine Mutter mit und holte sich matschige Schuhe. Das erste Mal war ich so richtig vor einigen Jahren da. In einem silbernen Mercedes, auf der Rücksitzbank. Ich glaube, ich war 13 oder 14. Dieses Jahr saß ich hinter dem Steuer. Auf dem Beifahrersitz mein Vater und auf der Rückbank meine Mutter. Ich habe es geschafft und sie angesteckt. Alle beiden haben nun auch den Altrostvirus. Außerdem ist die Atmosphäre in Brokstedt toll. Hin da!

Teilemärkte. Wenn man das erste Mal auf einem Teilemarkt ist (nachdem man vom Rostvirus angesteckt wurden, natürlich), dann ist es irgendwie so richtig toll. Überall alter, oft auch rostiger Kram. Hier ein Kotflügel von einem Käfer, dort ein neuer comp_comp_sam_393012er-Maulschlüssel. Hier ein paar Dichtungen für eine alte Heckflosse, dort ein rostiger Rahmen eines alten Opel-Fahrrads. Dichtungen, Schrauben und Lüsterklemme in der einen Kiste, in der Kiste daneben die Rückleuchte eines Opel Ascona C. Ein tolles Auto. Für mich als Trödelfreak sind Flohmärkte ja schon toll. Wenn es dann aber eine Art Flohmarkt mit Autos und anderem alten Zeug gibt, dann bin ich noch viel begeisterter. Ich hatte mich schon auf Brokstedt am nächsten Morgen gefreut, als ich nachts um zwei Uhr auf der Autobahn von Hamburg in Richtung Heimt fuhr. Mehr als vor ein paar Jahren (“früher” kann man als Zwanzigjähriger wohl noch nicht sagen, oder?) an Weihnachten auf die Geschenke.

Es gab sehr viel zu sehen. Ich war kurz davor eine alte Dampfmaschine zu kaufen. Also keine Große wie zur Zeit der industriellen Revolution, sondern so ein kleines Spielzeug. Start patiniert und wahrscheinlich kaputt. Ich fand sie toll. Habe sie aber stehen gelassen. Momentan brauche ich für wichtigere Dinge Geld. Alte comp_comp_sam_3926abWählscheibentelefone gab es dort auch. Bei mir hängt sogar schon eines im Flur. Volvo-Teile waren wie zu erwarten eher wenige vertreten. Für eine Amazon hätte ich ein paar Teile kaufen können, aber die kann ich ja nicht gebrauchen. Ich habe sogar noch eine Kiste voll davon liegen. Ich brauche die Teile zwar nicht, aber wenn man sie günstig bekommt… Ich glaube, dass ich die Kiste sogar einmal in Brokstedt gekauft habe. Letztes Jahr nicht. Einmal habe ich dort drei Golf 1-Rückleuchten auf einen Schlag gekauft. Eigentlich ein Missverständnis zwischen dem Verkäufer und mir. Zu meinem Gunsten. Dieses Jahr fand ich nur eine. Vier Reserve-Rückleuchten für die Beifahrerseite und eine verbaute Rückleuchte sollten wohl erst einmal reichen. Für die nächsten Jahre. Jahrzehnte. Oder Jahrhunderte.

Auf dem Teilemarkt sieht man die verschiedensten Leute laufen. Leute, die sich passend zu ihren Autos im Hippie-Look oder im Petticoat kleiden. Rocker laufen durch die Gegend, genauso wie ältere Herren mit Handstock und Hut. Alle verbindet eins: Das Hobby des alten Plunders. Ob es nun Autos, Mopeds oder Trecker sind. Alle mögen Rost. Also, eigentlich mögen sie Rost wohl nicht. Aber den Rost beseitigen mögen sie wohl. Oder sich mit Dingen auseinander setzen, die rosten können. So inzwischen auch meine Mutter. Die hat für sich alleine geschaut und, wie ich mitbekommen habe, bei einigen Verkäufern für sprachlose Gesichter gesorgt. So erkannte sie ein zerrostetes Stück Moped für eine Zündapp C50 Super und erklärte, nachdem der Verkäufer wohl ein falsches Baujahr sagte, gleich noch die Geschichte comp_comp_sam_3927hinterher. Ehrlich gesagt war nicht nur der Verkäufer erstaunt… Achja. Mopeds. Mopeds, Mokicks, Mofas und Motorräder gab es auf dem Teilemarkt natürlich auch zu kaufen. Nicht nur Restaurationsobjekte wie dieses Fabrikat mit Sachsmotor hier auf dem Bild. Ich würde euch gerne erzählen, was es für ein Moped ist. Ich habe es aber vergessen. Eigentlich sogar eine coole Optik. Spinnenweben herunterfegen, ein bisschen was für den Gesäßkomfort getan und ich wäre mit dem Ding so losgebrettert. Vielleicht hätte ich noch nach den Reifen und den Bremsen geschaut. Das muss ich bei meiner Zündapp auch noch machen. Aber das kommt erst im Winter. Wenn es draußen kalt und dunkel ist. Nach dem Herbst. Irgendwann.

Richtig aufgeblüht ist auch mein Vater. Er hat wohl fast den kompletten Markt leer gekauft. Für Werkzeug ist er immer zu haben. Obwohl ich gedacht hätte, dass in unserer Garage bis auf eine Drehbank so ziemlich alles vorhanden ist, fand er doch comp_comp_sam_3924aimmer wieder etwas, was ihm noch fehlte. Ich muss da ehrlich zugeben. Ich habe da den Überblick verloren. Trotzdem hat er für unheimlich kleine Preise Werkzeug gefunden und den Kofferraum vollgeladen. Es gab ja auch echt genügend Angebote. Ich hatte in der Zwischenzeit, in der mein Vater wohl wieder mit irgendjemanden über Werkzeug verhandelte, ein paar Alufelgen für meinen Golf 4 im Auge. Aber auch den Gedanken verwarf ich schnell. Für das Geld hätte ich ein paar Mal volltanken und Ölwechsel machen können. Und werde es wohl auch tun. So ein Auto fährt ja auch gut mit Stahlfelgen und Radkappen. Zumindest mein Auto hier.

Neben dem Trödel, Schrott und Goldstaub auf dem Rasen und zwischen den Tischen gibt es auch immer wieder interessante Verkaufstische und Verkäufer zu sehen. Der Akkordeonspieler, der meine letzten drei Besuche auch schon für musikalische Untermalung gesorgt hat, war auch dieses Jahr wieder dabei. Ich habe noch nie etwas von ihm gekauf oder je ein Wort mit ihm gewechselt, aber irgendwie gehörtcomp_comp_sam_3923a der Herr doch einfach dazu. Zumindest für mich. Mit Akkordeonmusik in den Ohren bin ich auch durch die Reihen gegangen und habe einmal auf die Ausstellerfahrzeuge geachtet. Große, alte Kombis aus schwäbischer und schwedischer Produktion fand man eben so häufig wie geile, alte Lieferwagen und stark patinierte Feuerwehrwagen. So ein altes Nutzfahrzeug mit Dieselmotor wäre ja auch irgendwann noch einmal ein Traum von mir. Es müsste nicht einmal ein alter Lieferwagen, Bus oder Feuerwehrwagen sein. Lust auf etwas Langsames aus der Landwirtschaft hätte ich auf jeden Fall auch einmal. Oder auf einen Ascona C. Den finde ich irgendwie auch klasse. Davon habe ich in Brokstedt aber keinen gesehen.

So viel war in Brokstedt dieses Mal nicht los. Man ist anderen Leuten nicht so leicht auf die Füße getreten, wie ich es sonst schon erlebt hatte. Lag vielleicht aber auch an der Zeit, an der wir da waren. Oder weil mein Vater das komplette, interessante comp_comp_sam_3980Werkzeug weggekauft hat. Ich bin dieses Mal sparsam geblieben. Eine Golf 1 Rückleuchte, die Betriebsanleitung eines Volvo 340 und ein kleines Modell eines Klappscheinwerfer-Mazda 323f habe ich mir gegönnt. Nichts davon brauche ich, aber ansonsten wären die Spritkosten tatsächlich höher gewesen. Es muss sich ja lohnen… Nein, keine Sorge. Ich habe nun nicht unnötig Geld ausgegeben. Ich brauche die Dinger zwar nicht, sind aber “Nice-to-have”. Für den Klappscheinwerfer-323 hatte ich schon immer einen weichen Punkt, den Volvo 340 finde ich eigentlich extrem hässlich, aber der stünde auf meiner Wunschliste ganz oben. “Hast du so einen?”, fragte mich der Verkäufer und ergänzte: “Die sind irgendwie alle weg. Mit dem Transaxleding lagen die super. Aber alle weg. Keiner hat mehr einen.” Irgendwann… ich habe da so ein Jucken. Und ein schwarzes Loch im Portemonaie. Also erst einmal nicht. Träumen darf man ja.

Nach dem Schlendern über den Teilemarkt bin ich dann mit langsam schmerzenden Beinen noch zwischen die Reihen der Altautos gelaufen. Viel war dort nicht mehr zu sehen, die meisten hatte ihre Shoppingtour wohl schon beendet und machten sich auf den Weg nach Hause.

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Nach dem Begutachten der Fahrzeuge und dem Träumen von schönen Autos und Reise mit den alten Mobilen, ging es für mich wieder zurück zum Auto. Dort warteten auch schon meine Eltern und zeigten Stolz, was sie alles für Schnäppchen gemacht haben. Ich legte die Rückleuchte, die Betriebsanleitung und den kleinen Mazda dazu, setzte mich hinter das Steuer und verließ das Gelände.

Auf der Fahrt durch den nicht mehr ganz so dichten Nebel nach Hause, hörte ich nur noch Schwämereien über alte Technik, alte Autos und Mopeds und über den Teilemarkt in Brokstedt. Normalerweise stecken ja eigentlich Eltern ihre Kinder mit irgendeiner Begeisterung oder einem Virus an. Hier war es wohl andersherum.

Stört mich nicht. Auf der Fahrt nach Hause, lauschte ich den beiden, die begeistert durcheinander erzählten und träumte von einem patiniertem W116 und einem kleinen Volvo 360. Wenn ich groß bin, dann habe ich mal genauso….

Über LarsDithmarschen

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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