Von Rost- und Motivationslöchern

Ist euch einmal aufgefallen, wie viele abgebrochene Projekte im Internet inseriert sind? Heute möchte ich etwas über die Motivation und die Probleme beim Schrauben reden.

Ich war ja wirklich erstaunt!

Ich dachte immer, ihr würdet Hein alle nicht mögen. Zumindest hörten sich echt viele Kommentare so an, die ich zu meinem alten Mercedes so hören musste. „Rentnerkarre“, „Schmeiß weg den Kübel!“ oder „Anzünden!“ waren nur einige der Kommentare, die euch mein rostiger 230E so hervorlockte und die mich motivierten, die alte Limousine doch zu retten. Umso erstaunter war ich, dass ich in den letzten Wochen immer mehr Fragen und Kommentare bekam, wann und wie es denn nun endlich mit Hein weitergehen würde – schließlich ist das letzte Update nun auch schon einige Monate her. Ups. Ja. Ähhm.. Stimmt. Das letzte Update ist schon ein bisschen her. Und das hatte tatsächlich einen guten Grund.

Hein ist rostig. Okay, das ist jetzt keine Überraschung. Weder für euch, noch für mich. Doch was für euch vielleicht ein bisschen überraschend kommen könnte, ist wie rostig Hein so ist. Denn es ist ja nicht so, dass ich in den letzten Wochen nicht an der alten Limousine weitergearbeitet habe. Und mit jedem Stück, das ich mehr am Auto gepult habe, desto mehr Rost und Pfusch habe ich gefunden. Das Bild hier ist nur einmal ein kleiner Vorgeschmack von dem, was euch in der nächsten Hein-Geschichte erwarten wird. Es ist irgendwie frustrierend, wenn aus einem Rostfleck in der Größe einer Briefmarke ein Rostloch wird, durch das ich meinen Kopf stecken könnte. So frustrierend, dass ich einige Zeit Abstand von Hein nehmen musste.

„Ich habe es dir ja gesagt!“

Wahrscheinlich haben einige jetzt schon solche Kommentare in die Tasten gehauen, bevor sie diese kleine Geschichte überhaupt zu Ende gelesen haben. Sollen sie gerne. Ich wusste ja selbst, dass Hein garantiert mehr Arbeit sein wird, als ich dachte. Das war bei Elsa so, das war beim Cabriolet so und auch die Hercules und die Zündapp waren kein Stück besser. Trotzdem kann so ein Projekt sich schon mal überwältigend anfühlen – und das ist tatsächlich auch ganz normal. Darüber habe ich mal wieder ein kleines Video gedreht – und möchte euch danach einfach einmal fünf Tipps geben, wie ihr es hoffentlich schafft, die Motivation beizubehalten. Aber erst einmal philosophiere ich noch ein bisschen:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die drei größten Probleme einer Restauration aufgelistet habe. Aber da bin ich einmal auf eure Erfahrung gespannt, ob ihr vielleicht auf andere Probleme gestoßen seid, die einen ein bisschen demotivieren können. Schreibt sie mir doch gerne einmal in die Kommentare. Aber egal – nun möchte ich einmal fünf Tipps geben, die mir helfen, die Motivation wiederzufinden und die hoffentlich auch euch helfen. Für den Platzmangel habe ich leider keinen wirklich Tipp gefunden, denn da hilft nur eins: Mehr Platz. Und das ist oft nicht leicht…

Tipp Nummer 1: Macht euch eine Liste

Okay – dieser Punkt kann gleichermaßen motivierend als auch demotivierend sein. Zumindest war das bei Hein der Fall. Eine To-Do-Liste hilft ganz besonders, um den Überblick nicht zu verlieren. Mir hilft es dabei immer ganz besonders, jeden kleinen Schritt aufzuschreiben. Dadurch wirkt die Liste zwar wirklich lang, aber man kann auch öfter etwas von der Liste streichen – und das motiviert wirklich ungemein. Doof kann es nur werden, wenn die Liste immer länger wird, weil immer neue Baustellen aufploppen. So wie bei einem gewissen, schwarzen Mercedes.

Tipp Nummer 2: Schaut euch Videos und Fotos an

Also jetzt keine Katzenvideos oder so. Schaut euch Videos zu dem Auto/LKW/Motorrad an, dem ihr neues Leben einhauchen wollt. Am besten welche, wo baugleichen Modelle von euren Schätzchen auch gefahren werden. Das hört sich jetzt vielleicht doof an, aber mir hat es tatsächlich geholfen, ein paar Videos über die 124er Baureihe von Mercedes zu schauen. Irgendwie kommt ja doch oft das Fahrgefühl bei Videos ein bisschen rüber – und zumindest mir geht es so, dass ich mit meinen Autos auch fahren will und sie nicht nur zum Herumstehen gekauft habe. Eine gute Quelle neben YouTube ist übrigens auch Instagram. Dort gibt es auch von jedem Auto richtig schöne Videos und Fotos zu entdecken. Fotos sind übrigens auch noch eine Sache: Ich habe mir viele Reisefotos von Hein angeschaut, das hat mir auch geholfen, neue Motivation zu finden. Der nächste Roadtrip ist schon in Planung…

Tipp Nummer 3: Sucht euch Schrauberhilfe

Wer an Autos schraubt, hat meistens auch schraubende Freunde. Zumindest hoffe ich für euch, dass ihr nicht so schraubende Eigenbrödler seid, die von Menschen nichts wissen wollen und sich nur mit ihren Autos unterhalten. Auf jeden Fall sind Freunde (natürlich nicht nur) beim Schrauben eine riesige Hilfe. Arbeiten, die einem überhaupt keinen Spaß machen, sind zu zweit auf einmal wesentlich einfacher und ruckzuck fertig. Meistens zumindest – aber selbst festgerostete oder abgerissene Schrauben nerven nicht so stark, wenn man zu zweit dabei ist. Und das beste: Wenn ihr euch zum Schrauben verabredet habt, dann ist das irgendwie ja auch eine Verpflichtung. Ihr müsst also schrauben. Und wenn dann etwas fertig ist, ist die Motivation auch gleich viel größer.

Tipp Nummer 4: Macht ruhig einmal eine Pause

Manchmal ist der Akku einfach leer. Dann hilft es auch nicht, wenn man auf Krampf weiterarbeitet. Pausen müssen sein. Das zählt nicht nur für die Arbeit, sondern auch für das Hobby. Wenn die Luft raus ist, hat man nur keine Lust mehr, man arbeitet auch deutlich unkonzentrierter. Und dann ist das wie ein Teufelskreis: Man arbeitet unkonzentrierter, man pfuscht mehr und schwupdiwup, geht mehr schief und man verliert die Lust. Müsst ihr ein Auto also nicht zwingend sofort auf die Straße bringen, dann macht ruhig einmal Pause. Das können gerne auch einmal vier Wochen sein – hauptsache ihr bekommt den Hintern wieder hoch und macht irgendwann weiter. Denn ist die Pause zu lang, dann war es das meistens…

Tipp Nummer 5: Stück für Stück

Das ist schon ein bisschen so wie die To-Do-Liste – aber es hilft tatsächlich. Arbeitet Baustelle für Baustelle ab und fang nicht zu viele auf einmal an. Weil dann verliert ihr schnell den Überblick und seht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr – deshalb ist auch recht gefährlich, mehr als ein Projektauto zu haben. Dann wird nämlich nie eines fertig. Ich konzentriere mich bei Hein gerade exklusiv auf den Radlauf hinten links. Erst wenn der wieder aussieht, wie er soll, werde ich die nächste Baustelle in Angriff nehmen. Deshalb dauert es auch ein bisschen, bis ihr neue Updates bekommt. Aber so verrenne ich mich nicht. Und ist erst einmal eine Baustelle fertig, ist die Motivation für die anderen Baustellen wieder umso größer.

Keine Ahnung, ob diese fünf Tipps für irgendjemanden interessant sein können oder ob ich die jetzt nur für mich aufgeschrieben habe, um mich daran zu erinnern, wie ich auch in Zukunft Motivation wiederfinden werde. Denn bei einer Sache bin ich mir sicher: Von einem Auto lass ich mich nicht unterkriegen.

Und von Hein schon gar nicht.

 

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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