Kein Anlass(er) zum Ärger – Teil 2

Na? Überrascht? Das ging nun wirklich schneller, als ihr dachtet, was? Geht mir auch so.Eigentlich hätte ich aber  ahnen können, dass der Anlasser nicht so schnell Ruhe gibt.

Sorry für die Bilder!

Bei dieser kleinen Schraubergeschichte werden die Bilder mal nicht so schön aussehen. Als ich den zweiten Teil dieses kleinen Projektes angehen wollte, war der Akku meiner Kamera leer. Doof das. Also Handybilder. Aber wahrscheinlich seid ihr hier sowieso nicht wegen der tollen Bilder, sondern eher, um mich auszulachen. Und das dürft ihr auch ruhig, denn ich lache mit. Vor einer Woche schrieb ich den ersten Teil meiner Geschichte. Mein treuer Alltagsdiesel hatte sich dazu entschieden, nicht mehr anspringen zu wollen. Wenn man den Schlüssel drehte, klackte der Anlasser nur noch, aber drehte den Motor nicht mehr. Das fand ich doof, denn eigentlich ist ein Auto ja zum Fahren gedacht. Also baute ich den Anlasser aus und zerlegte ihn einfach mal. Zum ersten Mal in meinem Leben – vorher habe ich noch nie einen Anlasser zerlegt. Einen wirklichen Defekt konnte mein Laien-Auge nicht erkennen – und so schmierte ich ihn, machte die Kontakte sauber und baute ihn wieder zusammen. Und er lief.

Doch um ehrlich zu sein? So ganz habe ich meiner kleinen „Reparatur“ nicht getraut. Denn nicht nur, dass ich vorher noch nie einen Anlasser zerlegt hatte – wirklich nur verschmutzte Kontakte konnte ich mir nicht so ganz vorstellen. Wie dem auch sei. Gut eine Woche startete mein Golf „Harald“ jedes Mal, als hätte er nie etwas Anderes gemacht, wenn man den Motor startet. Doch dann, an einem verregneten, kalten Abend auf dem Edeka-Parkplatz in Büsum, tauchte das Problem wieder auf. Ich drehte ein paar Mal am Schlüssel – und nichts passierte. Warum auch immer hatte ich mir einen Hammer in das Auto gelegt. Die Leute um mich herum schauten alle etwas verwirrt, als ich mit dem Hammer in der Hand aus dem Auto stieg, die Motorhaube öffnete und auf den Anlasser klopfte. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, irgendein mechanisches Klemmen des Anlassers so zu lösen. Keine Ahnung, ob das nun der Grund war, dass er wieder ansprang – aber ich kam wieder nach Hause.

Recycling ist angesagt!

Zum Glück hatte ich mir einen gebrauchten Anlasser bei einem Autoverwerter bestellt – der auch noch passenderweise an genau dem Tag angekommen war. Eigentlich ist es doch so ein ungeschriebenes Schraubergesetz, dass die Teile, die man auf Lager hat, nie kaputtgehen würden – bei mir war es aber anders. Auf den ersten Blick sah der „neue“ Anlasser fast noch schlimmer aus als mein Alter – besonders, was die Kontakte angeht. Doch ich ließ mich davon nicht wirklich abschrecken. Schließlich hatte ich nicht nur eine Rechnung, sondern auch zwölf Monate Garantie auf das Bauteil. Deshalb ging ich wohl auch recht motiviert am nächsten Tag an die Arbeit. Harald – der im kalten Zustand ja immer angesprungen war – fuhr ich unter den Carport, in dem ich vor einigen Jahren mal Elsa restauriert habe und machte mich an die Arbeit. Anlassertausch. Nun wusste ich ja schon, wie es geht.

Auch, wenn ich wahrscheinlich allen Grund hatte, genervt zu sein, war das ich nicht einmal wirklich. Irgendwie bringt mir das Schrauben sogar Spaß, wenn ich einen Job eigentlich gerade schon von der To-Do-Liste geschrieben hatte. Obwohl so ein Golf IV echt zu den eher langweiligen Vertretern da draußen gehört, ist er wirklich schrauberfreundlich. Die wenigen Male, die ich bisher an dem Auto geschraubt habe, waren immer total entspannt. Nicht einmal hatte ich eine festgerostete Schraube oder habe irgendetwas abgerissen. Nach zwanzig Jahren nicht wirklich selbstverständlich. Was mich allerdings an dem Auto nervt, ist der Leuchtmittelwechsel. Dazu ist echt viel zu wenig Platz – auf der Fahrerseite muss man dafür am besten die Batterie ausbauen. Doch zum Glück musste ich keine Birne wechseln, baute die Batterie aber trotzdem aus. Muss man nämlich, um an den Anlasser zu kommen.

Tschüss, Grünspan!

Keine Sorge, auch dieses Mal mache ich hier keine Reparaturanleitung. Ich schraube dieses Mal fast die gleichen Teile aus dem Weg, wie ich es auch im letzten Mal getan habe. Mit einem Unterschied – den Unterfahrschutz und die seitliche Motorraumverkleidung ließ ich dran. Irgendwie habe ich nämlich seit einigen Wochen Probleme mit meinem linken Knie, das auf Kälte echt böse reagiert und mir einige Tage dann echt Schmerzen bereitet. Wahrscheinlich sollte ich damit bald einmal zum Arzt gehen. Ein kurzer Blick auf den Anlasser zeigte mir aber, dass mit etwas Fummelei auch der Wechsel ohne Aufbocken klappen könnte. Und zumindest der Ausbau ging recht easy. Eine halbe Stunde – und er war draußen.

Doch natürlich wollte ich den „neuen“ Anlasser nicht mit seinen versifften Kontakten wieder einbauen. Das wäre ja Pfusch. Und Pfusch habe ich auf diesen Seiten ja schon wirklich genug betrieben. Ich hätte gedacht, dass der doch viel heftigere Schiet auf den Kontakten sich noch schlimmer beseitigen lassen würde, als an dem alten Anlasser – das war aber nicht der Fall. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass der alte Anlasser tatsächlich geklemmt hat und die Kabel und Anschlüsse ein bisschen heiß wurden? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht ist hier ja irgendwo ein Anlasser-Experte, der einmal seinen Senf dazugeben mag. Hier hört mein Latein nämlich auf. Ganz sauber wanderte der Anlasser an seinen neuen Bestimmungsort. Auch alle anderen Teile baute ich wieder zurück. Und dann begann das Drama.

Missing: 10er Maulschlüssel

Ich weiß ja nicht, wie ihr es haltet. Ich habe mir aber inzwischen fast angewöhnt, dass ich das Werkzeug, was ich gerade nicht gebrauche, zurück in die Werkzeugkiste zu legen. Zu oft habe ich schon Werkzeug gesucht und zu groß wurde die Angst, irgendwas im Motorraum liegen zu lassen. Aber es ist mir wieder passiert. Der 10er Maulschlüssel, mit dem ich die Batterie wieder anschließen wollte, ließ sich nicht mehr wiederfinden. Er lag nirgendwo (sichtbar) im oder am Auto und auch nicht in der Werkzeugkiste. Und das war ziemlich doof, denn sofort bekam ich Horrorszenarien von lose umherfliegenden Schraubenziehern am Riementrieb in den Kopf – obwohl ja nicht einmal in der Nähe des Riementriebs geschraubt habe. Nach einer halben Stunde Sucherei, blieb mir nicht anderes übrig, als alles noch einmal zu zerlegen. Und dieses Mal kniete ich mich auch hin und schraubte die Unterbodenwanne ab. Doch leider tauchte der Maulschlüssel nicht auf und bleibt tatsächlich bis heute verschwunden. Ich vermiss dich, Kumpel!

Achja. Dieses kleine Video soll noch einmal den Unterschied zwischen meinem alten Anlasser (rechts) und dem neuen Anlasser (links) zeigen. Hört ihr das wesentlich lautere Klackern auch? Ist der alte Anlasser vielleicht tatsächlich schon so ausgenudelt, dass der einfach… verklemmt? Kann so etwas passieren? Auf jeden Fall hoffe ich nun tatsächlich, dass ich nicht so schnell wieder den Anlasser an meinem Golf wechseln muss und er wieder zuverlässig anspringt. Zumindest hat er es die letzten Tage getan. Ich bin auch sehr gespannt, wie lange das Gebrauchtteil halten wird. Hoffen wir mal, dass ich so schnell nicht wieder dabei muss. Achja – weil mir viele von euch auch den Tipp gaben, dass die Kontakte in dem Kasten auf der Batterie gerne vergammeln, nochmal ein Foto davon. Der sieht ja noch eigentlich ganz schier aus, oder? Vielen Dank übrigens für all die Tipps, die mich erreicht haben! Das hilft mir doch immer sehr. Bald wird übrigens wieder geschraubt.

Dann aber ausnahmsweise mit Holz.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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3 Antworten zu Kein Anlass(er) zum Ärger – Teil 2

  1. Maik Mugato sagt:

    Krampfhaftes Daumengedrücke von meiner Seite aus…
    Sollte der Fehler jetzt wieder auftauchen, muss man echt mal von der elekrtischen Seite drangehen… Anlasserrelais? Zündschloss?

    Aber erstmal sehe ich das Ergebnis positiv.

    • thorsten sagt:

      Zünanlaßschalter sind ein altes VW-Leiden. Mal halten die und mal garnicht.

      Anlasser hab ich die Billigdinger von ATP ein paarmal eingebaut, unter anderem in unseren Polo. Bisher halten die alle. Der älteste ist immerhin schon 7 Jahre und über 100tkm verbaut.

      • Watt'n Schrauber sagt:

        Hey ihr beiden,
        bisher tut der gebrauchte Anlasser seinen Dienst wirklich gut. Ich tippe also mal, dass das wirklich der Übeltäter war. Aber ich halte euch auf dem Laufenden! So viel Lust, noch einmal einen neuen Anlasser einzubauen, habe ich ja nicht. Aber wenn es denn sein muss… ansonsten ist der Golf weiterhin brav. Wobei er momentan mehr steht als Kilometer frisst.

        Schöne Grüße
        Lars

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