Watt’n Chaos – 2021 im Rückspiegel

Früher habe ich den Satz: „Man das Jahr ging fix rum!“ nie verstanden. Inzwischen schon. Zum Ende des Jahres mal wieder ein kleiner Jahresrückblick. Das ist 2021 alles passiert.

Ich war darauf nun echt nicht vorbereitet.

Wirklich nicht. Ich war eben echt ganz erschrocken, dass schon der 31. Dezember ist. Irgendwie bin ich mit dem Jahr 2021 noch gar nicht fertig und habe bis eben noch nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, das Jahr in watt’n schrauberscher Manier einmal Revue passieren zu lassen. Ich weiß, dass vielen von euch die Jahresrückblicke bei Instagram oder bei Facebook und bestimmt auch bei Tiktok auf den Keks gehen. Geht mir ähnlich. Aber Watt’n Schrauber ist mein ganz persönliches Tagebuch und ich sehe jedes Jahr als ein kleines Kapitel. Und ein Kapitel ohne Ende? Irgendwie doof. Und auch wenn ich dieses Jahr nicht so viele Geschichten veröffentlicht habe, ist doch echt eine Menge passiert.

Ich habe gerade einen Blick in den Jahresrückblick 2020 geworfen. Irgendwie muss ich ziemlich genervt gewesen sein, als ich die Zeilen tippte. 2020 habe ich als „beschissenes Jahr“ bezeichnet. Lockdown, Covid – ich konnte mir wohl damals einfach nicht vorstellen, dass es 2021 so weitergehen würde. Tja. Falsch gedacht. Aber 2021 würde ich für mich persönlich nicht als beschissenes Jahr bezeichnen. Ich habe mich beruflich verändert und es noch keine Sekunde bereut und auch privat kann ich mich durchaus glücklich schätzen. Ich habe trotz Corona viel Zeit mit ganz tollen Leuten verbracht und auch viele neue Freundschaften geschlossen, die ich nicht mehr missen möchte. Auch für mein Hobby, die alten Karren, über die ihr hier viele Geschichten lesen könnt, hatte ich noch genügend Zeit. Zum Glück, denn dieses Jahr war ein bisschen der Wurm drin… Aber das erzähle ich euch nun mal Schritt für Schritt. Immer mit einem ganz aktuellen Bild.

Dag, mjn vriend!

Das ist niederländisch und heißt „Tag, mein Freund“ – aber wahrscheinlich hätte ich euch das gar nicht übersetzen brauchen. Viel habt ihr von meinem Volvo V40 dieses Jahr nicht zu lesen bekommen. In ganzen zwei Geschichten taucht er auf. Einmal bin ich mit ihm zum Sandmann nach Kiel gefahren, um an einem Mercedes zu schrauben und einmal war ich mit ihm auf dem Volvo-Treffen am Tierpark Eekholt – eines der wenigen Autotreffen, die ich dieses Jahr angesteuert habe. Ansonsten hat der Kombi, der vor 18 Jahren im niederländischen Born vom Fließband gerollt ist, das gemacht, was er am besten kann: Er hat mich auf langen Strecken komfortabel begleitet. Ganz unspektakulär. Viele Kilometer sind dieses Jahr nicht zusammengekommen. Ich glaube, es waren knapp unter 5000 Kilometer. Fast jeden einzelnen Kilometer davon habe ich genossen.

Ich weiß, andere würden das eher über einen sportlichen Kompakt- oder einen Sportwagen sagen und es nicht gerade von einem Volvo Kombi mit einem eher müden 1,8 Liter-Vierzylinder behaupten. Aber ich bin nicht andere. Der V40 war mein erstes Auto und irgendwie hänge ich extrem an ihm – deshalb habe ich ihn vor sechs Jahren ja auch einfach behalten, als ich mir einen Golf für den Alltag kaufte. Ich weiß – ihr kennt die Geschichte. Soll ich mal lieber über Probleme sprechen? Gar keine. Bis auf Lederpflege, Lackpflege und Tanken habe ich tatsächlich nichts am V40 tun müssen, er lief absolut problemlos. Und weil er das so problemlos machte, bekam er kurz vor Weihnachten noch einen großen Service mit neuen Flüssigkeiten und einem neuen Zahnriemen. Achja – und neue Winterreifen. Aber die Geschichte erzähle ich euch bald.

Der Diesel-Dackel

Ganz ehrlich? Als ich den roten Golf 4 Variant „Special“ vor etwas über fünfeinhalb Jahren gekauft habe, hätte ich nie gedacht, dass ich den roten Kombi solange fahren würde. Doch irgendwie… er ist schon ein echt verdammt gutes Alltagsauto. Er ist kompakt, hat aber trotzdem viel Platz, er ist sparsam und trotzdem flott genug. Die Klimaanlage kühlt, das Radio spielt und der Kofferraum ist groß genug für allerlei Unfug. Achja – und die Ersatzteile sind in der Regel recht günstig. Und das war am Anfang des Jahres tatsächlich auch mal nötig. Mein sonst so zuverlässiger Golf TDI war wohl etwas eingeschnappt, dass er es anstatt auf 50 000 Kilometer im Jahr (Das fuhr ich vor Corona) dank Corona auf nicht einmal 20 000 Kilometer gebracht hat. Es ging nämlich ein bisschen was kaputt…

Das Jahr fing mit einem Anlasser an, der nicht mehr wollte. Erst versuchte ich ihn zu reparieren, tauschte ihn dann aber doch lieber gegen ein Gebrauchtteil mit Garantie – der bis heute super funktioniert. Doch Ruhe hatte ich so schnell nicht. Im März wollte ich Harald aus der Garage fahren, als ich beim Lenken ein unfassbar grässliches Geräusch hörte. Nach fast 360 000 Kilometern und 20 Jahren war eine vordere Feder gebrochen. Und zwar an der oberen Windung und schoss am Federteller vorbei und klemmte im Federdom. Doof das. Richtig doof das. Eine eigentlich kleine Sache wurde zur Katastrophe. Man kennt es. Aber seitdem ist Harald auch wieder brav. 16 000 Kilometer hat er mich in diesem Jahr bewegt. Außer einem Ölwechsel und der jährlichen Konservierungsaktion lief und lief und lief er. Und wird es hoffentlich noch einige Jahre tun.

Oben ohne unterwegs

Wenn wir schon beim Thema „Golf“ sind, dann kann ich nun auch kurz Henkelmännchen abfrühstücken. Auch hier ist gar nicht so viel passiert. Im Frühjahr habe ich die To-Do-Liste des Cabrios um wirklich einige Punkte abgearbeitet. Es war mir einfach zu doof, Sachen immer weiter auf die lange Bank zu schieben. Davon wird ein Auto ja nicht besser. Im Spätsommer war dann noch einmal mein Kumpel Lukas da, der mir geholfen hat, die Motorlager zu wechseln. Der Schlauch der Vergaservorwärmung überlebte die Aktion leider nicht – und zu meinem Glück konnte ich den wohl letzten neuen Schlauch ergattern. Ansonsten? Gibt es gar nicht so viel zu berichten, denn ganz unspektakulär läuft auch Henkelmännchen recht zuverlässig. Nur der Fahrersitz sollte nun dringend mal eine Kur bekommen, genauso der Vergaser. Momentan läuft Henkelmännchen nämlich etwas zu fett und qualmt schwarz. Nicht so toll – aber Kleinigkeiten. Erst einmal darf er sich bis zum nächsten Jahr ausruhen.

Der Star des Hauses

Elsa ist wohl euer aller Liebling. Wenn sich die Leser, die schon so richtig lange dabei sind, mal alt fühlen wollen: Es ist schon mehr als acht Jahre her, dass ich das Wrack in Dänemark gekauft habe. Damals war ich 17, inzwischen bin ich 25 und bereue den Kauf von Elsa auch immer noch keinen einzigen Tag. Auch wenn mich die alte Dame dieses Jahr so ein bisschen genervt hat. Das erste halbe Jahr lief der PV444 LS aus dem Jahre 1957 ohne Probleme. Ich unternahm die ein oder andere schöne Tour mit Elsa und sie schien es zu freuen. Ohne Murren zog sie treu ihre Runden und ich erlebte mit ihr viele, lustige Geschichten. In der zweiten Hälfte der Saison wendete sich das Blatt etwas.

Als ich kurz vor Watt’n Törn tanken wollte, pisste Elsa auf einmal das teure Super Plus, das ich gerade in den Tank gefüllt hatte, gleich unten wieder raus. Bei strömendem Regen und Gewitter habe ich sie dann repariert. Kurz danach nervte der Vergaser – anscheinend kam irgendwie Dreck in eine Düse. Und auf dem Watt’n Törn? Da merkte ich, dass die Benzinpumpe undicht war. Anscheinend war meine Reparatur nicht sonderlich gut, denn kurz vor der Fichtenhain-Rallye (Elsa machte hier den ersten Platz in ihrer Klasse) war die Benzinpumpe wieder undicht. Und vor dem Volvo-Treffen in Eekholt war der Überlauf vom Tank schon wieder undicht – dieses Mal lag es an einer Schelle und nicht an einem porösen Schlauch. Die restliche Saison ließ ich dann mit einigen kleinen Touren eher ruhig angehen. Auch Elsa darf nun erstmal ruhen und nachdenken, ob sie nächstes Jahr wieder etwas braver sein will.

Der alte Kahn…

…ist dieses Jahr gar nicht in See gestochen. Kann er auch gar nicht, denn Hein, mein alter W124 hat gar keine HU mehr und steht momentan auch halbtot in meiner Garage herum. Im Mai startete ich das neue (alte) Projekt, nahm ihn auseinander und schweißte dies und das. Etwas Zeitmangel sorgte zwischendurch dafür, dass ich einige Monate keinen Handschlag an Hein tun konnte. Aber eins kann ich euch versichern: Es geht weiter und so schnell lasse ich mich nicht schlagen, auch wenn ich immer mehr Horror entdecke. Gestecktes Ziel: Am 14. Mai 2022 soll Hein eine Rallye mitfahren. Das wird ziemlich sportlich – aber träumen kann ja. Zu Hein bekommt ihr demnächst einige Updates zu lesen. Ein bisschen was ist nämlich schon passiert.

Ähnlich kurz kann übrigens das Update zu den Mopeds ausfallen: Die Zündapp bekam einen neuen Kupplungs- und Schaltzug und fährt seitdem ganz problemlos, die Hercules bekam eine neue Tachowelle und einen Getriebeölwechsel. Leider ist seit einiger Zeit das Problem da, dass das Moped schneller das Getriebeöl verliert als vorher – und zwar nicht an der Ablassschraube. Das muss ich also noch einmal anschauen. Und die Welle vom Ständer hat sich nun auch schon zweimal während der Fahrt gelöst und ist runtergefallen – zum Glück ist nichts passiert. Wenn all die Kleinigkeiten behoben sind, könnte man nächstes Jahr mal über eine größere Tour nachdenken. Watt’n Blauqualm? Darüber muss ich mal sinnieren.

Watt’n Headquarter

Ich glaube, zwei der schönsten Errungenschaften dieses Jahr sind an meiner Traumgarage passiert. Endlich hat die Garage ein Tor bekommen und meine alten Schätzchen konnten dort einziehen. Seitdem stehen die Autos trocken und einigermaßen warm unter einem Dach. Leider habe ich – wie ihr auf dem Bild sehen könnt – die Garage inzwischen auch schon recht gut zugemüllt. Das muss sich ändern. Die zweite, schöne Errungenschaft? Eindeutig meine neue Hebebühne. Da habe ich wirklich lange drauf gespart. Und auch, wenn viele Leute sagen, dass eine Kurzhubbühne nichts taugt – ich bin mega happy. Eine echte Arbeitserleichterung, auch wenn sie viel Geld gekostet hat und ich lange darauf gespart habe. Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr auch einige Ideen an der Garage umsetzen werden könne.

Und ein großes Danke!

Zum Schluss möchte ich mich nun bei euch noch einmal ganz herzlich bedanken. Ich habe mich auch dieses Jahr wieder tierisch über all die E-Mails, Kommentare und Nachrichten gefreut, die mich über die verschiedensten Wege erreicht haben. Ich bin immer wieder erstaunt, dass ihr tatsächlich Spaß an dem Kram habt, den ich hier fabriziere. Dieses Jahr habe ich sogar mal ein paar neue Sachen ausprobiert, die ersten Videos rein aus Spaß bei YouTube veröffentlicht und auch mal über ungewöhnliche Straßenrandsichtungen geschrieben. Und euch gefällt es anscheinend. Und das freut mich tierisch.

Auch wenn sich das jetzt nach einem tiefgründigen Instagram-Spruch anhört: Watt’n Schrauber ist wirklich ein großer Teil meines Lebens geworden, den ich auch nicht mehr missen möchte. Sei es coole Aktionen wie eine kleine Tour in Olafs Moos-Passat GT oder die Passat-Schrauberaktion mit Jens, der Besuch von Lukas oder Jürgen, das Carrera-Bahn-Battle mit Klaus und Andrea – all das waren Highlights in diesem Jahr. Ganz besonders möchte ich mich auch noch einmal bei allen Teilnehmern vom Watt’n Törn bedanken. Ihr seid wirklich tolle Menschen – und ich freue mich schon ganz stark auf das nächste Jahr.

Und mit so viel Liebe in mir, bleibt mir nichts anderes mehr übrig, als euch einen guten Rutsch und ein tolles, neues Jahr 2021 zu finden. Wahrscheinlich wird Corona uns noch einige Zeit begleiten – also macht das beste draus. Seid dankbar, für das, was ihr habt. Und ganz wichtig: Bleibt gesund, denn 2021 wird ganz bestimmt aufregend!

Also? Bis zum nächsten Jahr!

Über Watt'n Schrauber

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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