Ein Freund und Helfer

Es gibt Jobs, die schiebt man lange vor sich her. Tage, Monate und in meinem Fall Jahre.Ich habe Hilfe bei einer schon lange fälligen Baustelle an Henkelmännchen bekommen.

Was du heute kannst besorgen…

…das verschiebe stets auf in sechs Jahren. Oder so. Es ist ja schon fast etwas peinlich – aber auch nur etwas. Henkelmännchen hat – seit er in unserem Besitz ist, also immerhin schon 12 Jahre – ein kleines Problem. Ab Tempo 80 wurde es im Auto immer so laut, dass man schreien musste wie Teenager auf einem Justin Bieber-Konzert. Also, wenn der überhaupt noch angesagt ist. Da habe ich jetzt nicht so die Ahnung. Auf jeden Fall wurde es unfassbar laut im Auto. Als ich das letzte Mal mit dem Cabriolet von der Nordsee nach Hamburg fuhr, klingelten auf der Hälfte der Strecke meine Ohren schon so wie damals, als Discos noch richtig offen hatten und man die Musik noch am nächsten Morgen hörte. Ich war immer der Meinung, dass das einfach daran lag, dass Henkelmännchen alt ist und die Autos früher so waren. Doch dann wurde ich eines Besseren belehrt.

Vor gut sechs Jahren, als ich das erste Mal Besuch von dem Mann kam, von dem ich alles gelernt habe, was ich über Autos weiß (Hallo Jürgen!), bekam Henkelmännchen eine andere Diagnose: Die Motorlager wären alle total fertig. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz einmal erklären, was mit den Motorlagern überhaupt gemeint ist. Die Motorlager sind nicht etwas die Kurbelwellen- oder Pleuellager im Motor, sondern die die Lager zwischen Motor oder Getriebe und der Karosserie. Ein Motor ist in den meisten Fällen nämlich nicht starr in der Karosserie aufgehängt, sondern in Gummilagern. Das liegt daran, dass sich Motor und Getriebe während der Fahrt verspannen und bewegen müssen. Außerdem sollen die Vibrationen vom Motor nicht in die Karosserie geleitet werden. Die funktioniert dann wie ein großer Resonanzkörper und es dröhnt ganz furchtbar. Sind die Motorlager kaputt, liegt auch praktisch Metall auf Metall, es dröhnt und der Motor kann sich viel zu sehr bewegen und hüpft fast aus der Karosserie. Und das ist doof.

Sechs Jahre später.

Die Motorlager kaufte ich damals gleich nach der Diagnose mit dem Ziel, sie im nächsten Winter zu ersetzen. Die Motorlager gab es damals nur bei direkt bei VW, der Zubehörhandel war damals noch nicht so gut aufgestellt. Auf jeden Fall kam ich im Winter danach nicht dazu. Im Winter darauf auch nicht. Und im Winter darauf hatte ich auch wieder andere Sachen zu tun. Und ääh… ja. Sechs Jahre waren nach dem Kauf der Motorlager ins Land gezogen – und dann meldete sich Lukas. Ihr kennt Lukas doch sicherlich noch, oder? Der immer gut gelaunte Schrauber aus dem Lipper Land, der auch dieses Jahr beim Watt’n Törn wieder mit seinem bunten Seat Marbella namens „Knut“ am Start war. Lukas erzählte mir, dass er im Oktober mit seiner Familie Urlaub an der Nordsee machen würde und fragte im gleichen Schritt, ob wir das nicht mit den Motorlagern verbinden sollten…

Manchmal braucht man eben einen Tritt in den Hintern. Oder einen Lukas. Es war ein schöner, sonniger Freitag. Ich hatte mir einen Tag Urlaub genommen und hatte schon Elsa repariert (Schon wieder der Benzinschlauch…), als Lukas mit seinem Seat auf den Hof gefahren kam. Lukas ist ein Mann der Taten. Ich hatte Henkelmännchen gerade erst auf der Hebebühne geparkt, als Lukas schon die Motorhaube aufriss und loslegte. Als erstes wollten wir das hintere Lager wechseln. Das Lager, eigentlich kein Motor-, sondern ein Getriebelager, sitzt ganz bescheiden zwischen Rahmen und Getriebe und ist dort einfach nur mit drei Schrauben festgezogen. Das neue Lager hatte ich, wie auch die anderen, von VW Classic Parts gekauft. Und so schlecht war es gar nicht, dass die so lange auf Halde lagen – inzwischen zahlt man für den ganzen Kram fast das Doppelte. Timing ist halt alles.

Let’s rock!

Auch wenn Lukas eher gewohnt ist, mit „richtigen“ Hebebühnen zu schrauben, bin ich mit dem Kauf meiner Bühne immer noch voll und ganz zufrieden. Für mich war es die ideale Lösung. Inzwischen waren, bis auf Elsa und Elch, auch schon alle Autos einmal drauf. Ja, sogar Hein. Den alten Kahn gibt es noch und ich habe auch bald wieder ein kleines Update für euch. Aber erst einmal ist Henkelmännchen dran. Vier Schrauben später (Es war leichter, den Halter abzubauen, an dem das Lager hing) war das olle Getriebelager schon draußen. Und man konnte schon gleich sehen: Es hatte schon einmal bessere Zeiten gesehen. Ich habe keine Ahnung, wie lange die Lager schon in dem Motorraum hängen, denn Henkelmännchens originaler Motor lebt nicht mehr. Vielleicht ist es beim Motortausch gewechselt worden – aber wohl eher nicht. Eine dreiviertel Stunde hat es gedauert, bis das erste Lager drin war.

Das zweite dauerte ein bisschen länger. Das lag nicht daran, dass es ebenfalls nur mit drei Schrauben festgezogen war, sondern eher daran, dass es gepresst war. Und auch wenn ich eine Werkstattpresse habe, hatte ich leider kein passendes Presswerkzeug. Also fuhr Lukas mich kurz in die Werkstatt meines Vertrauens und sie versprachen mir, das alte Lager einzupressen. Also fuhren wir wieder zurück und kümmerten uns um das Lager, das den Motor an der Zahnriemenseite in der Karosserie hält. Das war zwar rein theoretisch auch nur mit ein paar Schrauben fest, allerdings lagen die ziemlich versteckt. Doof das – aber hilft ja nichts. Während ich noch nachdachte, war Lukas schon dabei und hatte den Keilriemen abgenommen. Und die Riemenscheibe der Kurbelwelle – dabei hat er sich übrigens ein bisschen weh getan. Von wegen „Lars tut sich immer weh!“! Es können auch andere! Wobei ich auch ein bisschen geblutet habe, aber das verrate ich heute niemandem. Wirklich nicht. Nur ein bisschen am Finger.

Mögen Sie in Frieden ruhen

Das zahnriemenseitige Motorlager hat uns ein bisschen mehr herausgefordert, doch gab sich schlussendlich auch geschlagen. Und dann ging es wieder in Knut zur Werkstatt meines Vertrauens. Das Lager an der Getriebeseite hatten sie schon eingepresst – und das an der Motorseite kam nun hinterher. Zum Glück, denn das alte Lager war unten komplett rausgerissen – ich glaube, das kann man auf dem Bild ganz gut erkennen. Unten, diese beiden T-Stücke da. Die gehören eigentlich zusammen – sind sie aber nicht mehr. Kein Wunder, dass Henkelmännchen sich ab 80 von innen angehört hat wie vier Bienenstöcke. Die Werkstatt presste mir das Lager auch noch ein, ich zahlte ein bisschen Geld und es ging zurück zum Cabrio.

Das letzte Lager, das irgendwo unter dem Kühler sitzt, war schnell am heimischen Schraubstock getauscht – davon zeige ich euch jetzt aber nur das Bild da oben. Denn auch dieses Mal habe ich von der ganzen Schrauber-Aktion wieder ein kleines Video gedreht. So habe ich in einigen Jahren immer noch eine Erinnerung an einen wunderbaren Schraubertag mit Lukas. Aber schaut doch mal selbst. Es ging auch so einiges schief…

Der Schlauch von der Vergaservorwärmung hatte die Einbauaktion nicht überstanden. Und leider konnte ich auch auf Anhieb keinen Ersatz finden. Erst nach einigen Stunden Herumgooglelei konnte ich den allerletzten neuen Schlauch für die Vergaservorwärmung in Deutschland kaufen. Zumindest scheint es bisher so – ich habe noch keinen anderen wieder gefunden. Genau heute ist der endlich angekommen. Die nächste Geschichte steht also schon parat. Auf jeden Fall vielen Dank für deine Hilfe, Lukas! Das Cabriolet erkennt man nun tatsächlich nicht wieder.

Und ich bin richtig happy darüber.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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2 Antworten zu Ein Freund und Helfer

  1. Lukas Dönecke sagt:

    Ich hoffe, das nächste Mal hast Du Arbeit für den ganzen Tag. 😀

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