Entdeckt: Rover 213S – Fish & Chips mit Stäbchen

Neues Jahr, neue Blogreihe, in der es um interessante Straßenrandsichtungen gehen soll. Den Anfang macht ein kleiner, seltener Engländer mit japanischen Genen. Kennt ihr ihn?

Nun gebt es doch schon zu.

Wenn ihr Old- oder Youngtimer auch nur ein bisschen mögt, dann schaut ihr garantiert doch auch alten Autos hinterher, die euch im Straßenverkehr oder auf einem Parkplatz begegnen. Oder liege ich da nun so falsch? Genau. Mir geht es genauso. Schon oft habe ich am Straßenrand oder bei Gebrauchtwagenhändler seltene oder ungewöhnliche Autos entdeckt, die eigentlich so gut wie komplett aus dem Straßenbild verschwunden sind oder eigentlich nur noch als Oldtimer verhätschelt und nicht als Alltagsauto verwendet werden. Und genau diesen Autos möchte ich mit dieser kleinen Blogreihe einen Platz im Internet schaffen. Wahrscheinlich werdet ihr hier deshalb auch keinen 124er Mercedes und keinen Golf II entdecken, wenn sie nicht gerade irgendetwas besonderes an sich haben. Autos ohne Lobby, vom Leben gezeichnete Klassiker oder saubere Survivor – denen möchte ich hier ein kleines Denkmal setzen. Es gibt eindeutig Wichtigeres im Leben, es bringt mir aber Spaß. Und euch hoffentlich auch.

Ich hatte eigentlich nicht vor bei den zahlreichen Gebrauchtwagenhändlern anzuhalten, die sich links und rechts an der Straße aneinanderreihten wie eine Perlen auf einer Perlenkette. Zwar mochte ich immer einmal gerne Alf Cremers spielen und nach Young- und Oldtimern zwischen langweiligen Gebrauchtwagen suchen (Ich berichtete darüber), doch an dem Tag hatte ich einfach keine Lust. Draußen war es kalt, in meinem Kombi war es schön warm und ein tolles Lied spielte auch noch im Radio. Und wahrscheinlich wäre ich auch nicht angehalten, wenn ich im Augenwinkel nicht die Front eines Autos gesehen hätte, die mir überhaupt nicht bekannt vorkam. Ich hatte noch ein wenig Zeit, also wendete ich meinen Golf geschwind auf dem Platz eines Gebrauchtwagenhändlers und fuhr zurück. Es war ein altes Auto, recht kantig und mit Radkappen. Zumindest das konnte ich schon einmal sehen. Und auch das Rover-Zeichen konnte ich erkennen, als ich meinen Kombi davor parkte und ausstieg.

Rover 213S

Das war alles, was mir die Embleme auf der Heckklappe an Informationen verrieten. Und ehrlich gesagt – so viel konnte ich damit noch nicht anfangen. So einen Rover 200 hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Ich kannte wohl die runden Rover 200, die in den 90er Jahren den Kleinwagenmarkt mit britischer Eleganz aufwerteten und auch noch die Rover 200, die auf dem Honda Concerto basierten. Eigentlich wäre das schon traurig genug, doch als ich um das kleine, blaue Stufenheck herumschlich, wurde ich trotzdem neugierig, was genau ich da nun vor mir stehen hatte. Ich schoss ein paar Bilder und nahm mir vor, zu Hause zu recherchieren, was genau ich da wohl vor mir stehen hatte. Verkäufer konnte ich keinen fragen – es war ein Samstagnachmittag und niemand war mehr da. So setze ich mich wieder in meinen roten Golf und fuhr davon. Natürlich nicht, ohne noch einmal einen Blick auf den kleinen Rover zu werfen, der zwischen einem silbernen Scenic und einem New Beetle fehl am Platz wirkte.

Es war wohl schon kein aufregendes Auto, als die erste Generation des Rover 200 am 14. Juni 1984 vorgestellt wäre. Aber das sollte es wohl auch gar nicht sein. Schließlich war auch schon der Vorgänger – der Triumph Acclaim – kein sonderlich spannender Wagen. Es war einfach eine kleine Stufenheck-Limousine mit etwas biederem Aussehen, der damals niemals auch nur irgendjemand hinterhergeschaut hätte. Doch für Automobilgeschichte war der Triumph Acclaim nicht ganz so uninteressant. Eigentlich war der Triumph Acclaim nämlich ein Honda Civic Stufenheck der zweiten Generation. Das bedeutete zum einen, dass es eines der ersten Autos von British Leyland war, die wieder eine angemessene Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit zeigten, zum anderen war es aber auch eines der ersten japanischen Autos, die in der Europäischen Gemeinschaft (Heute EU) gebaut wurden. Japan hatte sich damals nämlich freiwillig eine Beschränkung auferlegt, in der es hieß, dass nur maximal 11% der verkauften Autos auf japanischer Produktion stammen durfte. Und mit dem Triumph Acclaim umging Honda diese Beschränkung einfach.

Der britische Jetta

Warum ich euch so viel vom Acclaim erzähle und euch gar kein Bild zeige? Na, auch der Rover 200, den ihr hier auf den Bildern sehen könnt, basiert auf einem Honda – auf dem Civic Stufenheck der dritten Generation. British Leyland hatte zum Marktstart anscheinend genug vom Namen „Triumph“ und ließ den Wagen als Rover vom Band laufen. Direkte Konkurrenten waren der VW Jetta, das Opel Kadett Stufenheck und der Ford Orion, der so ziemlich das Gegenteil von einem Laden für Erwachsenenspielzeug ist. Für den Rover 200, der in dieser Form zwischen 1984 und 1989 vom Band lief, standen zwei Motoren zur Auswahl. So gab es zum einen den Rover 213, wie ihr ihn hier auf den Bildern sehen könnte. Der hatte einen 1,3-Liter (daher 213) Vierzylinder mit 71 PS und war für die Ausstattungsvarianten 213, 213 S und 213 SE erhältlich. Wählen konnte man zudem noch zwischen einem Fünfgang-Schaltgetriebe und einem Dreigang-Automatikgetriebe, so wie der Kollege es verbaut hatte.

Konnte man sich aber sogar einen Rover 216 S oder 216 SE leisten, bekam man sogar einen 1,6-Liter (daher 216 – ihr versteht) Vierzylinder mit 85 PS. Und wollte man eine richtig luxuriöse, kleine Limousine, konnte man sogar einen Rover 216 Vanden Plas EFI oder einen Rover 216 Vitesse bestellen. Dann brauchte man beim Kaltstart auch nicht an einem Choke herumfummeln, sondern konnte sich über eine Einspritzung und über ganze 105 Pferde unter der Haube freuen. Dieses Stufenheck war kein Vanden Plas und auch kein Vitesse, aber die beiden Ausstattungsvarianten waren in Deutschland auch nicht erhältlich. Es war einfach nur ein kleiner 213S mit einer Dreigang-Automatik und einem manuellen Choke, der mir links neben dem Lenkrad auffiel. Leider konnte ich keine Informationen finden, die mich auf ein Baujahr hinwiesen. Ich tippe aber, dass dieses Exemplar zwischen 1987 und 1989 in Longbridge vom Band lief.

Ein Herz für Underdogs

Falls ihr nun hofft, dass ich euch sage, dass ich diesen kleinen Rover in meinen Fuhrpark aufgenommen habe, dann muss ich euch leider enttäuschen. Momentan habe ich einfach keinen Platz und auch keine Zeit. Dabei machte der Viertürer gar keinen schlechten Eindruck. Ich habe ihn nun nur flüchtig inspiziert, aber bis auf etwas Flugrost am hinteren, linken Radlauf, schien die Limousine noch recht fit. Die Innenausstattung war sauber – zumindest das, was ich durch die beschlagenen Scheiben sehen konnte. Der Coffee-to-go-Becher war wohl eine Sonderausstattung. Wenn ich mich nicht verguckt habe, strahlten mich 54 000 Kilometer auf dem Tacho an. Einen Preis kann ich euch leider nicht sagen – bis auf eine Auktions- oder Bestandsnummer oben auf der Windschutzscheibe konnte ich keine Informationen finden. Ich tippe mal ganz stark, dass das Auto so ein typisches Rentnerauto (nur ohne großen Macken) ist. Und weil es weder spannend aussieht, noch spannend fährt und es wohl sowieso niemand kennt, wird der kleine Engländer sich dort wohl noch lange die Reifen platt stehen. Oder in den Export wandern. Eigentlich finde ich die kleine Limousine ja ganz schick, so in dem blau mit den Chromzierleisten und der beigefarbenen Innenausstattung. Irgendwie cooler als ein Jetta.

Mögest du ein schönes Zuhause finden, kleiner Rover!


Achja, wenn ihr wissen wollt, wie der Rover 213 S 1987 im Vergleich mit dem Honda Civic abgeschnitten hat, dann klick doch mal auf diesen Link: KLICK! Hier kommt ihr zum Download-Bereich der Auto Bild und könnt euch einen Vergleichstest durchlesen.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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3 Antworten zu Entdeckt: Rover 213S – Fish & Chips mit Stäbchen

  1. DerT0m sagt:

    Den Rover 213S kannte ich tatsächlich noch nicht. Vielen Dank für den Überblick zu seiner Geschichte und den Hintergründen.

    • Watt'n Schrauber sagt:

      Hey Tom,

      da bin ich ja froh, dass ich nicht der Einzige bin, der den Rover noch nicht kannte. Freut mich aber, dass dir der kleine Ausflug in die britische Autowelt gefallen hat! 🙂

      Schöne Grüße
      Lars

  2. Pingback: Entdeckt: DKW Junior - Zweitaktnachwuchs? | Watt'n Schrauber.Watt'n Schrauber.

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