Aus Fehlern lernt man

Bevor ich euch mit neuen Schraubergeschichten nerve, erzähle ich euch erst eine ältere.Ich bin euch nämlich noch die weitere Entstehungsgeschichte meiner Hercules schuldig.

Es kann ja nicht immer alles glattgehen.

Viele Leute schieben die Schuld an ihrem Pech auf einen bestimmten Tag der Woche. Laut dem Radiosender N-Joy, der mich morgens immer auf den Weg nach Hamburg begleitet, ist der Tag, an dem die meisten Missgeschicke passieren, ein Mittwoch. Deshalb wird in der Morgensendung von Kuhlage und Hardeland am Mittwoch auch immer der „Mittelfinger-Mittwoch-Song“ geschrieben und gespielt. Andere Leute verstecken sich wiederum unter ihrer Bettdecke, wenn der dreizehnte Tag eines Monats auf einen Freitag fällt. Besonders gerne mag ich aber die Leute, die immer jammern und sich beschweren, wie doof das Leben doch zu ihnen wäre. „Jeder ist seines Glückes Schmied“ ist das Sprichwort, das mir zu diesen Leuten einfällt. Ich versuche immer möglichst positiv durch das Leben zu gehen. Deshalb hat sich mein Ärger über den missglückten Lackierversuch an meiner Hercules MK1 auch recht schnell gelegt. Nützt ja nichts. Passiert ist passiert…

Ein kurzer Rückblick, weil die letzte Geschichte über die Hercules nun auch schon wieder zwei Monate her ist. Wenn ihr ganz clever seid und euch noch daran erinnern könnt, wieso und warum ich das kleine Moped kaufte, was die Bestandsaufnahme vermuten ließ und was bisher so passierte, denn könnt ihr nun einen Absatz weiterscrollen. Für alle anderen, die gerne noch einmal lesen würde, was bisher so geschah, erkläre ich die Geschichte meiner Hercules nun in drei Sätzen. Pfingsten 2019 rief ich einen älteren Herrn an, der aus gesundheitlichen Gründen seine Hercules MK1 von 1977 verkaufen wollte. Ich kaufte das Zweirad rein wegen der berührenden Geschichte. Die Bestandsaufnahme zeigte schnell, dass es ein größeres Projekt werden würde. In der letzten Geschichte erzählte ich euch von der Zerlegung und von meinem Missgeschick beim Lackieren. Okay – es sind doch vier Sätze geworden. Klickt ihr auf die Links, könnt ihr die Geschichten ausführlicher lesen.

Das ging in die Hose

Ungefähr zwei Wochen ließ ich die Hercules unberührt in meiner Garage stehen. Ich ärgerte mich ziemlich über mich selbst. Ich hätte den Rahmen ja gar nicht lackieren brauchen. Die kleinen Rostnarben am Rahmen wären in den nächsten Jahren garantiert nicht schlimm gewachsen und hätten die Stabilität auch nicht so schnell beeinflusst. Doch nun hatte ich den Salat. Während die erste Grundierungsschicht auf den Kotflügel recht gut aussah, war es beim Rahmen gründlich danebengegangen. Überall kräuselte sich die Grundierung. Sie war hatte zwar gut gehaftet, aber sah halt echt nicht schön aus. Ein kurzes Gespräch mit einem befreundeten Lackierer brachten zwei Möglichkeiten zum Vorschein. Entweder hatte ich den Rahmen nicht gut genug entfettet oder die Grundierung hatte mit dem alten, nur angeschliffenen Lack reagiert. Auf jeden Fall müsste alles noch einmal runter. Ich schnappte mir also meine Staubmaske, meinen Schleifklotz und etwas Schleifpapier und machte mich an die Arbeit. Feuer frei!

Schön war es ja nicht gerade, alles abzuschleifen, was ich selbst verbrochen habe. Aber nun gut – wat mutt, dat mutt! Die ganze Schleiferei mochte ich damals schon beim Fitmachen meiner Elsa nicht. Das wäre damals auch fast der Punkt gewesen, an dem ich die Restauration der Buckelvolvo-Dame abgebrochen hätte. All die Vorarbeiten für das Lackieren, die ich übernehmen wollte, haben mich echt verrücktgemacht. So verrückt, dass ich schlussendlich einen tollen Lackierer fand, der alles für mich übernahm. Und nun schliff ich also den Rahmen eines Mopeds noch einmal bis aufs blanke Blech herunter. Seitdem weiß ich auf jeden Fall, dass ich tausend Mal lieber grobe, flächige Karosserieteile schleife, als kleine, verwinkelte Mopedrahmen. Das war echt keine schöne Arbeit. Aber anstatt zu jammern habe ich die Zähne zusammengebissen und weitergemacht. „Umso schneller bist du mit dem Mist fertig!“, dachte ich mir. Ungefähr einen Nachmittag habe ich dafür gebraucht.

Kompromisse muss man eingehen

Wenn man etwas zum ersten Mal so richtigmacht, kann es eigentlich nie wirklich perfekt werden. Natürlich gibt es immer Naturtalente, doch ich gehöre in Verbindung mit einer Lackierpistole eindeutig nicht dazu. Aber es gibt natürlich auch einen guten Grund, warum man als Fahrzeuglackierer eine Ausbildung haben muss. Da gehört schon wirklich viel dazu. Dementsprechend nervös war ich auch, als ich den Rahmen wieder mit einer Schicht Grundierung versah. Doch ich hatte Glück – dieses Mal blieb die Grundierung glatt. Also nicht ganz glatt, aber glatt genug. Auf das Spachteln und Schleifen der Rostnarben verzichtete ich. Genauso auf eine zweite Schicht Grundierung. Nach einer Schicht silbernem Decklack folgte noch eine Schicht Klarlack. Zwar ist der Lack unter dem Tank jetzt nicht ganz glatt geworden – aber das sieht man ja nicht. Der Rahmen ist nun vor Korrosion geschützt und sieht an sichtbaren Stellen zumindest wieder einigermaßen gut aus. Ziel erreicht!

Mehr Glück hatte ich mit der Schwinge oder dem Ständer. Da klappte der Grundierungsdurchgang sofort und auch der Decklack und der Klarlack machten keinerlei Anstalten. Insgesamt drei Lagen Decklack und zwei Schichten Klarlack trug ich auf die Bauteile auf, die immer wieder mit 1000er und 2000er Nassschleifpapier einen Zwischenschliff bekamen. Das war zwar recht aufwändig und ich habe keine Ahnung, ob das sein musste – aber da es im Internet stand, habe ich es so gemacht. Denn das Internet lügt nie, das wissen wir aber ja alle. Wenn das Ergebnis auch nicht perfekt ist (Staubeinschlüsse…), bin ich zumindest einigermaßen zufrieden. Die Schwinge und der Ständer sind ja auch zwei Bauteile, die man immer sehen kann. Da wäre mir das Ergebnis des Rahmens wohl nicht gut genug gewesen – manchmal bin ich leider ein kleiner Perfektionist. Aber das Urteil über meine Lackierkünste überlasse ich lieber euch.

Doch zumindest motivierte es mich!

Das für mich zufriedenstellende Ergebnis ließ mich dann auch an den Kotflügeln weitermachen. Da hatte ich bisher ja nur eine Schicht mit Grundierung draufgebracht, um gut Spachteln und Schleifen zu können. Die Grundierung schliff ich an, entfettete sie und brachte angerührte Spachtelmasse auf. Immer nur in dünnen Schichten, denn es gibt nicht dooferes, als viel zu dicke Schichten wieder runterschleifen zu müssen. Außerdem härten dünne Schichten auch viel schneller aus.  Neben den Rostnarben hatte der vordere Kotflügel auch eine komische Delle. Da musste wohl irgendwann einmal etwas draufgefallen sein. Aber wie dem auch sei – die ganze Schleif- und Spachtelorgie fand an mehreren lauen Sommerabenden statt. Es gibt nichts Schöneres, als in einer angenehmen Wärme abends noch im Garten zu sitzen. Während andere Leute ein Bier trinken würden, schliff ich die Kotflügel und grundierte sie anschließen nochmal. Das Ergebnis freute mich so sehr, dass ich nicht einmal ein scharfes Foto hinbekam.

Beim Decklack und dem Klarlack ging ich dann wieder wie bei den anderen Bauteilen vor. Auf die angeschliffene Grundierung kam eine Schicht Decklack, dann habe ich mit ganz feinem und nassem Schleifpapier geschliffen, dann wieder Decklack, dann wieder ein Schliff, dann wieder Decklack und das Ganze dann auch noch zwei Mal mit dem Klarlack. Auch hier ist das Ergebnis nicht ganz perfekt geworden, doch ich bin damit zufrieden. Vorher waren die rostigen Teile mit Felgensilber übergejaucht, nun glänzen sie zumindest in einem Farbton. Leider habe ich erst ein Foto gemacht, als ich das Moped schon zusammenbaute. Und auch das habe ich wieder verwackelt. Das lag wohl zum einen an meiner Vorfreude auf die erste Fahrt, zum anderen starb meine Kamera zu dem Zeitpunkt schon etwas. Aber so habe ich einen kleinen „Teaser“ auf die nächste Geschichte. Denn auch beim Zusammenbau des kleinen Mopeds ging nicht alles ganz so glatt. Aber das ist bei alten Fahrzeugen ja ganz normal.

So wird die Schrauberei wenigstens nicht langweilig.

Über LarsDithmarschen

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
Dieser Beitrag wurde unter Fiktive Geschichten abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.