Felgen machen Autos.

Der zweite Bericht über mein kleines LowBudgetBenz-Projekt. Nicht ganz chronologisch.Hein hat sich eine kleine Schönheitskur verdient und soll ein wenig jugendlicher wirken.

Ich weiß, chronologisch haut das jetzt ja überhaupt nicht hin.

Es ist ja schon ein bisschen her, dass ihr etwas von meinem Mercedes 230E “Hein” gehört habt, den ich im Februar für einen dreistelligen Betrag gekauft habe und mir als Reiseauto fit machen wollte. Das Projekt “LowBudgetBenz” startete ich im April – und es wurde fast eine kleine Restauration. Eigentlich wollte ich euch erst einmal von den Arbeiten erzählen, die ich in gut sechs Wochen an dem Wagen durchgeführt habe (und das war eine Menge – von der Innenraumreinigung habe ich euch ja schon berichtet), aber irgendwie war die Zeit ein wenig knapp. Zum Schreiben hatte ich gar nicht wirklich Zeit. Es gibt noch echt viele Berichte über Hein, die in der Pipeline liegen – und ich möchte euch auch noch einen ganz tollen Volvo 245 namens Ole und einen Citroen CX Break vorstellen. Aber das kommt alles noch zu seiner Zeit.

Heute habe ich nämlich einfach Lust euch die letzte Arbeit zu zeigen, die ich an Hein durchgeführt habe. Eine Spielerei. Mit zuverlässiger Technik hat das gar nichts zu tun. Auch nicht mit großer Kunst.

Also. Hein. Zwei Sachen kann ich euch erzählen, ohne zu viel zu verraten. Die erste Sache wäre: Hein ist seit drei Wochen wieder fahrbereit und hat auch schon seinen ersten Roadtrip hinter sich gebracht. Und die zweite Sache: Hein ist eine echte Zicke. Aber so wirklich. Ich habe noch kein Auto in den Händen gehabt, das sich gegen alles und jeden so sträubt, wie dieser alte Mercedes. Anscheinend haben die sieben Vorbesitzer und unzählige Werkstätten schon so gepfuscht, dass Hein von Menschen einfach die Schnauze den Kühler voll hatte.

“Schöner Wagen, Lars. Aber für das Auto bist du einfach 60 Jahre zu jung!”

Es war vor einigen Monaten auf dem Teilemarkt in Brokstedt, auf dem E30-Fahrer Alex mir die Wahrheit unverblümt ins Gesicht sagte. Und irgendwie hatte er ja auch recht. So ein 124er in blauschwarz, mit einigen Dellen und Kratzern rundherum, mag ja vielleicht noch recht stattlich wirken – aber flott oder dynamisch wirkt der Klotz wirklich nicht. Es hat vielleicht auch nicht wirklich geholfen, dass ich dem Wagen ein Hufeisen in dem Kühlergrill verpasst hatte, aber das ist das einzig Richtige, was man tun kann, wenn man auf dem Land lebt und einen Mercedes fährt. Doch Alex hatte recht. Irgendwie musste an Hein noch etwas passieren, dass der Wagen besser zu mir passen würde. (Eigentlich müsste ich dafür wohl eher zwei Zündkabel abziehen…)

Doch was?

Ein paar Wochen und Monate vergingen durchs Land. Inzwischen war ich mir auch ein wenig sicherer, was den Wagen vor allem alt wirken ließ. Es ist nicht die Karosserieform, die zwar eigentlich bieder wirkt, aber mit einigen Kniffen und Tricks auch wirklich elegant, teilweise schon fast sportlich wirken kann (Es gibt genügend Beispiele im Internet), sondern die Räder. Die Räder machen bei einem Auto unheimlich viel aus. Das merkte ich vor allem, als ich den Elchen, meinen 2003er Volvo V40, mit neuen Felgen ausstattete. Der Wagen, der auf seinen originalen Alus eher bieder wirkte, erschien mit seinen neuen BBS-Volvo-Felgen auf einmal wesentlich flotter. So ging es Hein auch, als er einen Satz A-Klasse Radkappen (Schöne Grüße noch einmal an Michael und Karsten!) bekam. Aber so wirklich… war es noch nicht das Richtige. Auch die Mopf2-W124-Radkappen machten den Wagen nicht wirklich jünger. Auch die Alufelgen, die ich für Hein liegen habe (Ein Satz 16-Zoll-8-Lochfelgen ähnlich des 500E und ein Satz 15-Zoll Gullideckel), hauten mich jetzt nicht so vom Hocker. Wirkliche Gedanken habe ich mir dann aber auch erst einmal nicht mehr gemacht. Hunderte von Euro in Felgen für ein Auto, das auch nur ein paar hundert Euro gekostet hat, kam mir nicht wirklich in den Sinn. Außerdem ist mir die Technik immer wichtiger als die Optik. Und inzwischen mehr Felgen als Autos Zuhause liegen…

Irgendwann, ich glaube, ich fuhr gerade zum Einkaufen, fuhr mir dann ein dunkelgrauer 230E über den Weg. Und irgendwie zogen mich dessen Felgen sofort in den Bann. Der Besitzer des Schmuckstücks hatte seine Stahlfelgen schwarzglänzend lackieren lassen – und dann einen Chromring draufgesteckt. Irgendwie wirkte das tatsächlich sehr elegant, fast schon sportlich. Nur der Chromring war nicht so meins. So ratterte es dann noch ein wenig in meinem Kopf hin und her – und irgendwann kam ich dann auch zu dem Entschluss: Ich lackiere meine Stahlfelgen auch. Und zwar zweifarbig.

Und Mensch, ein bisschen Lack hatten die auch nötig. Fast dreißig Jahre (Ich gehe nun einfach mal davon aus, dass es noch die ersten Stahlfelgen von dem Wagen sind) wohl vor allem Winterbetrieb, hatten den Stahlfelgen doch schon ordentlich zugesetzt. Überall waren Rostkrater zu sehen, das Salz hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Wenn man es so richtig richtig machen wollte, hätte man wohl erst die Gummis herunter ziehen , die Felge dann mit Sandstrahlen vom Rost befreien und erst dann alles Schleifen müssen. Doch ehrlich gesagt war mir das zu viel Aufwand. Eine Reifenmontiermaschine habe ich nicht und meinem Kompressor würde beim Sandstrahlen wohl die Puste ausgehen. Also entschied ich mich für den “Pfusch”-Weg. Per Maschine und per Hand alles so glatt schleifen, wie es geht und dann den Rost per Owatrol-Öl zu stoppen. Wäre ja schade, wenn in zwei Jahren die ganze Arbeit wieder hochkommt.

Bei einer Sache wollte ich aber nicht so sehr pfuschen. Ich habe nun schon relativ häufig auf Autotreffen gesehen, dass Leute, die ihre Felgen auch ohne Abziehen des Gummis lackierten, Sprühnebel auf ihren Reifen hatten. Das finde ich wirklich nicht hübsch. Vor einigen Jahren habe ich im Vorbeigehen mal irgendwo mitbekommen, wie ein Mann zu einem anderen Mann sagte, dass Spielkarten zwischen Felge und Reifen gesteckt, eine Methode wären, sauber abzukleben. Und seitdem mache ich es auch so. Ganz wichtig ist vor dem Grundieren (Ich habe übrigens die Felgen mit der Spraydose lackiert, für den Einsatz einer Sprühpistole ist mein Kompressor auch zu klein) natürlich auch das Reinigen und Entfetten. Ich habe mich schnell mit dem alten Bettlaken und dem Silikonentferner angefreundet.

Ich glaube, den Rest muss ich gar nicht groß ausführen. Wie man lackiert, kann man ja in ganz vielen Do-It-Yourself-Ratgebern oder auf den Etiketten der Spraydosen nachlesen. Viel interessanter ist wahrscheinlich die Farbwahl. Ich hatte es im Hinterkopf, dass es wohl eine zeitlang häufig “Sportstahlfelgen” gab. Die waren in der Mitte häufig schwarz (oder in Wagenfarbe – kommt bei Hein ja auf das Gleiche hinaus) lackiert und der Rand war meist silber. Der Passat 35i hatte das zum Beispiel bei einigen Felgen, wobei der nicht wirklich als sportlich wirken kann. Natürlich bin ich nicht der einzige, der diese Idee schon hatte. Olaf vom OST-Blog hat auf seinem Rallye-Passat auch Sportstahlfelgen in der Kombination Wagenfarbe-Silber. Und Blogleser Lukas fährt ebenfalls schwarz-silberne Felgen auf seinem Golf III. Wobei mir die beiden Beispiele auch erst wieder einfielen, als ich die erste Felge schon fertig lackiert hatte. Achja, die Farben, die ich für Hein genommen habe? In der Mitte hat die Felge Wagenfarbe erhalten – also “Blauschwarz Metallic, 199”, am Rand ist es Silbermetallic – ich meine, sogar auch von Mercedes. Ich hatte noch eine Dose herumstehen, die schon fast leer war. Zum Schluss bekam er noch zwei Schichten Klarlack, die ich aber noch einmal polieren werde, wenn alles so richtig ausgehärtet ist. Damit die Radmuttern nicht so vergammelt in den Felgen hocken, habe ich anschließend auch noch einmal alle poliert.

Und so sieht er fertig aus, der alte Kahn. Vier Tage habe ich für vier Felgen gebraucht und muss sagen, dass ich den Aufwand nicht bereue. Ich bin wirklich recht begeistert Irgendwie wirkt der Wagen für mich nun wesentlich sportlich, aber auch eine Spur eleganter. Klar, er wirkt nicht so seriös wie mit Gullideckel-Felgen und ein sportliches Auto ist das alte Schiff natürlich auch immer noch nicht.

Ich weiß eins jetzt schon. Die Felgen polarisieren. Anscheinend ist bisher noch keiner auf die Idee gekommen, Stahlfelgen so zu lackieren – oder ich habe es bisher nur noch nicht mitbekommen. Gemäß der Einstellung des Projekt “Möglichst wenig Geld ausgeben” hat mich die Felgenaktion übrigens nur etwas Schleifpapier, drei Schleifpads für die Schleifmaschine, etwas Strom und ein bisschen Farbe und Owatrol gekostet. Ich schätze mal, mit 15 Euro wäre das leicht möglich gewesen. Ich hatte alles Zuhause. Die Meinungen zu den Felgen, die ich bisher gehört habe, waren recht eindeutig. Entweder finden Leute es echt klasse – oder laufen grün an und würden sich am liebsten übergeben. Eure Meinung würde mich natürlich auch interessieren. Ich bin wirklich gespannt, wie viele es mögen und wie viele lieber schreiend weglaufen.

Eins weiß ich auf jeden Fall schon mal. Mir gefällt es.

Und nur das zählt doch eigentlich.

Über LarsDithmarschen

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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8 Kommentare zu Felgen machen Autos.

  1. Micky sagt:

    Ach lass die Originalitätsfaschisten doch grün anlaufen und schäumen! Dir muß es gefallen und nur dir!

    P.S. Mir gefällts, weils ein wenig anders ist. Gullideckel und Co hat ja bald mal einer.

    Beste Grüße aus Graz
    Micky

    • LarsDithmarschen sagt:

      Hey Micky,

      das freut mich sehr! Ich hoffe, du siehst die Felgen auch bald einmal live. Aber vielleicht klappt das ja mal.

      Schöne Grüße
      Lars

  2. Mirco sagt:

    Hallo Lars ,

    Bei aller Liebe zur Originalität aber ein bissl Individualismus darf sein und die lackierten Felgen stehen Hein echt gut 🙂

  3. Snnopy sagt:

    Mein Renault 19 hatte die Felgen so lackiert. Von Werk aus. Hatte aber noch Plastikzierkram drauf. Ist mal was anderes. Bicolor Stahlfelgen hatte auch viele andere meiner alten Autos in verschiedenen Mistern. Mein Kadett und machen Spider auch.

    • LarsDithmarschen sagt:

      Hey Christoph!

      “Bicolor”-Stahlfelgen hört sich klasse an. Am Spider hattest du die also auch schon einmal? Ich glaube, das könnte ja auch ganz sportlich aussehen. Ich bin bisher mit dem Ergebnis immer noch zufrieden. Also bleibt es so. Die Alufelgen rennen ja nicht weg 😉

      Schöne Grüße
      Lars

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