Wie alles begann

Nach einem Jahr mit Zoom und Teams möchte ich es heute etwas analoger werden lassen.Zumindest was die Bilder angeht. Heute gehen wir nämlich auf eine kleine Zeitreise.

Früher war alles besser!

Jaaa, ich weiß. Mit meinen fast fünfundzwanzig Jahren bin ich eigentlich noch viel zu jung, um wie ein verbitterter, alter Mann zu klingen, der gerade ein paar Kinder von seinem Rasen gejagt hat. Und eigentlich finde ich es auch schade, wenn Leute irgendwie in der Vergangenheit hängen geblieben sind und gar nicht merken, dass früher eben nicht alles besser war. Aber ich glaube, nach diesem herausfordernden Jahr kann ich den Satz schon mal gerne so stehen lassen. Soziale Kontakte waren stark beschränkt, unheimlich viele Leute (inklusive mir) verbrachten ihr Jahr vor dem Bildschirm. Vielleicht wird 2020 in Zukunft „Das Jahr des Zooms“ oder „Die Microsoft-Teams-Ära“ genannt. Zumindest habe ich mit den beiden Programmen einen Großteil meines Jahres verbracht. Und weil 2020 so doof war, möchte ich mit euch auf eine kleine Zeitreise gehen. Ganz undigital ohne Zoom und Teams. Kommt ihr mit?

Wir schreiben das Jahr 2001. Ich war gerade noch fünf Jahre alt, hatte eine blonde, strubbelige Mähne auf dem Kopf und saß ganz aufgeregt in meinem rotblauen Kindersitz auf der Rückbank des Passat Kombis meiner Eltern. Es war der erste Weihnachtstag und es lag sogar Schnee. Heiligabend war ich mit meiner Oma Beiersdorf (Ich weiß nicht, wieso ich sie immer mit ihrem Nachnamen ansprach) in der Kirche. Darüber ärgerte ich mich ein wenig. Denn der Weihnachtsmann war schon da gewesen, als meine Mama Oma und mich endlich aus der Kirche abgeholt hatte. Ich hatte ihn schon wieder verpasst! Ein Jahr zuvor hatte er bei uns an der Tür geklingelt – sagten meine Eltern. Ich war mir aber recht sicher, dass das unser Nachbar war. Und das Rentier war eindeutig das Pony „Prinz“.  Und auch wenn Oma, Mama und Papa etwas Anderes sagten, war ich mir doch sehr sicher. Aber darüber dachte ich gar nicht nach.

Das Fest der Familie

Jahrelang lief das Weihnachtsfest immer gleich ab. Heiligabend feierten meine Oma Beiersdorf, meine Eltern und ich zusammen – und am ersten Weihnachtstag ging es dann zu meiner Oma Paula, die einige Kilometer entfernt wohnte. Mein Onkel und meine Tante waren dann auch immer da – meist schon vor uns. Und auch am diesem Tag stand der Volvo V70 meines Onkels schon auf dem Parkplatz vor dem Häuschen meiner Oma. Zumindest sagten mir das meine Eltern. Ich konnte trotz Kindersitz nicht wirklich aus dem Fenster gucken. Es roch immer nach Rouladen und Rotkohl, als wir durch die Haustür mit diesem komischen Türknauf gingen, die ich nie aufbekam. Dass wir auf dem Flur erst unsere Jacken und Mützen ausziehen mussten, fand ich immer doof. Ich freute mich nämlich schon immer auf meinen Onkel und meine Tante und auch auf meine Oma.

Doch natürlich wusste ich da auch schon, dass ganz hinten, in der Stube mit den Schiebetüren, in der auch das Klavier und das große Sofa stand, auch der Weihnachtsmann einen kleinen Zwischenstopp eingelegt hatte. Doch egal wie groß meine Neugierde auch war – vorher wurde gegessen. Ich war als Kind nie ein guter Esser und sah damals noch verhungerter aus, als ich es heute noch aussehe – doch Weihnachten bekam ich vor lauter Aufregung meist nicht einmal eine halbe Roulade aufgegessen. Zu groß war die Neugierde, was wohl hinter den Schiebetüren wartete. Die Erwachsenen bekamen das natürlich mit – und so durfte ich irgendwann, obwohl ich nicht aufgegessen hatte, durch die beiden Schiebetüren gehen und die großen, bunten Pakete bestaunen. Ich weiß noch genau, wie sehr ich mich freute, als ich das Geschenkpapier von meinem Geschenk abgewickelt hatte und es entdeckte. Ein Modellauto. Rot und groß und glänzend.

Der Beginn einer Leidenschaft

Ich habe meinen Onkel nicht gefragt, ob ich ein Bild von ihm ins Internet stellen darf – deshalb habe ich ihm den Smiley verpasst. Der komisch grinsende Junge auf dem Foto bin ich. Wie ihr sehe könnt, freue ich mich gerade sehr. Denn schaut mal, was auf dem Tisch steht. Genau. Ein rotes, großes und glänzendes Modellauto. DAS rote, große und glänzende Modellauto. Ein Buckelvolvo! Ich glaube, ich war mir da noch gar nicht so sicher, was ein Buckelvolvo überhaupt ist, schließlich waren die 2001 auch alle schon echt alt. Doch ich mochte Volvos, weil mein Onkel einen fuhr. Und ich mochte auch das Modell, weil es so schön und rund und rot war und ein kleiner Elch-Aufkleber auf der Heckscheibe klebte. Viel gespielt habe ich damit gar nicht, weil mir meine Eltern erzählten, wie empfindlich das Modell sei. Doch wenn ich damit spielte, war es wohl im ganzen Haus zu hören.

Wahrscheinlich war es eher das Brabbeln eines VW-Boxermotors, das ich mit meinem Mund machte, wenn ich den Buckelvolvo vorsichtig über den Teppich schob. Im Stand wackelte ich mit dem Finger immer vorsichtig am Auspuff, weil ich der Meinung war, dass der bei so einem alten Auto wackeln würde. Und Schaltpausen und Blinkertickern mussten natürlich auch sein. Der Teppich wurde eine große Stadt mit vielen Straßen und das Sofa meiner Eltern war auch für das große Modell eine super Parkgarage. Wenn ich mit meinen Siku-Autos gespielt habe, habe ich das Sofa immer als Dach eines Autohauses gesehen. Halt, Stopp. Meines Autohauses. Als Kind wollte ich nämlich immer Autohändler werden und habe meine Siku-Autos in fein säuberlichen Reihen aufgestellt und „zum Verkauf angeboten“. Und wenn ich unter dem Sofa kein Autohaus aufgebaut hatte, dann daneben einen Schrottplatz. Weil Autoverwerter fand ich auch immer richtig cool.

So kam der Stein ins Rollen.

Mit dem roten Buckelvolvo habe ich natürlich nie Schrottplatz gespielt. Der war dazu ja viel zu toll und zu empfindlich. „Aber sei vorsichtig!“, meinten meine Eltern jedes Mal, wenn sie ihn mir von dem Regal reichten, das in seinem Kinderzimmer an der Wand hing. Und ich war das auch – sie waren diejenigen, die beim Abstauben den Beifahrerspiegel und einen Scheibenwischer killten. Danach konnte ich den Spieß umdrehen und sagte immer: „Aber seid vorsichtig!“, wenn sie das Regal abstaubten, das für mich kleinen Jungen einfach viel zu hoch hing. Mit den Jahren gesellten sich noch andere Modellautos dazu, doch der Buckelvolvo blieb immer mein Favorit. Weinrot und glänzend und mit einem Elch auf der Heckscheibe.

Achja – als ich neulich zusammen mit meinen Eltern nach den Bildern von Weihnachten 2001 gesucht habe, fiel uns ein Bild vom allerersten Oldtimertreffen in Hand, das meine Eltern mit mir besucht haben. Das war im Sommer 2000. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass meine Eltern wohl etwas zu spät mit mir da ankamen, denn es stand nur noch ein Auto und ein Trecker da. Was das für ein Auto war, hätte ich aber nicht mehr sagen können, wenn das Bild nicht aufgetaucht wäre. Klein und schüchtern in einer gruselig grünen Jacke stehe ich vor einem? Achja, ihr seht es, ihr braucht nicht raten. Genau. Vor einem schwarzen Buckelvolvo. Und dann fielen uns noch mehr Bilder in die Hand, auf denen ich vor verschiedenen Volvos stehe. Wenn ich jetzt noch einmal gefragt werden, warum ich mir mit 17 ausgerechnet einen Buckelvolvo kaufte und ihn dann drei Jahre restaurierte, habe ich zumindest aber eine Antwort:

Ich konnte gar nichts dafür.


Ich wünsche euch nun trotz der schwierigen Lage ein wunderbares Weihnachtsfest und hoffe, dass ihr die Festtage genießen könnt. Passt bitte auf euch auf, bleibt gesund und schaltet auch mal den Computer oder das Handy ab. Am besten jetzt gleich. Auch ihr habt dieses Jahr bestimmt genug Stunden daran verbracht.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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2 Antworten zu Wie alles begann

  1. Jetzt ist ja alles klar! 🙂 Schöne Story!

    Dir und Deinen Eltern einen schönen Jahreswechsel 2020/2021.

    Gruß von Olivia & Andreas

    • Watt'n Schrauber sagt:

      Hey ihr beiden!
      Vielen Dank für den lieben Kommentar! Euch auch einen guten Rutsch ins neue Jahr! 🙂
      Schöne Grüße
      Lars

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