Guter Pfusch ist keine schlechte Arbeit

Heute möchte ich mit euch über das Thema „zeitwertgerechte Reparaturen“ sprechen. Die einen nennen es zumindest „Reparaturen“, andere nennen es einfach nur „Pfusch.“

Keine Sorge.

Auch wenn Henkelmännchen auf dem Titelbild dieses kleinen Artikels steht, meine ich nicht ihn mit „zeitwertgerechten Reparaturen“. Eine olle, „zeitwertgerechte“ Reparatur aus den 80er Jahren habe ich an dem Cabrio im letzten Jahr beseitigt. Die Hinterachsaufnahme war nur übergebraten und dichtgeschmiert. Früher typisch, heute ärgerlich. Denn hätte man damals einfach gleich richtig gearbeitet, wäre es viel weniger Aufwand gewesen. Aber zurück zum Thema. Warum ich euch oben Henkelmännchen zeige, könnt ihr gleich weiter unten nachlesen. Ich habe noch ein viel besseres Beispiel für so genannte „zeitwertgerechte“ Reparaturen für euch. Und zwar meinen alten Mercedes, der (eigentlich gar nicht) auf den Namen „Hein“ hört.

Hein ist ein gebrandmarktes Kind. Der alte Kahn hat sieben Vorbesitzer, die es nicht alle so gut mit ihm meinten. Naja, vielleicht meinten es die Besitzer gar nicht so schlecht mit ihm – ansonsten wäre er wohl schon lange als Cola-Dose unterwegs. Aber er hat schon viele Werkstätten von innen gesehen, die es mit ihm nicht so gut meinten. Schon gleich nach dem Kauf vor viereinhalb Jahren fiel es mir auf. Damals wollte ich einen Ölwechsel am alten 230E machen und sah mit großem Horror, dass die Ölablassschraube rundgedreht war. Für alle, die nicht täglich schrauben: Bei Hein wird sie mit 25 Nm angezogen – das ist noch einen Tick mehr als nur handfest. Wenn man sie zu stark anzieht, kann man die Ölwanne beschädigen – besonders, wenn sie aus Aluminium ist. Heins Ölablassschraube war sogar so festgezogen, dass die Schraube in Anzugsrichtung rundgedreht war. Es hatte die Schraube also jemand so festgeballert, dass der Sechskant der Schraube nachgegeben hatte.

Aber wieso?

Das ist eine Frage, die ich mich damals mit einem Ruhepuls von 180 recht häufig gefragt habe. Eigentlich hätte ich damals bei der Werkstatt anrufen müssen, denn tatsächlich habe ich immer noch die Rechnung von dem Ölwechsel. Und ab und zu komme ich auch mal an der KFZ-Bude vorbei und frage mich, ob dort alle Autos so behandelt werden. Ein anderes Beispiel fällt mir gerade noch ein. Ein Golf III, dessen Besitzerin gesagt wurde: „Kipp einfach irgendein Kühlmittel rein, das geht schon“. Und ich weiß, dass sich diese Einstellung auch unter vielen von euch in den Kopf gesetzt hat. Die ist aber schlichtweg falsch. Es gibt einen Grund, warum Glysantin für verschiedene Autos verschiedene Kühlmittel vorschreibt – und wenn man sie einfach miteinander mischt, kann es zu bösen Schäden kommen. Die Besitzerin vom Golf III wusste es zum Glück besser. Der Ex-Besitzer dieses Fiats, der seit einigen Jahren in einer Scheune auf neues Leben wartet, wusste es hingegen nicht. Und auch wenn man es auf dem Foto nicht so gut sieht: Der Block ist tief zerfressen. So tief, dass man ihn nicht mehr reparieren kann.

Aber Hein bietet noch mehr Beispiele. Ich schweiße seit Mai 2021 an dem alten Benz herum – und finde immer mehr Stellen, an denen gepfuscht wurde. Und das halten mir Fans der Marke Mercedes oft vor. Also, dass ich ja so über Mercedes meckern würde, obwohl an dem Auto viel gepfuscht wurde. Was sie nicht sehen: Es wurde nur gepfuscht, weil die Stellen schon vor 10, 15 Jahren durch waren. Aber egal. Ich habe mich schon oft gefragt, warum dort so herumgemurkst wurde. Schweller wurden mit geklebten (nicht verschweißten!) Blechen und viel Unterbodenschutz repariert, Radläufe waren geklebt und gespachtelt – und so weiter und so fort. Auch hier weiß ich, dass ein Großteil der Reparaturen von Werkstätten durchgeführt wurden. Doch warum? Wollte der Kunde nichts zahlen? Sahen sie es als letzte HU für den alten Daimler? Oder ging es einfach schneller, einfach ein bisschen zu pfuschen anstatt etwas richtig zu schweißen?

Genug gemeckert.

Zumindest fast. Ihr merkt schon – das Thema regt mich auf. Ähnlich wie „wirtschaftlicher Totalschaden“, was ich bei einer komplett krummen Karosserie verstehen kann, aber nicht unbedingt, wenn ein Fahrwerk überholt gehört. Das ist wohl eher ein Wohlstandsproblem. Aber… tut mir noch einen Gefallen. Wenn ihr selbst an eurem Auto arbeitet und ihr nur etwas „quick and dirty“ reparieren wollte, nehmt euch etwas mehr Zeit und macht es gleich richtig. Und kauft euch gute Teile – dann habt ihr am längsten etwas von eurem Auto. Und Pfusch? Bitte nur mit Bedacht und in Notsituationen… und nun kommt Henkelmännchen ins Spiel.

Henkelmännchen hatte seit einigen Wochen ein kleines Problem: Er verlor Öl an der Ölablasschraube. Doof, denn Öl hat nichts in der Umwelt und auch nichts auf meinem Garagenboden zu suchen. Im Motor ist es viel praktischer. Daraufhin kaufte ich mir eine neue Ölwanne, denn die Ölwanne im Cabrio war schon lange nicht mehr so toll. Die Schraube ließ sich immer schwer raus- und wieder reindrehen. Die neue Ölwanne machte ich blank, lackierte sie neu, baute die alte aus, die neue ein und… äh… ach. Schaut doch einfach mal das Video:

Genau. Die neue Ölwanne passte nicht. Noch nicht. An Henkelmännchen ist vor einigen Jahren mal ein anderer Motor reingekommen und der scheint nicht mehr so ganz original zu sein. Und auch nicht mehr so gut. Olaf von Altblechfieber (Keine Werbung, nur ein Tipp. Ich habe alle Rechnungen dort bezahlt) hat einen Motorschaden diagnostiziert. Auf dem zweiten Zylinder ist kaum mehr Kompression da. Heißt: Neben Hein habe ich ein weiteres Winterprojekt. Henkelmännchens Motor braucht ein bisschen Arbeit und die soll er auch bald bekommen. Eventuell macht die Kopfdichtung Ärger, vielleicht sind es auch die Kolbenringe. Aber das zeige ich euch dann. Was ich euch nicht zeige: Wie ich das Gewinde mit der Ölablassschraube nachgeschnitten habe. Es ist nämlich pfusch – ist aber tatsächlich dicht.

Guter Pfusch ist schließlich keine schlechte Arbeit.

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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2 Antworten zu Guter Pfusch ist keine schlechte Arbeit

  1. Wolf - the one and only sagt:

    „Guten Pfusch“ nennt man doch improvisiert…

  2. thorsten sagt:

    Ey Lars,

    das ist mein Thema. Weil eigentlich bin ich ja Pfuscher…..

    Schlechte Reparaturen sind eins, finde ich auch oft genug und würde ich eher als inkompetent bezeichnen. Aber aus gutem Pfusch entsteht auch mal ein Reparatursatz, den ich mich zu verkaufen traue. Bei meinem Arbeitgeber gibts dann nachhaltige Reparaturlösungen für Teile zu kaufen, die nicht mehr erhältlich sind. Ist ja auch irgendwie Pfusch, wenn ich das nicht durch ein Neuteil vom Vertragshändler in der Vertragswerkstatt austauschen lasse. Würde mir zumindest der Serviceberater von denen so verkaufen. Aber es ist nachhaltig und manchmal besser, als es original je war.

    Also nennen wir es nicht Pfusch, sondern nachhaltig-endgültiges Provisorium. Klingt auch gleich seriöser.

    In diesem Sinne: fröhlich weiterpfuschen 😉

    Grüsse in den Norden vom Thorsten

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