Wenn das Auto plötzlich bremst…

Moderne Autos haben immer mehr Assistenzsysteme und sollen so viel, viel sicherer sein. Doch was ist, wenn so ein System  im Alter einmal ausfällt? Ich habe es erlebt…

Es war ein Tag wie jeder andere.

Es ist schon etwas zu lange her, um mich daran zu erinnern, welcher Wochentag es war. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass es noch relativ früh am Morgen war. Ich hatte mich schon durch den Berufsverkehr in Hamburg gequält und war auch schon ein ganzes Stück Landstraße gefahren, als ich auf die Autobahn in Richtung Heimat fahren wollte. Der Diesel war schon lange auf Betriebstemperatur, auch ich hatte gute Laune und trat auf das Gaspedal. Ein bisschen flotter als sonst fuhr ich durch die S-Kurve, die auf den Beschleunigungsstreifen führte. Als ich den Scheitelpunkt der zweiten Kurve erreicht hatte und im Spiegel sah, dass ich freie Fahrt hatte, drückte ich das Gaspedal noch ein bisschen weiterdurch. Der Turbo verrichtete seine Arbeit, der Diesel nahm Fahrt auf. Fast hatte ich die gerade Beschleunigungsspur erreicht, als plötzlich das vordere, rechte Rad blockierte. Einfach so. Sekunden kamen mir vor wie Stunden…

Wäre es glatt oder rutschig gewesen, würde ich euch wohl nun erklären, wie ich schleudernd in einer Leitplanke gelandet sei und nun ein neues Alltagsauto bräuchte. Doch zum Glück war es trocken und das Fahrwerk von so einem Golf ist auch verdammt gutmütig. Nach dem kurzen Reifenquietscher und einer kleinen, korrigierten Lenkbewegung löste sich das Rad wieder und ich konnte meine Fahrt fortsetzen. Wahrscheinlich könnt ihr verstehen, dass ich an dem Tag nur mit 100 Kilometern pro Stunde gefahren bin – irgendwie hatte ich nämlich Angst, das Rad würde noch einmal gleich blockieren. Doch da auch gleichzeitig eine Warnleuchte im Kombiinstrument aufleuchtete, war ich mir sicher, dass das, was da gerade kaputtgegangen war, auch kaputt bleiben würde und ich wohl sicher nach Hause käme. Was ich auch tat. Gut einhundert Kilometer fuhr ich mit der Warnleuchte im Kombiinstrument nach Hause. Der Fehler kam nicht noch einmal wieder.

Geber für Drehrate (G202) – unplausibles Signal

Diese Fehlermeldung spuckte mein Diagnosegerät aus, als ich es angesteckt hatte und es die Steuergeräte meines Autos durchlaufen ließ. Irgendwas stimmte mit dem ESP nicht, so war meine Vermutung. Doch da ich kein gelernter KFZler bin, fuhr ich noch einmal in die Werkstatt meines Vertrauens, die nach einem kurzen Auslesen auch auf den Fehler kam und mir erzählte, dass das gar nicht einmal so selten vorkäme. Nicht nur bei VW-Produkten, die so alt sind wie mein Golf 4, auch bei Modellen von Mercedes und BMW hatten sie es schon, dass die Lötstellen des Drehratensensor und auch des Querbeschleunigungssensor im Laufe der Zeit brüchig werden und es dann zu unplausiblen Signalen kommt. So kann es dann auch passieren, dass das Auto von alleine bremst, obwohl es gar keinen Notbremsassistenten hat. Im gleichen Zug wurde mir erzählt, dass ein neuer Drehratensensor und ein neuer Querbeschleunigungssensor wohl ungefähr 700€ kosten würden. Uff.

Kurz überlegte ich, einen gebrauchten Drehratensensor einzubauen – von dem Gedanken kam ich aber relativ schnell wieder ab. Was wäre denn, wenn so ein gebrauchter Sensor auch schon einen Defekt hätte und die nächste selbstständige Bremsung nicht so glatt ausgehen würde? So toll fand ich das nicht, dass ich das noch einmal erleben müsste. Aber einfach mal eben so 700€ in ein Auto zu stecken, das schon wirklich einiges erlebt hat, fiel mir auch nicht so leicht. Und dann stieß ich bei der Suche nach günstigen Neuteilen auf die Seite www.esp-sensor.de . Dahinter steckt ein Ingenieurbüro im Süden Deutschlands, das Drehraten- und Querbeschleunigungssensoren repariert und auf die Reparatur sogar noch Garantie gibt. Und das auch noch viel günstiger als neue Originalteile. Und bevor nun irgendjemand losjammert, dass ich diesen Beitrag nicht mit „Werbung“ markiert habe – es ist keine. Ich habe für die Reparatur der Sensor im vollem Umfang bezahlt, stehe in keinerlei Verbindung und schreibe hier nur einen Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Kunden.

Armaturenbrett-Archäologie

Um mal abzuchecken, wer denn die Personen hinter der Firma sind, schrieb ich eine Mail mit meinem Anliegen – und erhielt auch sofort eine wirklich nette Antwort inklusive einer Ausbauanleitung. Das ist nämlich so ein bisschen nervig. Der Drehraten- und der Querbeschleunigungssensor sitzen tief im Inneren des Armaturenbretts. Man muss wirklich gefühlt die Hälfte aller Plastikteile, die an dem Auto verbaut sind, abbauen, um an die beiden Sensoren zu kommen. Ich fühlte mich wirklich ein bisschen wie ein Archäologe, der sich von Plastikschicht zu Plastikschicht grub. Doch leider (oder eher zum Glück?) fand ich keine prähistorischen Fossilien im Inneren des Armaturenbretts. Nur ein paar bunte Kabel, etwas Staub und die beiden Sensoren konnte ich nach einiger Schrauberei dort finden. Die beiden Sensoren sitzen zusammen auf so einem Metallträger, den ich dann fix ausgebaut hatte. Aber ich will euch ja hier nicht mit der Ausbaugeschichte nerven.

Der größere Gnubbel ist der Drehratensensor und der kleinere Würfel der Querbeschleunigungssensor. Während die Firma auf die Reparatur des Drehratensensor ein Jahr Garantie gibt, gibt es auf die Reparatur des Querbeschleunigungssensor wohl sogar zehn Jahre Garantie. Auch ein Argument, was mich dazu brachte, die beiden Teile in ein Paket zu packen und abzuschicken. Sowieso finde ich es wirklich interessant, dass Firmen die Möglichkeit gefunden haben, so alte Sensoren zu reparieren. Schließlich kommen auch Autos mit Assistenzsystem langsam in ein Alter, in dem es Liebhaberfahrzeuge werden können. Würde es keine Firmen geben, die Sensoren reparieren und überprüfen können, könnte es wohl schwer werden, solche Autos in Zukunft auf der Straße zu halten. Mich hat es zudem gefreut, dass die Sensoren repariert und nicht weggeschmissen würden. Und die Summe von 246,00€ habe ich auch gerne bezahlt. Von der Preisdifferenz konnte ich mir schließlich doch einige Fischbrötchen kaufen.

Eilpost!

Zumindest kam mir das so vor. Ich hatte das Paket mit den Sensoren gerade erst bei der Post abgegeben, als es auch schon wieder zurückkam. Während der Drehratensensor noch gleich aussah, war der Querbeschleunigungssensor nun mit einem weißen Kunststoff zugemacht. Egal. Mein Querbeschleunigungssensor war übrigens wohl eigentlich noch nicht kaputt – aber da die Lötstellen dort auch schon zwanzig Jahre alt waren, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der wohl auch ausfallen würde. Also schickte ich ihn gleich mit weg und ließ ihn reparieren. So werde ich die nächsten zehn Jahre mit dem Teil auch Ruhe haben. Für den Zusammenbau bekam ich auch noch eine kleine Anleitung dazu. An die hielt ich mich auch, baute alle Sachen wieder an ihren Platz und hoffte stark, dass die Reparatur auch halten würde. Zuerst war mir ja etwas mulmig – aber das hatte wohl eher psychologische Gründe. Wenn so ein Auto einmal von alleine bremst, muss man das Vertrauen erst einmal wiederfinden.

Nun, vier Monate später, kann ich ja schon einmal ein Zwischenfazit geben. Und ich muss sagen – wirklich alles funktioniert. Das ESP konnte ich nun besonders gut bei dem Schnee und Matsch testen, der draußen auf den Straßen liegt. Alles regelte wie es sollte und von alleine gebremst hat mein Auto bisher auch nicht mehr. Falls ihr also auch Probleme mit euren ESP-Sensoren habt, kann ich euch die Reparatur bei www.esp-sensor.de bisher wirklich mit gutem Gewissen empfehlen. Und das sage ich nicht als werbetreibender Blogger (Wie gesagt, ich wurde weder beauftragt noch habe ich Geld dafür bekommen), sondern einfach nur als Autobesitzer und Kunde. Falls sich in den nächsten Monaten etwas ändern sollte, werde ich darüber natürlich ganz ehrlich und ungeschönt berichten.

Mich würden nun einmal eure Meinungen und Erfahrungen interessieren. Habt ihr auch schon einmal Bauteile überholen lassen? Funktionierte danach auch immer alles? Oder gab es auch mal Ärger? Schreibt es doch gerne in die Kommentare.

Ich bin darauf sehr gespannt!

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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1 Antwort zu Wenn das Auto plötzlich bremst…

  1. Gert Kuiper sagt:

    Hallo Lars,
    manchmal gibt es auch fehlerhafte Lötstellen im Steuergerät der ESP oder ABS, und da gibt es auch einige Firmen die die überholen können, und die auch andere bekannte Schwachstellen mit verbessern. Ich habe das schon zig mal machen lassen, und es hat i.mer geklappt.

    Schöne Grüße

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