„Das sind doch nur Kleinigkeiten…“

Der Satz wird häufig am Anfang einer Schrauberaktion gesagt, die zur Katastrophe wird. Heute im Programm: Nur einmal ganz schnell das Cabrio für die Saison vorbereiten. Ja…

Kilometerstand 242720

Ich weiß ja nicht, welcher Typ von Oldtimerbesitzer ihr seid. Vielleicht gehört ihr ja zu den Leuten, die sich einfach ins Auto setzen, den Schlüssel drehen, die Saison starten und sich später um ihr Auto kümmern? Oder vielleicht doch eher zu den Leuten, die vor der Saison alles schier machen, um möglichst verschleißarm und problemlos durch den Sommer zu kommen? Ich gehöre eher zu den letzteren. Vor der Saison werden alle fälligen Servicearbeiten durchgeführt und ich versuche auch, alle nötigen Reparaturen durchzuführen – wobei ich da ehrlich gesagt oft auch viele nicht so wichtige Dinge auf die lange Bank schiebe. Auch wenn ich es eigentlich nicht mehr will. Das erste Auto, das ich mir für den Saisonstart herausgesucht habe, war Henkelmännchen. Am 22. April 2021 konnte der kleine Golf seinen 41. Erstzulassungstag feiern und sollte zur Feier des Tages eine kleine Kur bekommen. Die To-Do-Liste sah wie folgt aus:

  • Ölwechsel
  • Ventildeckeldichtung erneuern
  • Heizregelventil erneuern
  • Dampfblasenabscheider erneuern
  • Unterdruckschläuche Startautomatik erneuern
  • Verteilerkappe und -finger erneuern
  • Kondensator und Zündkontakte erneuern
  • Scheibenwischerblätter
  • Verdeck-, Lack- und Innenraumpflege

Eigentlich alles Kleinigkeiten, oder? Ja, das dachte ich auch. An einem sonnigen Tag schnappte ich mir also den Schlüssel von Henkelmännchen, stiefelte in die Garage und ging mit ihm auf eine kleine Tour. Zum einen musste ich mir noch neues Motorenöl besorgen, zum anderen sollte das Motorenöl, das in der Ölwanne herumschwappt, erst einmal richtig warm werden, bevor ich es ablasse. Schwebstoffe und so. Ihr wisst schon.

Auf los geht’s los.

Eigentlich hatte ich die Saisonstart-Schrauberaktion schon ein paar Wochen vorher geplant – doch irgendwie war bei einem der größten Ersatzteilhändler im Internet, bei dem ich die meisten Sachen bestellt hatte, irgendwie der Wurm drin. Sechs Wochen musste ich auf meine Golf-Ersatzteile warten – zumindest kam dann das erste Paket an. Und darin war nur das Heizregelventil, nichts von den anderen Dingen, die ich bestellt habe. Auf meine erste Beschwerde-Email kam nur eine automatisch generierte Antwort und von der restlichen Ware war wieder keine Spur. Erst nach einer deutlicheren und bösen E-Mail kam dann eine persönlich geschriebene Antwort und zwei Tage später dann auch die restlichen Ersatzteile. I was not amused. Genau wegen dieser Anonymität kaufe ich lieber beim lokalen Teilehändler. Außerdem unterstütze ich so auch die Arbeitsplätze hier in der Region. Und wirklich teurer sind die Teile dort auch nicht – manchmal sogar deutlich günstiger.

Ich werde nun keine Öl-Diskussion starten, ob es wirklich Sinn macht, jede Saison das Öl zu wechseln und ob das Öl, das ich genommen habe, auch das beste Öl für den kleinen 1,5-Liter-Vierzylinder ist. Ich wechsle das Öl bei meinen Autos mindestens einmal im Jahr oder nach spätestens zehntausend Kilometern – oder fünftausend bei Elsa und Henkelmännchen. Viele sehen das vielleicht als Verschwendung an, ich vertraue da lieber Ölanalysen aus dem Labor. Ein Ölwechsel kostet kein großes Geld, wenn man ihn selbst macht und ich habe immer lieber frisches Öl in den Kanälen als altes. Wenn die Nieren das Blut beim Menschen nicht mehr reinigen können, ist es ja auch doof. Was ich übrigens auch doof finde, sind zu fest angezogene Ölfilter und zu fest angezogene Ölablassschrauben – die Werksangaben, die oft kaum mehr als handfest sind, reichen vollkommen aus. Und man muss sich keinen abquälen, wenn man das Öl wechselt.

Schmierige Sache

Anscheinend ist die „Dichtung der Zylinderkopfhaube“, wie sie wohl eigentlich richtig heißt, auch einmal zu sehr gequetscht worden. Die war kurz nach dem Austausch vor gut 5 Jahren schon undicht. Anstatt sie zu wechseln, habe ich den Grind einfach immer wieder abgewischt. Ich war wohl etwas… ähh… zu faul. Warum das so war, kann ich euch eigentlich gar nicht sagen. Der Ventildeckel ist nämlich eigentlich relativ easy abzubauen. Man muss nur das Luftfiltergeraffel, den Dampfblasenabscheider und den Keilriemen abbauen, um dann die Zahnriemenabdeckung und den Ventildeckel abnehmen zu können. Easy. Also wirklich – auch wenn es sich nun lange anhört, dauert das keine zehn Minuten. Ab und zu sollte man den Zahnriemen kontrollieren, auch wenn das Intervall noch lange nicht erreicht wurde. Der vom Golf hat noch nicht viel gelaufen – und das Alter hat er auch noch nicht erreicht und kann noch ein bisschen bleiben. Aber der olle Grind vom Motorblock musste runter.

Das alte Öl schwappte schon in einem Kanister, die alte Dichtung vom Ventildeckel war schnell im Müll gelandet. Der nächste Schritt war also das Lackieren des Ventildeckels und der Zahnriemenabdeckung. Dafür hatte ich mir hitzebeständigen Lack besorgt, den man für zwei Stunden im Ofen bei 200 festbacken sollte. Vorher sollten aber jegliche Altanstriche entfernt werden. Das war aber recht easy. Das letzte Mal waren die beiden Dinger 2010 mit recht günstigem Sprühdosenlack lackiert werden, der nicht mehr wirklich haftete. Ich ging einmal mit dem Farbradierer darüber – und blinkte nur noch blankes Blech. Das Entfetten und Lackieren waren auch nicht sonderlich aufregend. Nur das Einbacken des Lacks war… äh… etwas eklig. Ihr kennt doch den Geruch von verbranntem Motoröl, oder? Stellt euch den Geruch nun einmal in eurer Küche vor. Auch wenn ich vorher alles sauber gemacht hatte, waren wohl in der Kurbelgehäuseentlüftung ein paar versteckte Öltropfen. Meine ganze Küche war voll mit blauem Ölnebel und stank bestialisch. Aber das Lackfinish war schon cool.

Und noch einmal von vorne.

Etwas benebelt ging ich mit den frisch lackieren Blechteilen in die Garage – und baute wieder alles zusammen. Als ich abends ganz stolz Wolfi aus Graz und Jürgen Bilder von meinem Tageswerk erzählte, fragten beide fast gleichzeitig, ob ich denn auch die Stehbolzen im Zylinderkopf gewechselt hätte. Und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren – oder von den Augen oder so. Die Stehbolzen für den Zylinderkopfdeckel waren für eine Korkdichtung gedacht – und ich hatte eine Gummidichtung bestellt, draufgelegt und gar nicht wirklich geguckt. Doofer und schlampiger Fehler – aber einer, der zum Glück noch rechtzeitig bemerkt wurde. Neue Stehbolzen würde ich auf die Schnelle nicht bekommen, also entschied ich mich, am nächsten Tag eine neue Korkdichtung zu kaufen. Und einen neuen Keilriemen – der hatte nämlich auch schon deutlich bessere Tage gesehen. Ein Bild von der Aktion spare ich euch lieber – sieht zusammengebaut nämlich genauso aus wie vorher. Nur mit tollem Lack.

Etwas weniger leicht ließ sich die Aktion mit dem Heizregelventil fixen. Das war im Laufe der Jahre so undicht geworden, dass es vor einiger Zeit plötzlich Kühlwasser strullte. Es war zwar danach wieder dichter geworden und bildete immer „nur noch“ eine kleine Pfütze – aber das Risiko wollte ich nicht eingehen. Der Austausch ist recht easy. Zwei Schellen los, Schläuche abziehen, fertig. Dann noch die Halteklammer vom Bowdenzug lösen, sie drei Stunden in der Garage suchen, weil sie weggeflogen ist, frustriert eine neue für 1,19 Euro bestellen, vier Tage auf die neue Klammer warten und alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen. Die alte Klammer ist übrigens bis heute nicht wiederaufgetaucht. Was aber aufgetaucht war, war eine leicht nasse Stelle an einem Kühlerflansch, die mir vorher noch nicht aufgefallen war. Schlauch ab, Flansch sauber, Schlauch drauf. Dicht. Zumindest das funktionierte reibungslos.

Zack, Zündschnur!

Ähnlich reibungslos klappte übrigens die Aktion mit der Zündung. Ein bisschen nervös war ich schon, schließlich hatte ich vorher tatsächlich noch nie Zündkontakte oder einen Kondensator gewechselt. Doch das ging wirklich erstaunlich leicht. Motor so drehen, dass der Nocken der Verteilerwelle den Kontakt ganz aufdrückt, alten Kontakt raus, neuen einbauen und mit sauberer Fühlerlehre auf die vorgegebenen Werte einstellen, mit Schließwinkelmesser prüfen – fertig. Und der Zündkondensator war sogar noch einfacher. Eine Schraube los, einen Stecker ziehen und done. Es war übrigens wirklich kein Fehler, die alten Zündkontakte und den Kondensator zu tauschen. Durch den kaputten Kondensator hatte sich schon richtig ein Krater in die gar nicht so alten Kontakte gebrannt – fast schon ein Wunder, dass Henkelmännchen noch so gut lief. Gleichzeitig bekam der Verteiler eine kleine Kur. Die Unterdruckverstellung habe ich geprüft und geschmiert, die Verteilerwelle bekam von innen ein paar Tropfen Öl – und auch von außen einen neuen Ölfilm. Dann mussten nur noch der neue Verteilerfinger an und die neue Klappe an ihren Platz – und fertig.

Also fast. Beim Zusammenbau habe ich dann noch einen neuen Dampfblasenabscheider eingebaut (Der hilft einem Vergaser beim Warmstarten), neue Spritleitungen im Motorraum eingebaut, dann auch noch den metallenen Teil vom Luftfilter lackiert, Öl aufgefüllt, den Öldeckel poliert und mit einer neuen Dichtung versehen, Frotschutz aufgefüllt, das Kühlsystem entlüftet und noch einmal die Zündkerzen kontrolliert. Die waren zwar noch nicht alt, aber ich schau gerne einmal auf das Zündkerzenbild – und das verriet mir, dass Henkelmännchen ein bisschen zu mager lief. Da ich leider keinen Tester habe, muss die Einstellungsarbeit die Werkstatt meines Vertrauens übernehmen – eine Kleinigkeit. Von außen bekam das Verdeck noch etwas Pflege, das Auto wurde gewaschen und gewachst, ein paar neue Zierleistenclips werden die Zierleiste hinten rechts nun hoffentlich besser festhalten, von innen wurde gesaugt und durchgewischt, der Reifenluftdruck kontrolliert und dann doch fertig. Also fast. Nach zwölf Jahren in unserem Besitz bekam Henkelmännchen nun auch die kleinen Karmann-Plaketten am Kotflügel wieder. Ein bisschen was für’s Auge muss ja auch sein.

Momentan steht der kleine Golf in der Werkstatt und wird eingestellt und dann kann die Saison losgehen. Wobei… die Stahlfelgen könnten auch noch einmal neuen Lack gebrauchen. Und die Dichtungen sind hin. Und der Fahrersitz ist unter dem Schonbezug kaputt. Und die Motoraufhängung könnte neue Lager gebrauchen. Und… äh… okay. Langweilig wird so schnell trotzdem nicht.

Aber das sind ja alles nur Kleinigkeiten. Die dauern ja nicht lange.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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