Immer am Ball bleiben.

So toll es auch ist, mehr als ein Auto zu besitzen: So ein Fuhrpark sorgt für echt viel Arbeit.Oft ist die Versuchung groß, einige Baustellen etwas aufzuschieben. Ich will das ändern.

Ich hätte doch in Glückstadt tanken sollen.

Nach einer stressigen Woche ist so eine kleine Sonntagstour durch das sonnige Schleswig-Holstein für mich genau das richtige, um ein bisschen zu entspannen. Tief in mir schlummerte ein Verlangen nach Matjesbrötchen und so war das Ziel mit „Glückstadt“ auch schnell festgelegt. Als fahrbaren Untersatz hatte ich Henkelmännchen ausgewählt. Zum einen hatte ich den mit frischem Motoröl schon für das Frühjahr fit gemacht, zum anderen hatte ich einfach Lust, mit dem kleinen Golf durch die Gegend zu fahren. Das Dach musste dabei aber zu bleiben – mit vier Personen war es ohne Windschott noch zu zugig. Die Fahrt nach Glückstadt verlief ganz entspannt. Henkelmännchen flitzte fröhlich mit uns über die leeren Landstraßen, eine Bäckerei in Glückstadt versorgt uns mit leckeren Matjesbrötchen. Erst die Rückfahrt wurde etwas spannender…

„Müssen wir Henkelmännchen jetzt gleich von der Fähre schieben?“ Ehrlich gesagt – so ganz sicher war ich mir nicht, als ich die Frage gespielt selbstbewusst verneinte. Ich hatte es verpennt, in Glückstadt noch einmal zu tanken – und die einzige Tankstelle zwischen Glückstadt und Brunsbüttel war dank eines kaputten Kartenlesegeräts geschlossen. Aus eigener Erfahrung wusste ich, dass Henkelmännchens Tank fast ganz leer ist, wenn er den Anfang des roten Bereichs erreicht hat. Ein Glück sprang Henkelmännchen nach dem Überqueren des Nord-Ostsee-Kanals doch noch an. Und dank einer SMS an meinen Kumpel Karsten, die ich mit kaltem Schweiß auf der Stirn in mein Handy getippt hatte, kamen wir auch gerade noch mit an einer geöffneten Tankstelle an. Als ich dort stand und genug Benzin für die Heimfahrt in den Tank gluckern ließ, nahm ich mir fest vor, dass mir so etwas nicht noch einmal passieren sollte.

Es war nämlich nicht das erste Mal…

„Wieso hat der Watt’n Schrauber denn vor dem Antritt der Reise nicht einfach vollgetankt?“, werdet ihr euch vielleicht fragen. Und genau das fragte mich auch einmal mein Kumpel Jürgen, als wir auf der Rücktour von einem Teilemarkt ebenfalls mit kaltem Schweiß auf der Stirn nach einer Tankstelle suchten. Die Antwort ist recht leicht: Irgendwo am Tank ist ein Benzinschlauch von Henkelmännchen porös – wahrscheinlich der Überlauf. Und immer, wenn ich volltanke, stinkt es nach Sprit. Irgendwo muss also etwas austreten. Ich weiß – ganz ungefährlich ist es nicht. Als es mir das erste Mal auffiel, schaute ich kurz danach auf einer Hebebühne, wo der Sprit denn auftreten könnte. Als ich dann sah, wie viel Aufwand es erschien, die Spritleitungen zu ersetzen (Wenn ich schon dabei bin, mache ich natürlich alle neu), entschied ich mich dazu, die Arbeit auf den nächsten Winter zu verschieben. Das war vor vier Jahren.

Das Prokrastinieren muss aufhören.

Ich weiß, das hört sich aus dem Mund eines Studenten so an, als würde ein Veganer schreien, man solle endlich mehr Hamburger essen – aber ich meine es ganz ernst. Meine Lieblingssendung auf YouTube ist „Barn Find Hunter“. In dieser Serie fährt der Autor Tom Cotter durch die USA und sucht nach alten, vergessenen Autos und deren Geschichten. Und in den 56 Folgen, die bisher bei YouTube zu sehen sind, zieht sich eine Sache wie ein roter Faden durch alle Geschichten. Fast jeder Autosammler dort hat ein, zwei oder zwanzig Autos irgendwo herumstehen, die wohl mal gefahren sind, aber momentan stehen, weil sie „nur ein bisschen Arbeit brauchen“. Auch wenn die Autos vielleicht irgendwann einmal restauriert werden sollen – oft sieht man schon auf dem ersten Blick, dass die Standzeit und die Vernachlässigung den Autos meist den Rest gegeben haben.

Als ich dann neulich noch den Artikel „Das Sammlungs-Dilemma“ gelesen habe, den Lukas Wieringer auf Alltagsklassiker veröffentlichte, wusste ich gleich: Auch ich muss etwas ändern. Ich kenne nämlich auch einige Sammler, die ihre eigentlich tollen Autos in die Ecke stellen, weil zum Beispiel der Wärmetauscher kaputtgegangen war. Gut, der Tausch eines Wärmetauschers ist häufig mit dem Ausbau des Armaturenbretts recht aufwändig – aber das Wiederbeleben eines Autos nach fünf oder sechs Jahren Stillstand ist meist noch mehr Arbeit. Vor allem haben sich die Mängel, warum das Auto überhaupt weggestellt wurde, ja auch nicht von selbst repariert. Elsa war ja auch so ein Fall. Ich tippe, dass die Rostschäden beim Wegstellen in eine feuchte Scheune 1999 auch nicht so schlimm waren wie 2013, als ich sie gekauft habe.

Also – ich will und muss etwas ändern.

Auch wenn meine Autos die letzten zwei Jahre alle zuverlässig gefahren sind und es momentan auch tun – die To-Do-Listen sind bei allen Autos inzwischen doch ganz schön gewachsen. Henkelmännchen braucht nämlich neben neuen Spritleitungen auch noch neue Dichtungen am Verdeck, einen neu aufgepolsterten Fahrersitz und neue Motorlagerungen. Und auch Elsa braucht noch einiges an Aufmerksamkeit, von Hein ganz zu schweigen. Und dann ist da noch meine Zündapp, die seit über einem Jahr unbewegt in der Garage steht, weil ein Bowdenzug gerissen ist. Eigentlich eine Kleinigkeit, die ich schon längst hätte reparieren können. Man muss es halt nur einmal tun. Und genau das ist jetzt auch mein Plan. Ab jetzt will ich mir jeden Monat ein Wochenende freischaufeln, an dem ich die Baustellen meiner Autos nach und nach abarbeite. Das wird zwar Geld kosten, aber wenn alle Baustellen auf einmal kommen, wird es wohl deutlich teurer.

Zudem erhoffe ich mir noch einen tollen Nebeneffekt: Wenn alle Baustellen abgearbeitet sind, kann ich meine Autos auch noch besser nutzen. Und mehr Spaß mit ihnen haben. Und vielleicht bleiben sie dann ja auch so zuverlässig, wie sie es bisher waren. Einige Ersatzteile habe ich bestellt, relativ viele liegen sogar schon relativ lange in der Werkstatt herum. Also werde ich mir in den nächsten Wochen ein Wochenende freischaufeln und sie endlich einmal einbauen. Aber darüber werdet ihr hier natürlich auch zu lesen bekommen. Und wenn ich damit fertig bin, fahre ich vielleicht einmal mit Elsa nach Göteborg. Oder mit Henkelmännchen an den Gardasee. Ohne alle fünfzig Kilometer an eine Tankstelle denken zu müssen.

Ach, das wird herrlich!

Über LarsDithmarschen

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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6 Antworten zu Immer am Ball bleiben.

  1. thorsten sagt:

    Hey Lars,

    ich will dich ja nicht beunruhigen, aber um deinen Spritverlust solltest du dich mal kümmern. Falls du einen Dampfblasenabscheider aus Kunststoff hast, wäre ein neuer auch gleich noch empfehlenswert. Ich kenne da jemanden, der hatte mal einen Vergaser-Golf 2. Die Betonung liegt auf “hatte”….
    Der Entlüftungsanschluss oben am Einfüllstutzen ist übrigens häufig vor Dreck und Wasser kapitulierend abgerostet, der Tank selbst ist ja auch noch aus Stahl und bedarf auch eines genau prüfenden Blickes. Dort gern in der Mitte, wo die Hälften verschweisst sind. Keine Panik, es ist beides im Zubehör erhältlich und einigermassen preiswert. Da würde ich auch keinen Gammeltank aufbereiten.

    Dann mach mal! Das mit den Baustellen, da war was…

    • LarsDithmarschen sagt:

      Hey Thorsten!

      Vielen Dank für die Tipps!

      Der Tankanschluss scheint noch okay zu sein – es ist tatsächlich der Schlauch vom Überlauf porös. Einen neuen Dampfblasenabscheider habe ich neulich bestellt, Henkelmännchen fällt der Warmstart nämlich immer schwerer. Mal sehen, ob ich den noch bis zur nächsten Rallye ausgetauscht bekomme. Ich muss auch mal den Tank nachschauen, wie ich da am besten Arbeiten kann. Weißt du, ob ich da die Hinterachse rausnehmen muss? Das wäre ohne Bühne natürlich doof.

      Erst einmal ist Elsa dran. Neue Federn hinten, Benzinpumpe abdichten, Ölwechsel, Bremsflüssigkeitswechsel, Abschmieren – das übliche halt 😉

      Schöne Grüße
      Lars

  2. Stefan200 sagt:

    Moin Lars,
    Konsequenterweise solltest du mit dem Cabrio nach Osnabrück fahren. Und mit dem Benz dach Stuttgart…
    Und du hast Recht. Mein GTI von 1977 steht auch schon seit ca 15 Jahren in der Garage, zerlegt, und wartet darauf, daß ich weitermache. Der Motor und vor allem die Einspritzanlage werden dann wohl aufwendig überholt werden müssen…

    • LarsDithmarschen sagt:

      Hey Stefan,

      mit dem Cabriolet einmal nach Osnabrück zu fahren habe ich tatsächlich vor – dieses Jahr gibt es das Golf Cabriolet ja vierzig Jahre und Henkelmännchen ist eines des ersten Modelljahres. Mal sehen, ob Karmann/VW mir die Freigabe gibt, da einmal ein paar Fotos zu machen.

      Dein GTI hat wahrscheinlich die K-Jetronic, oder? Da hat Olaf vom OST-Blog tolle Beiträge dazu verfasst, wie er seinen Passat GT wiederbelebt. Gibt es denn ansonsten am GTI noch viel zu tun? Oder sind es eher Standschäden?

      Schöne Grüße
      Lars

  3. Michael sagt:

    Moin

    Ich kenne vom Golf I die Problematik das die Tanks oben im Bereich zwischen Tank und Bodengruppe durchgegammelt sind, und das war zu Zeiten als Golf I als Limousinen noch in großer Zahl im Alltag zu sehen waren, das ganze nur als Denkanstoß bevor du los legst

    Gruss Michi

    • LarsDithmarschen sagt:

      Hey Michi!

      Vielen Dank für den Tipp! Ich muss da tatsächlich mal nachsehen. Ich weiß, dass der Tank nicht sonderlich alt ist – und rein optisch sieht es tatsächlich so aus, als wäre es nur der Überlauf. Wenn ich den Tank zu 95% vollfülle ist auch noch alles in Ordnung. Aber ich muss mal sehen. Auf jeden Fall eine Baustelle für die nächsten Wochen.

      Bis zur ersten Rallye sollte er gerne fit sein – auch, wenn ich ihn dann nicht fahre 🙂

      Schöne Grüße
      Lars

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